Tiere fressen Anwohnern die Blumen weg

Damwild muss Borkum verlassen

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Foto: Ein Damwildhirsch und eine Damwildkuh streifen auf der ostfriesischen Insel Borkum (Niedersachsen) durch einen privaten Garten.

Borkum - AufBorkum fressen sich Damwildkühe rund und glücklich. Mancher Insulaner ärgert sich, weil das Wild ungerührt Bäume und Pflanzen im Garten oder auf dem Friedhof anknabbert. Nun sollen die rund 25 Tiere die Insel zum Herbst verlassen.

Normalerweise sind Besucher auf der Nordseeinsel Borkum höchst willkommen. Doch eine Gruppe von Dauergästen würden die Insulaner am liebsten schon mit der nächsten Fähre wieder wegschicken: das Damwild. Auf Initiative des Umweltministeriums wurden die Tiere vor zwei Jahren nach Borkum geholt, damit sie unpassendes Gehölz aus der wildromantischen Landschaft fressen.

Aber die rund 25 Damwildkühe haben mehr Appetit auf Gartenblumen. Selbst die Friedhofsmauern halten sie nicht davon ab, auf nächtlichen Streifzügen durch die Ortschaften ganze Grabgestecke zu verspeisen. Bürgermeister Georg Lübben hat nun genug von den dreisten Gästen – und will sie im Herbst zurück auf das Festland schicken.

Umweltschützer hatten Zweifel

Die ursprüngliche Idee war simpel: Damit Borkums Dünenlandschaft nicht von Unkraut überwuchert wird, sollte das Damwild, das unter anderem verholzte Triebe von Büschen zu seinen Leibspeisen zählt, als eine Art „Landschaftsschützer“ auf der Insel aktiv werden. Umweltschützer äußerten schon damals Zweifel, doch sie konnten nicht verhindern, dass 2013 die ersten Damwildkühe ihre Hufe auf die Insel setzten.

Ihre Scheu haben die Tiere längst verloren. Seelenruhig stehen sie nun in Vorgärten, rupfen an Zierbüschen und lassen sich von Touristen fotografieren, anstatt zu tun, wozu man sie hergeholt hat. Ähnlich wie auf Norderney. Auch auf der ostfriesischen Insel ist seit Jahren das importierte Damwild los und frisst sich zum Ärger der Bewohner an den Gärten und Parkanlagen satt. Die Borkumer haben nun genug und sind sich einig: Die ungebetenenen Besucher müssen runter von ihrer Insel.

Das könnte allerdings aufwendig werden. Denn seit die Herde aus ihrem Gatter befreit wurde, laufen die Tiere über die ganze Insel und müssten erst einmal eingefangen werden. Abschießen kommt für Bürgermeister Lübben nicht infrage. Schon allein deshalb, so sagt er, weil einige der Damwildkühe gerade Nachwuchs erwarteten. Und außerdem: "Ich hole doch keine Tiere hierher, nur um sie später wieder zu erschießen."

Von Isabel Christian

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