Sammelfiguren aus dem Kreis Peine

Darth Vader knackt zu Weihnachten Nüsse

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Foto: Ein Nussknacker in der Figur von Darth Vader steht in Hohenhameln in einer Lagerhalle des Familienunternehmens Steinbach, dem größten deutschen Hersteller von traditionellen Nussknacker-Figuren.

Hohenhameln - Das Familienunternehmen Steinbach im Kreis Peine ist der größte deutsche Hersteller von traditionellen Nussknacker-Figuren. 90 Prozent der Produkte werden in die USA exportiert. Dort gibt es tausende passionierte Sammler der Figuren.

Der schwarze Weltraumritter Darth Vader knackt weihnachtliche Nüsse ebenso wie Micky Maus, der große US-Präsident Abraham Lincoln oder Indianerhäuptling Sitting Bull. Bei hölzernen Nussknackerfiguren als beliebtem Weihnachtsschmuck sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Es dominieren längst nicht mehr die klassischen Offiziere und Könige.

Das Traditionsunternehmen Steinbach in Hohenhameln (Kreis Peine) bietet derzeit 350 verschiedene Figuren aller Größen und Farben an. Darunter sind sehr viel amerikanische Motive. „Wir setzen 90 Prozent unserer Produkte in den USA ab und dort läuft das Geschäft nach einer Talfahrt vor drei Jahren derzeit wieder gut“, sagt Karla Steinbach, die das Familien-Unternehmen mit ihrer Tochter Karolin in sechster und siebter Generation leitet.

Die beiden sind gerade von einer großen Signier-Tournee aus den USA zurückgekehrt. Karla Steinbach hat in vier Wochen 45 Spielwarengeschäfte in fast ebenso vielen Städten quer durch die Staaten besucht, ihre Tochter ist dort jährlich bis zu viermal auf Marketing-Tour unterwegs. Deutsches Brauchtum kommt in den USA gut an, der Name Steinbach ist fast schon Kult. Es gebe dort tausende passionierte Nussknacker-Sammler und sogar einen Steinbach-Fanclub mit 1500 Mitgliedern, berichtet Karla Steinbach.

Mit Blick auf diese Sammler werden die Auflagen vieler Figuren limitiert und gezielt Serien herausgebracht - etwa über amerikanische Präsidenten, Bürgerkriegsgeneräle und Indianerhäuptlinge oder zu Hollywoodfilmen wie „Star Wars“ oder „Der Zauberer von Oz“. „Es werden inzwischen hohe Preise für rare Sammlerstücke gezahlt“, erzählt die Tochter: etwa 6500 Dollar für ein seltenes Känguru oder 5000 Dollar für den mystischen Zauberer Merlin. Mit dem Disney-Konzern wurde jetzt ein Lizenzvertrag vereinbart, nach dem Disney-Figuren von Steinbach bei Disney World verkauft werden.

Seit 190 Jahren produziert die Familie Nussknacker und Holzspielzeug – lange Zeit im Erzgebirge, der Urheimat aller Nussknacker. Nach dem Krieg wurde die Tradition in Hohenhameln fortgesetzt. Ein zweiter Betrieb wurde nach der Wiedervereinigung in Marienberg im Erzgebirge eröffnet. Das Unternehmen beschäftigt rund 180 Mitarbeiter. „Wir sind der größte Hersteller in Deutschland“, sagt Karla Steinbach. Insgesamt gibt es nach Angaben des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker noch 250 Betriebe mit knapp 2000 Beschäftigten, die diese traditionelle Volkskunst unter geschützten Markennamen produzieren.

„Wir können uns gegen billige Kopien und Plagiate vor allem aus China nur mit Qualität in der Gestaltung und in der Fertigung, mit Kreativität und einer Markenstrategie behaupten“, betont die Firmenchefin. Ihr Unternehmen sei zwar eine kleine Fabrik, aber es werde alles noch in Handarbeit produziert. Jede Figur besteht aus bis zu 150 Teilen und durchläuft in sechs Wochen mehrere Fertigungsbereiche, in denen Drechsler, Schreiner, Maler oder Schneider Hand anlegen. Allerdings gebe es zunehmend Probleme, Auszubildende für den Beruf des Holzspielzeugmachers zu finden, beklagt Karla Steinbach.

Eine Studie des Verbandes ergab, dass in Deutschland jeder dritte Nussknacker-Käufer ein Sammler ist. Das Nussknackermuseum in Neuhausen (Erzgebirge) organisiert regelmäßig Sammlertreffen. Auch in Deutschland werden Spitzenpreise für seltene Stücke von einigen tausend Euro erzielt, weiß Museumsgründer Jürgen Löschner. Im Museum werden inzwischen 5500 verschiedene Nussknacker aus vier Jahrhunderten und aus mehr als 30 Ländern gezeigt. Jährlich wird in Neuhausen auch eine Nussknackerkönigin proklamiert.

dpa

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