Brand in Lüneburg

„Das wird eine richtige Zahnlücke"

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Lüneburg - Nach dem Großbrand im malerischen Lüneburger Hafenviertel kämpfen die Einsatzkräfte weiter mit den Folgen des Feuers. Erst am Dienstagnachmittag wurden die letzten Flammen gelöscht. Zerstört wurde auch ein Teil der Kulisse der ARD-Serie "Rote Rosen".

Auch einen Tag nach dem Großbrand in Lünburgs historischem Wasserviertel waren gestern noch rund 100 Einsatzkräfte vor Ort, um die verbliebenen Glutnester zu löschen. Das Feuer hatte ein vierstöckiges Gebäude zerstört, in dem ein italienisches Restaurant, ein Irish Pub und Wohnungen untergebracht waren. Das Haus liegt am historischen „Stintmarkt“, am Ufer der Ilmenau. Der Straßenzug ist bekannt aus der ARD-Fernsehserie „Rote Rosen“.

Die Feuerwehr konnte zwar verhindern, dass das Feuer auf angrenzende Gebäude übergreift, ein Schaden an den Nachbarhäusern könne aber derzeit nicht ausgeschlossen werden, sagte Nicole Winterbur von der Polizei Lüneburg. „Es könnte sein, dass durch die Explosion auch die Statik der angrenzenden Häuser gelitten hat. Das kann man von außen nicht sehen, wir müssen abwarten, bis sich Experten die Gebäude von innen angesehen haben.“ Das Feuer war vermutlich durch eine Explosion im Restaurant „La Trattoria“ im Erdgeschoss des ausgebrannten Gebäudes ausgelöst worden. Zeugen hatten in der Nacht zum Montag einen lauten Knall gehört.

Am Mittwochvormittag wollen sich erstmals Brandermittler die Ruine anschauen. Es könne aber noch einige Tage dauern, bis klar sei, was die Explosion in dem Fachwerkhaus ausgelöst hat, so Winterbur.

Das ausgebrannte Haus liegt im denkmalgeschützten Bereich am Lüneburger Stintmarkt, der viele Touristen anzieht und in dem ein Teil der „Rote Rosen“-Serie gedreht wird. Die Darsteller und das Produktionsteam der Telenovela zeigten sich betroffen vom Feuer. „Der Verlust eines solchen Hauses, das das Ufer-Panorama der Altstadt und damit eines der Schlüsselmotive von Rote Rosen prägte, schmerzt und macht betroffen“, teilte Produzent Emmo Lempert mit. Das Filmteam werde bei künftigen Dreharbeiten aber eine Lösung finden, um dem Zuschauer die Schönheit der Stadt weiter ungetrübt zu zeigen. Ein Feuerwehrsprecher sagte: „Das wird eine richtige Zahnlücke, richtig ausgehöhlt. Da bleibt nichts.“

Vermutlich durch eine Explosion in einer Gaststätte war das Feuer am frühen Montagmorgen ausgebrochen. Der Schaden liegt nach Angaben der Polizei im Millionenbereich. Menschen wurden bei dem Feuer nicht verletzt. Hunderte Feuerwehrleute kämpften stundenlang mit Kran und Löschbooten gegen ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude. „Da wird erst die Leistung der Feuerwehr klar, dass die Nebengebäude gehalten werden konnten“, sagte ein Sprecher.

Rund 70 Anwohner durften auch am Dienstag zunächst nicht zurück in ihre evakuierten Wohnungen. Im Laufe des Tages sollte ein Team vom Bremer Umweltinstitut jede einzelne Wohnung am Stintmarkt auf Schadstoffbelastung prüfen, teilte die Stadt Lüneburg mit. Die Betroffenen mussten sich darauf einstellen, auch die Nacht zum Mittwoch nicht zu Hause zu schlafen. Die Stadt stellte ihnen ein Übernachtungsquartier zur Verfügung.

Der Lüneburger Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) rief Bürger zu Spenden für die Betroffenen auf. Laut Angaben der Stadt soll das historische Haus wieder errichtet werden. „Der Wiederaufbau ist das Ziel, aber es müssen noch ein paar Punkte geklärt werden“, teilte Mädge mit. Die Stadt befände sich im Gespräch mit dem Hauseigentümer und dem Land.

Von Anne Grüneberg (mit dpa)

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