"East Side Gallery"

Wie David Hasselhoff für den Erhalt der Mauer kämpft

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David Hasselhoff sitzt in einem Bus und fährt entlang der East Side Gallery.

Berlin - "Die Mauer muss bleiben": Über 20 Jahre nach dem Mauerfall ist David Hasselhoff wieder Mauerbeauftragter, doch dieses Mal kämpft er für den Erhalt.

Irgendwann, so sagt die Legende, haben sich im Gehirn von David Hasselhoff ein paar Synapsen falsch verbunden. Denn mittlerweile glaube der Schauspieler, dass er maßgeblich am Mauerfall beteiligt gewesen sei. Silvester 1990 sang er, zumindest das ist belegt, vor 500.000 Menschen an der Berliner Mauer "I've Been Looking for Freedom". Mehr politischer Einfluss ist allerdings nicht bekannt.

Über 20 Jahre später ist Hasselhoff wieder Mauerbeauftragter, doch dieses Mal kämpft er für den Erhalt. Seitdem Anfang März Bauarbeiten an dem längsten noch existierenden Mauerstück, der East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain, für ein Luxuswohnhaus begonnen haben, ein Stück der "Wall" entfernt werden sollte, berichten auch internationale Medien über den Umgang der Hauptstadt mit Geschichte. So ausgiebig, dass Hasselhoff die Kunde erreichte. Der twitterte fleißig, bat um Unterstützung, fragte "Wie findest DU es, dass die Berliner Mauer wegen privaten Kapitals abgerissen wird?" In den USA gab es Interviews, "die Mauer muss bleiben" und so weiter. Scheinbar ließ ihn das Thema nicht los. Sonnabend kam er dann tatsächlich in die Hauptstadt, um selbst für die Sache zu demonstrieren.

Im Yaam-Kulturclub am Spreeufer, direkt hinter der East Side Gallery, gab Hasselhoff gestern eine Pressekonferenz. Sein Name zieht in Deutschland enorm, etwas, worüber sich Amerikaner gern lustig machen. Ist Hasselhoff dort der alte Recke aus "Baywatch" und "Knight Rider", genießt er hier fast einen Legendenstatus. Tausende kamen, um beim anschließenden Mauerspaziergang - The Hoff hoch auf einem gelben Wagen - einen Blick auf ihn zu werfen. Sogar Berliner Hipster, die Stil-Bohéme, ließen sich das nicht entgehen - sie finden Hasselhoff wohl ähnlich ironisch gut wie Oberlippenbärte und bunte Polyester-Jacken. "Geschichte muss bewahrt werden", predigte Hasselhoff den Journalisten in die Blöcke - natürlich nicht, ohne kurz sein "Freedom" anzusingen. "Dieses letzte Stück der Mauer ist heilig, es ist der einzige Platz, an dem man sich treffen und darüber reden kann", betonte er. Hier könne man es nachfühlen, wie es war, als Familien auseinandergenommen wurden, Menschen starben. Sätze, die das Bündnis "East Side Gallery retten" seit Wochen gebetsmühlenartig wiederholt. Jetzt eben aus einem prominenten Mund - der in Ostdeutschland schlimme Erfahrungen gemacht hat: "Ich habe da Steak gegessen, es schmeckte wie Schuhsohle".

Tatsächlich haben sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und die Investoren längst geeinigt, dass Alternativen zum Teilabriss gefunden werden sollen. Dem Ziel, weitere Löcher in der Gallery zu vermeiden, sind die 76000 Menschen, die eine entsprechende Petition bereits unterschrieben haben, also schon deutlich näher. Das macht aber nichts, an diesem Sonntagnachmittag war Hasselhof der Erlöser, der gefeiert wurde, als habe er allein sämtliche Kräne und Bagger aus Berlin vertrieben. Und am Ende sogar noch eine Forderung nennt, die noch nicht erfüllt ist: "Hier an der Spree auf dem Todesstreifen sollte überhaupt nichts mehr gebaut werden." Das lässt sich aber offenbar schwer vermeiden: Die Bebauungspläne wurden schon in den 90er Jahren gemacht, das Geld, sich aus Veträgen heraus zu kaufen, fehlt dem Bezirk. Für die vielen Bündnisse, die den Plan unterstützen, gab es dazu gleich noch ein Geschenk: Hasselhoff erklärte sich bereit, einer Spendenaktion vorzustehen, die nun Geld bringen soll - für Gutachten, Anwälte und Aktionen. Und für "Freedom".

(www.rally.org/weareberlin)

Von Sebastian Scherer

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