Wolfgang Joop wird 70

„Den Kuchen habe ich mir selbst gebacken“

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Modeschöpfer Wolfgang Joop wird am Dienstag 70 Jahre alt.

Potsdam - Wolfang Joop hat viele Talente: Er macht Mode, ist Castingshowjuror, schreibt als Autor,beschäftigt sich mit Illustrationen und offensichtlich auch mit Backwerk. Am Dienstag wird Joop 70 Jahre alt und zieht im Interview ein zufriedenes Resümee.

Wie feiern Sie Ihren 70. Geburtstag? Ich werde mich im allerengsten Kreise davonmachen und in ein anderes Land reisen. Ich habe keine so große Lust, mich dauernd zu bedanken, dass ich durchgehalten habe bis jetzt.

Was bedeutet die Zahl für Sie? Ich habe nicht so viel Zeit, darüber nachzudenken. In meinem Beruf arbeitet man immer schon ein Jahr voraus. Dadurch gerät man etwas durcheinander mit der Zeit. Zumal im Winter die Arbeitszeit immer knapp wegen der vielen Feiertage ist. Gerade arbeite ich an der Winterkollektion 2015/16. Die Ideen dafür will man möglichst schnell realisiert sehen, damit man sie noch vor Paris korrigieren kann. Man wartet immer auf den Termin. Da ist man selber ungeduldig und hat das Gefühl, man lebt in der Zukunft und gar nicht richtig in der Gegenwart. Ich habe aber auch gelernt, die Vergangenheit als etwas Kostbares zu sehen. Ich konnte eine so große Strecke an Frieden und Selbstverwirklichung erleben, dass ich an einen Punkt gelangt bin, an dem ich sage: Was jetzt noch kommt, sind nur noch die Kirschen auf dem Kuchen. Den Kuchen habe ich mir vor allem selbst gebacken. Aber ich durfte ihn immer teilen. Das ist ja auch wichtig.

Das klingt nach einem guten Resümee ... Ich bin physisch und geistig privilegiert. Ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich in die Jeans reinkomme. Ich komme in sie – und zwar in die, die ich mir vor 40 Jahren gekauft habe. Mein Friseur wundert sich über die Menge meiner Haare ... Ich habe mir da nie viele Gedanken machen müssen. Das einzige Problem ist, wenn ich mir für besondere Anlässe etwas rauslegen muss. Dann bin ich immer ratlos. Vielleicht, weil ich mich zu sehr mit dem Äußeren der anderen beschäftige. Und auch nicht unbedingt mit der aktuellen Mode mitgehen will. Sie ist die, die hämisch lacht, wenn man sich komplett nach ihr richtet.

Sie sind wieder bei „Germany’s Next Topmodel“ dabei. Statt Rente eine neue Karriere? Ich glaube, dass ich in der ersten Staffel einen wesentlichen Beitrag leisten konnte. Ich habe dem reinen Unterhaltungs- und Challengeformat die Perspektive hinzugefügt, um welche Aspekte es bei der High Fashion geht. Dass es da eben nicht nur um das Schöne, Gefällige geht, sondern auch um die Abweichung. Ich habe aus einer Welt berichten können, um die es angeblich geht: die Welt der High Fashion mit den echten Topmodels. Aber diese Welt kannten die Leute, die das Format machen, nicht direkt aus eigener Erfahrung. Da ich meinen Auftritt nicht als Rolle begreife, bin ich halt so wie ich bin: Ich zeige Gefühle, habe Mitleid oder Heimweh wie die Mädchen und gehe wie sie oft an meine Grenzen. Wie sie ziehe ich mich dauernd um und bin so keine berechenbare oder nur begleitende Moderatorfigur. Ich wusste, dass viele Augen auf mich gerichtet sind. Das ist nicht immer angenehm. Aber diese Prüfung habe ich mir auferlegt und die habe ich – glaube ich – bestanden.

Zur Person

Wolfgang Joop wurde 1944 in Potsdam geboren. Mittlerweile lebt er dort auch wieder. Er wuchs auf dem Bauernhof der Großeltern, Gut Bornstedt, am Park von Sanssouci auf, bis die Familie 1954 nach Braunschweig übersiedelte. Im Frühjahr 1982 stellte Joop seine erste Prêt-à-porter-Damenkollektion vor. 2003 gründete Joop das Label „Wunderkind“ mit Sitz in Potsdam.

Interview: Marion van der Kraats

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