Brake

Denkmalgeschützter Bahnhof wird versteigert

+
Der Braker Bahnhof soll versteigert werden.

Brake - Wer schon immer von einem eigenen Bahnhof geträumt hat, kann im Juni in Brake zuschlagen. Die Bahn versteigert das denkmalgeschützte Empfangsgebäude. Seit Jahren steht es leer. Wird sich das jetzt ändern?

Wer in Brake aus dem Zug steigt, steht erstmal vor verschlossenen Türen. Die Fenster des Bahnhofsgebäudes sind verrammelt, einige Wände mit Graffiti beschmiert. Seit 18 Jahren steht der denkmalgeschützte Bau leer. Ein Käufer ist nicht in Sicht. Deshalb will die Bahn die Immobilie im Juni versteigern lassen. Eine Bürgerinitiative hofft jetzt auf eine neue Chance für das Gebäude. Der Bürgermeister ist jedoch skeptisch.

Architektonisch ist der mehr als 110 Jahre alte Bau mit seiner Kaiserzeitfassade und einem Türmchen auf dem Dach ein Kleinod. Für die Stadt an der Unterweser ist er zurzeit aber alles andere als ein Aushängeschild. Das will Bürgermeister Roland Schiefke (parteilos) ändern - und zwar schon seit langem. Er würde gerne das Rathaus in das schmucke Gebäude verlegen. „Nur dann ist es zu retten“, meint er. Bisher scheiterten seine Pläne aber an der Mehrheit im Stadtrat.

Für mindestens 49.000 Euro soll das Braker Bahnhofsgebäude im Juni beim Berliner Auktionshaus Karhausen unter den Hammer kommen. Auktionator Matthias Knake rechnet mit einigen Interessenten. „Es ist der schönste und größte Bahnhof, den wir diesmal dabei haben. Und die Bahnhöfe laufen gut“. Etwa 400 hat das Auktionshaus in den vergangenen zweieinhalb Jahren versteigert. Im Dezember hatte zum Beispiel der Bahnhof in Achim für 117 000 Euro den Besitzer gewechselt.

In Niedersachsen will sich die Bahn zurzeit von mehreren Bahnhöfen beziehungsweise Empfangsgebäuden trennen, darunter die in Ronnenberg, Lauenförde und Helmstedt. Diese stehen zunächst ganz klassisch zum Verkauf. Versteigert werden sie erst, wenn sich, wie in Brake, auf diesem Weg kein neuer Besitzer finden sollte.

Anne Saueressig würde bei der Auktion im Sommer gerne im Namen der Braker Bürger mitbieten, doch dafür fehlt das Geld. Sie hat im vergangenen November eine Bürgerinitiative gegründet, die das Bahnhofsgebäude wiederbeleben will. „Die Braker Innenstadt ist tot. Hier fehlt so einiges.“ Ihrer Ansicht nach würden sich zum Beispiel Geschäfte oder ein Café im alten Bahnhof gut machen. Sie hofft deshalb auf einen neuen Eigentümer mit ähnlichen Vorstellungen. Sie will jetzt einen Verein gründen, der Spenden für den Erhalt des Gebäudes eintreibt und Geschäftsleute aus der Umgebung anspricht.

Bürgermeister Schiefke ist dagegen pessimistisch. Er bezweifelt, dass sich ein Abnehmer für den maroden Bau findet. Selbst die Bahn spricht in ihrem Verkaufsexposé von hohem Sanierungsbedarf. Dazu kommen die Auflagen des Denkmalschutzes, die bei allen Bauarbeiten berücksichtigt werden müssen. Trotzdem will Schiefke die Bürgerinitiative bei der Suche nach möglichen Mietern unterstützen. Doch wenn das nichts wird, will er den Rathaus-Umzug wieder auf den Tisch bringen.

Dass die Bahnhofs-Wiederbelebung einen langen Atem braucht, kann sein Kollege Uwe Kellner (parteilos) aus Achim bestätigten. Dort steht das Empfangsgebäude seit Jahren ebenfalls zu großen Teilen leer. Früher war dort einmal eine Kneipe. Jetzt beherbergt es nur noch ein kleines Reisezentrum und die Gleisaufsicht. Daran hat auch die Versteigerung nichts geändert. „Wir hatten schon gedacht, dass da irgendeine Attraktion für die Reisenden reinkommt“, sagt Kellner. Doch bisher ist nichts passiert.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare