Imagekampagne

Wo ist denn nun der echte Norden?

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Die Imagekampagne aus Schleswig-Holstein gefällt vielen Niedersachsen nicht.

Hannover - "Der echte Norden" - so wibt Schleswig-Holstein für sich. Die neue Imgagekampagne wirft beim Nachbar Niedersachsen so einige Fragen auf auch bei den Landespolitikern. Den Niedersachsen ist klar, wo Norden ist.

Der Chef der größten Oppositionsfraktion im Landtag, Björn Thümler (CDU), zürnt. So nicht. Die neue Imagekampagne des Nachbarlandes Schleswig-Holstein sei ein „Affront gegen die Zusammenarbeit der norddeutschen Länder“ und nicht sehr konstruktiv, teilt Thümler in einer offiziellen Pressemitteilung seiner Fraktion mit. Anlass zur Erregung bietet die neue „Dachmarke“, unter der künftig alle Institutionen für Schleswig-Holstein werben sollen - unter dem Slogan „Der echte Norden“.

Früher, als sich Schleswig-Holstein zum „Land der Horizonte“ stilisierte, gab es keine Irritationen mit südlicheren Anrainern. CDU-Fraktionschef Thümler reibt sich jetzt an der Argumentation, mit der der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) den neuen Slogan verteidigte, der auch im Kieler Landtag von der oppositionellen CDU kritisiert wird: Wegen der Berge könne Niedersachsen kein echter Norden sein. Das sei doch „hanebüchen“, kontert Thümler: „Offenbar kennt Herr Meyer sein eigenes Land nicht. Schließlich finden sich in der Holsteinischen Schweiz auch zahlreiche Hügel.“

Die Argumentation mit den Bergen kann Meyers Amtskollege in Hannover, Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), ebenfalls nicht ganz nachvollziehen: „Das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Bergen kann nicht Kriterium für den Norden sein“, sinniert Minister Lies im Stile Hamlets - und führt ein Hammerargument ins Feld: „Da reicht ein kurzer Blick nach Nordnorwegen.“ Deshalb will Lies den Kielern zu ihrem neuen Slogan nicht gratulieren. Andererseits erwarte er jetzt auch „keine diplomatischen Verwicklungen“. Schleswig-Holstein sei schließlich ein befreundetes Bundesland. Und: „Wo Norden ist, ist immer auch eine Frage des eigenen Standortes.“

In Kiel hat sich gestern herumgesprochen, dass die Parole, wirklich der echte Norden zu sein, in Hannover nicht nur gut angekommen ist. „Wir stehen aber hinter der Marke“, erklärte gestern mannhaft ein Sprecher des Kieler Wirtschaftsministers: „Wir sind nun mal auf der Karte ganz oben.“

Ganz oben auf Niedersachsens Karte lebt der Oberbürgermeister Cuxhavens, Ulrich Getsch, der mit der „Kugelbake“ immerhin den nördlichsten Punkt des Landes als Wahrzeichen hat. Getsch meint, zum Norden gehöre immer die See. „Wer Meer hat, braucht weniger und ist glücklicher.“ Der „echte Norden“ müsse jedenfalls eine Verbindung zur offenen See haben, etwa zu Helgoland. Aber die Hochseeinsel werde nicht vom eigentlichen zuständigen Schleswig-Holstein, sondern von Cuxhaven mit Schiffslinien bedient. „Schleswig-Holstein ist eigentlich zu lieblich, um richtig Norden zu sein, von den nordfriesischen Inseln wie etwa Amrum oder Sylt einmal abgesehen“, meint Oberbürgermeister Getsch. Zum Norden gehöre eine steife Brise, der Blick aufs Meer. So wird der Cuxhavener, wenn er auf 3,5 Millionen Übernachtungen im Jahr hinweist und den Satz „Wir hier oben sind Spitze“ ausstößt, niemals an Kiel denken.

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