126.000 Fässer

„Der Atommüll muss raus aus der Asse“

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126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll lagern in der Asse. Laut Gesetz sollen die Fässer aus den Schächten geholt werden.

Hannover - Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) warnt davor, die geplante Rückholung des Mülls aus dem atomaren Lager Asse zu hintertreiben. Laut Gesetz sollen die Fässer aus den Schächten geholt werden – doch die Diskussion ist damit noch lange nicht beendet.

„Es bleibt dabei: Der Müll muss raus. Ich ärgere mich darüber, dass offensichtlich zum wiederholten Mal versucht wird, die vom Gesetzgeber beschlossene Rückholung des Mülls zu torpedieren“, sagte Wenzel der HAZ. Anstatt sich in internen Papieren Gedanken darüber zu machen, wie das ehrgeizige Vorhaben doch noch verhindert werden könnte, sollten alle Experten an einem Strang ziehen, empfahl der Minister. „Ich hege auch Zweifel an der Zusammensetzung und Vorgehensweise der Strahlenschutzkommission“, sagte Wenzel.

Die Strahlenschutzkommission ist eine der wichtigsten Beratergruppen des Bundesumweltministeriums in Sachen Strahlenschutz. Das 16-köpfige Beratergremium ist unabhängig, es setzt sich aus Universitätsprofessoren, aber auch TÜV-Leuten und Technikexperten zusammen. Kurz vor Weihnachten wurden Überlegungen einer Untergruppe der Kommission publik, die erhebliche Zweifel am bisherigen Umgang mit der Asse-Problematik weckten und für Irritationen sorgten – und zwar nicht nur in der Anwohnerschaft des maroden Salzbergwerks bei Wolfenbüttel, in dem 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll lagern.

So rütteln die Experten am Grundpfeiler der bisherigen Asse-Sanierung. Sie werfen die Frage auf, ob die Rückholung des schwach- und mittelradioaktiv belasteten Mülls nicht gefährlicher sei als den Müll in der Grube zu belassen, die abzusaufen droht.

Radioaktiver Müll solle nur bewegt werden, wenn der Nutzen den Schaden überwiege, heißt es etwa in dem Papier. Auch eine Teilrückholung des kontaminierten Materials wird erwogen. Bemängelt wird, dass bei der Beschlussfassung des Asse-Gesetzes, das eine komplette Rückholung des Mülls aus dem früheren Bergwerk begründet, eine strahlenschutzrechtliche Rechtfertigung der Aktion unterblieben sei.

Diese Sicht hat für erhebliches Kopfschütteln im zuständigen Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gesorgt, das offensichtlich in die Überlegungen der Strahlenschutzkommission gar nicht einbezogen worden war. Der Vorsitzende der Expertengruppe, Professor Wolfgang-­Ulrich Müller, sagte kurz vor Weihnachten dem Berliner „Tagesspiegel“, die Überlegungen stellten lediglich einen „Zwischenstand“ dar. Näher kommentieren wollte er sie indes nicht.

Dennoch haben die unautorisierten Pläne bei den Anwohnern der Asse in Remlingen wie auch bei Umweltpolitikern für Aufregung gesorgt. Im BfS erklärte ein Sprecher auf Anfrage der HAZ, man habe vom Entwurf dieser Stellungnahme erst Mitte Dezember durch eine Einladung zu einer Sitzung der Strahlenschutzkommission erfahren.

„Dieser Entwurf ist offensichtlich nicht auf der Höhe der Zeit der Diskussion um die Asse.“ Denn grundsätzliche Abwägungen des Strahlenschutzes seien bereits bei der Erarbeitung des Asse-Gesetzes im Februar 2013 geschehen. „Es wäre hilfreicher, wenn alle Experten die langfristig sichere Schließung der Asse unterstützen würden“, heißt es im BfS.

So sieht es auch Niedersachsens Umweltminister. „Die Strahlenschutzkommission geht völlig intransparent mit einem Gesetz um, das von einer breiten Mehrheit im Bundestag beschlossen worden ist.“ Der Versuch, neue Hürden vor die Rückholung zu setzen, sei inakzeptabel, sagte Wenzel.

Viel zu tun in der Asse

Der alte Salzstock ist eine Großbaustelle: Im Atommülllager Asse arbeiten rund um die Uhr bis zu 120 Kumpel und stabilisieren das marode Bergwerk. „Letztendlich ist Bohren und Betonieren das täglich Brot“, sagte Ina Stelljes vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das die Asse im Landkreis Wolfenbüttel betreibt. Das soll eine sichere Rückholung des dort lagernden Atommülls ermöglichen. An vielen Stellen werden beispielsweise Hohlräume in ehemaligen Abbaukammern des Salzstocks mit einem speziellen Beton verfüllt. Allein im Jahr 2014 wurden mehr als 36.000 Kubikmeter Beton im Bergwerk verbaut. Den Arbeitern stehen unter Tage insgesamt 90 dieselbetriebene ­Fahrzeuge zur Verfügung.

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