Wer will das gute Stück?

Deutsche Bahn verkauft 17 Bahnhöfe in Niedersachsen

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Das Bahnhofsgebäude in Brake, Baujahr 1888, Grundstücksfläche 2535 Quadratmeter, renovierungsbedürftig.

Hannover - Haus sucht Käufer: 17 oft denkmalgeschützte Bahnhöfe stehen in Niedersachsen zum Verkauf. in Großteil der sogenannten Empfangsgebäude ist 80 bis 100 Jahre alt.

Das klingt nach einer interessanten Immobilie. Zu verkaufen: denkmalgeschütztes, sehr repräsentatives Gebäude aus dem Jahre 1847, mehrere Hundert Quadratmeter Wohnfläche, großes Grundstück, mitten im Zentrum des Kurortes Bad Bevensen. Ruhige Lage? Familienfreundlich? Eher nicht. Denn hinterm Haus fahren regelmäßig Züge, dort verläuft die Bahnstrecke Hannover–Hamburg.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Bad Bevensen ist nur eine von insgesamt 17 Immobilien, die die Deutsche Bahn in den nächsten zwei Jahren in Niedersachsen verkaufen will. Ein Großteil der sogenannten Empfangsgebäude ist 80 bis 100 Jahre alt. Viele haben den „Charakter kleiner Schlösser und sind in der heroischen Zeit der Eisenbahn gebaut worden“, sagt Friedemann Keßler, Regionalbereichsleiter Nord der DB Station&Service AG, die Eigentümer der Immobilien ist. Für das Unternehmen sind die Bahnhöfe nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben – zu groß, zu unmodern. So braucht kein Reisender heutzutage noch Warteräume für die 1., 2. oder sogar 3. Klasse. Auch große Gepäckaufbewahrungshallen sind nicht mehr zeitgemäß. Und der Bahnhofsvorsteher, der in der guten alten Eisenbahnerzeit noch im Gebäude seine Wohnung hatte, ist vielerorts verschwunden.

Jetzt soll neues Leben in die teilweise brachliegenden, manchmal ziemlich maroden Häuser einziehen. Und weil Bahnhöfe oft die Visitenkarten eines Ortes sind, haben die Kommunen ein gesetzliches Vorkaufsrecht. Wollen oder können diese nicht investieren, sind privaten Investoren keine Grenzen gesetzt. Beispiele für eine Nachnutzung gibt es schon jetzt: So wurde der Bahnhof in Barsinghausen an den Arbeiter-Samariter-Bund verkauft, der dort ein Schulungszentrum betreibt. In Kirchweyhe wurde nach der Sanierung ein Kiosk gebaut, in Papenburg zog die Volkshochschule ein, und in Varel hat die Stadt ein Reisebüro mit Fahrkartenverkauf eingerichtet.

Hotels, Restaurants, Kinos, Museen, Büchereien oder gar ein Rathaus könnten so neu entstehen – alles nur eine Frage des Geldes. Denn die zentral gelegenen Immobilien stehen häufig unter Denkmalschutz, und eine Sanierung unter entsprechenden Auflagen kann teuer werden. Hinzu kommt noch, dass große Eingangshallen oft schlecht genutzt werden können. Bahnhöfe in kleinen Gemeinden sind besonders schwierig zu verkaufen, weil meist nur morgens und abends Berufspendler sich überhaupt in Bahnhofsnähe aufhalten. Hier ein Restaurant zu eröffnen, kann zum Risiko werden. Wenn sich gar kein Investor findet, kommen die Bahnhöfe unter den Hammer. Erst vor Kurzem gab es eine Versteigerung in Berlin, dort wechselte auch der Bahnhof in Achim den Besitzer.

Immer häufiger trennt sich die Deutsche Bahn von alten Immobilien. Bei Verkaufsaktionen in Schleswig-Holstein haben sich die Kommunen für immerhin ein Drittel der Objekte interessiert. „So ähnlich erwarten wir das auch in Niedersachsen“, sagt Petra Johnen, bei der Bahn verantwortlich für den Verkauf. Im vergangenen Jahr sind im Norden Deutschlands etwa 14 Kaufverträge abgeschlossen worden. Dabei schwankten die Verkaufspreise von einem Euro bis zu mehreren Millionen. Bundesweit besitzt das Unternehmen noch an 1300 von rund 5400 Bahnhöfen ein Empfangsgebäude. Etwa 600 bis 700 will die Bahn davon langfristig behalten. Die restlichen Häuser stehen noch zum Verkauf oder werden notfalls abgerissen. In den letzten Jahren wurden bereits rund 1700 Gebäude an Kommunen oder private Investoren verkauft.

Alle zum Verkauf stehenden Objekte finden Sie unter www.bahnliegenschaften.de

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