Schulschiff

„Deutschland“ muss repariert werden

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Foto: Rost soll sich in den Rumpf des Schulschiffes gefressen haben. Die „Deutschland“ muss repariert werden.

Bremen - Einst überquerte der stolze Segler die Weltmeere. Heute ruht das „Schulschiff Deutschland“ an einem festen Liegeplatz in Bremen. Besucher können den Dreimaster besichtigen oder an Bord heiraten. Nun muss das Schiff für viel Geld repariert werden.

Rost macht dem fast 90 Jahre alten „Schulschiff Deutschland“ zu schaffen. Der denkmalgeschützte Großsegler, der inzwischen als Museumsschiff in Bremen liegt, muss deshalb zur Reparatur in eine Werft. Dort soll die dünn gewordene Bordwand mit Stahlplatten verstärkt werden. „Das wird praktisch wie ein Pflaster aufgeschweißt“, sagte der Vorsitzende des Schulschiff-Vereins, Claus Jäger. Die Restaurierung wird rund eine Million Euro kosten. Am 21. Oktober soll es losgehen.

Auf den ersten Blick sind die Schäden nicht zu sehen. Doch unterhalb der Wasserlinie hat der Rost sich tief in den Rumpf des stolzen Seglers gefressen. Stellenweise misst die Wand nur noch zwei bis drei statt zwölf Millimeter. „Bisher dringt kein Wasser ein“, sagte Jäger. Die beschädigten Stellen hat der Verein von innen mit Stahl und Beton versiegelt. Doch das allein reicht nicht: Auch zahlreiche Nieten sind instabil geworden und müssen ersetzt werden. „Den Umfang kann man erst im Dock sehen.“

Der Dreimaster wurde 1927 eigens dafür gebaut, um Seeleute an Bord auszubilden. Er ist das einzige erhaltene Schiff aus dieser Zeit. „Es steht für die Bedeutung, die die Segelschifffahrt in den vergangenen Jahrhunderten hatte“, sagte Denkmalschützer Thomas Mertz. Bis 1939 ging der Segler auf Ausbildungsfahrten bis nach Südamerika und Südafrika. Danach wurde er in die Ostsee verlegt und nach Kriegsende zunächst als Lazarettschiff, Wohnschiff für Minenräumer und Jugendherberge genutzt. Später war er Seemannschule, Schulinternat und Ausbildungswerkstatt.

1995 wurde das Schulschiff für 5,5 Millionen Mark originalgetreu restauriert und anschließend zu seinem heutigen Liegeplatz an der Lesum-Mündung im Bremer Stadtteil Vegesack geholt. Von dort werden zwei Schlepper das 86 Meter lange Kulturdenkmal am 21. Oktober die Weser rauf nach Bremerhaven ziehen. Nach dem Werft-Aufenthalt werden Besucher das Schiff dann wieder besichtigen, sich an Bord das Ja-Wort geben oder übernachten können. Mehrere Wochen wird das Schulschiff voraussichtlich in der Werft bleiben. Überall dort, wo Arbeiter an der Bordwand schweißen müssen, müssen vorher Schlafkabinen, Schränke und andere Einbauten wegen der Brandgefahr entfernt werden. „Darum wird es so teuer“, erläuterte Jäger. 700.000 Euro Förderung bekommt der Schulschiff-Verein von Bund, Land und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Den Rest muss er über Spenden finanzieren. Bisher fehlen noch etwa 200.000 Euro.

dpa

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