Fettleibigkeit in Mexiko

Dicker als die Amerikaner

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Foto: Viele Menschen in Mexiko leiden an Fettleibigkeit.

- Über viele Generationen ernährten sich die Mexikaner ausgewogen und gesund, mit viel Gemüse, Mais und frischem Obst. Doch das hat sich dramatisch geändert. Heute hat Mexiko neben den USA die höchsten Übergewichts- und Diabetes-Raten weltweit. Der Staat will der Fettleibigkeit nun mit einer neuartigen Steuer beikommen.

„Wir sind von einem Vorzeigeland in Sachen Ernährung zu einem abschreckenden Beispiel geworden“, klagt Alejandro Calvillo von der Verbraucherschutzorganisation „El poder del con­sumidor“. Die jüngsten Zahlen geben ihm recht. Die Mexikaner trinken laut einer neuen Studie der Harvard-Uni­versität mehr zuckerhaltige Brausegetränke als jeder andere Mensch auf diesem Planeten. Pro Jahr und Nase sind es 180 Liter, also pro Tag rund ein halber Liter. ­Damit stellen die Mexikaner sogar ihre Nachbarn in den USA in den Schatten, die die Cola erfunden haben.

Aber auch Hamburger, Sandwiches und Donuts überschwemmen den mexikanischen Markt. Gleichzeitig ist der Konsum von Gemüse und frischem Obst zwischen 1988 und 2002 um ein Drittel gesunken. Die Folgen sind verheerend. Sieben von zehn Erwachsenen in Mexiko sind übergewichtig; in Deutschland zum Beispiel sind es nur fünf von zehn. Nach Erkenntnissen der Harvard-Forscher haben Übergewicht und Zuckerkrankheit in den vergangenen sechs Jahren in Mexiko rund eine halbe Million Menschen getötet. Das wären ungefähr siebenmal mehr Opfer, als der Drogenkrieg in der gleichen Zeit gefordert hat. Die mexikanische Politik hat das Problem erkannt.

Im Kongress wird zurzeit über eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke diskutiert. Die Gesetzesinitiative sieht eine Steuer von einem Peso (sechs Cent) pro Liter vor, ungefähr zehn Prozent des Preises. Die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto rechnet damit, dass die Abgabe im kommenden Jahr etwa 700 Millionen Euro in die Staatskasse spülen könnte. Doch die geplante Softdrink-Steuer ist umkämpft, die Getränkelobby mächtig. So ist ein neuer TV-Werbespot von Verbraucherschützern, der vor dem Zuckergehalt warnt, bisher im mexikanischen Fernsehen kaum zu sehen. Die großen TV-Anstalten weigern sich, ihn auszustrahlen. Sie wollen es sich nicht mit den Werbepartnern der mächtigen Getränkeindustrie verscherzen.

Von Klaus Ehringfeld

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