HAZ-Interview mit Braunschweigs Oberbürgermeister

„Die Rivalität zeigt sich fast nur im Fußball“

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Gert Hoffmann (67) ist seit 2002 Oberbürgermeister von Braunschweig und prägt dort einen selbstbewussten Führungsstil. Der Jurist, der früher Regierungspräsident in Dessau war, scheidet 2014 aus dem Amt aus.

Hannover - Der Braunschweiger Oberbürgermeister Gert Hoffmann betrachtet die politischen Kämpfe mit der Landeshauptstadt als eine Sache der Vergangenheit. Rivalität gäbe es nur zwischen den Fußballvereinen. Ein Interview.

Herr Hoffmann, seit zwölf Jahren sind Sie Oberbürgermeister von Braunschweig. Gibt es eine Feindschaft mit Hannover?

Nein, es gibt sicher eine Rivalität - so wie es viele Rivalitäten zwischen starken Städten in einem Bundesland gibt, etwa zwischen Düsseldorf und Köln, Stuttgart und Karlsruhe oder Dresden und Leipzig. Aus dem Selbstverständnis einer rund tausendjährigen Stadt, der alten Hauptstadt des Sachsenreiches, beansprucht Braunschweig auch immer Gleichrangigkeit mit Hannover. Das sieht man in Hannover vielleicht anders. Rivalität schließt Kooperation nicht aus. Wir haben in den vergangenen Jahren viel erreicht, es hat sich - im Zusammenhang mit der Metropolregion - eine Zusammenarbeit zwischen den Rathäusern von Hannover und Braunschweig entwickelt.

Aber gerade im Fußball werden die Gegensätze betont, gerade jetzt, da die Mannschaften beider Städte in der ersten Bundesliga aufeinandertreffen...

Die Rivalität zeigt sich fast nur im Fußball. Wir tun, was wir können, um für maßvolles Verhalten und Toleranz zu werben. Ich weiß, dass die Polizei sich darauf vorbereitet, was im Fall von Auseinandersetzungen zwischen gewalttätigen Fans zu tun ist.

Gibt es die Feindschaft nur unter radikalen Fußballfans?

Dort werden solche Stimmungen besonders drastisch ausgedrückt. Aber unterschwellig ist dieser Gegensatz zwischen beiden Städten sicherlich Musik in vielen Herzen - weniger vielleicht bei den Zugereisten, aber schon bei den „Ur-Einwohnern“. Manchmal, in der Politik beispielsweise, wird ein Braunschweig-Hannover-Gegensatz auch instrumentalisiert, um Mehrheiten zu bilden. In der SPD ging es in der Vergangenheit darum, Pakte mit den Leuten im Nordwesten gegen die „bösen Hannoveraner“ zu schmieden. Ich meine, dass man solche Dinge lieber tiefer hängen soll.

Haben Braunschweiger Grund, sich benachteiligt zu fühlen?

Prinzipiell nein. Es gibt aber solche Debatten immer wieder. Die Stadt Hannover zahlt zu ihrem Staatstheater keinen Cent hinzu, die Oldenburger müssen für ihres aber 25 Prozent der Kosten aufbringen, die Braunschweiger für ihres sogar 30 Prozent. Aber das sind keine dramatischen Streitthemen.

In der Union gelten Sie als Konservativer. Sind Sie einer der letzten dieser Art?

Nein. Der Konservative steht ja nicht wie ein Liberaler oder Sozialist für ein fest umrissenes Programm oder einen klar definierten Flügel einer Partei. Konservative gibt es nicht nur in der CDU. Konservativ sein heißt, eine bestimmte Auffassung vom Menschen und der Geschichte zu haben. Die Grundstimmung ist Skepsis gegenüber Zeitgeist und blinder Fortschrittsgläubigkeit sowie Prinzipienfestigkeit auch gegen den Strom. Der Konservative als Gegner aller Ideologien ist durchaus ein Pragmatiker. Er achtet aber stets strikt darauf, dass Pragmatismus nicht zum wahltaktischen Opportunismus verkommt. Ein fest umrissenes konservatives Programm gibt es nicht. Ich beherzige Grundsätze. Sparsamkeit des Staates ist wichtig - viel wichtiger als Mietpreisbremsen, Mindestlöhne und vegetarisches Essen.

In zehn Monaten endet ihre Amtszeit als OB. Was bleibt?

Braunschweig hat entschlossen die Stadtwerke privatisiert und der Stadt durch gute Verträge Einfluss gesichert. Prägend waren auch der Wiederaufbau des Schlosses und die Gründung einer Landessparkasse für Braunschweig, die wir beim Land durchgesetzt haben. Heute gibt es eine ausgeprägte Stimmung gegen Privatisierungen. Mein Programm wäre heute schwer umsetzbar.

Interview: Klaus Wallbaum und Michael B. Berger

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