Überreste vom Mammut und Co.

Dino-Park lässt Eiszeit aufleben

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Foto: Nils Knötschke, wissenschaftlicher Leiter des Dinosaurier-Parks Münchehagen am Steinhuder Meer, präsentiert den Schädelknochen eines urzeitlichen Wildpferdes.

Münchehagen / Braunschweig - Im Dinosaurier-Park Münchehagen wollen Forscher 2500 Knochen von Wollnashörnern und anderen eiszeitlichen Riesen erforschen. Sie wollen klären, wie Mensch und Tiere vor Zehntausenden Jahren zusammenlebten - und warum viele Arten ausstarben.

Sie werden häufig etwas belächelt und sind doch für Wissenschaft und Forschung enorm wichtig: Hobbyforscher nehmen in Fächern wie der Paläontologie, die Lebewesen aus vergangenen Erdzeitaltern erforscht, und der Archäologie eine wichtige Rolle ein. In Kiesgruben oder Steinbrüchen halten sie Ausschau nach Fundstücken aus der Vergangenheit. Von drei dieser kundigen Beobachter profitieren nun der Dino-Park Münchehagen und das Naturhistorische Museum Braunschweig.

Der Dino-Park bei Rehburg-Loccum präsentierte am Mittwoch eine neue Sammlung. Über mehr als 30 Jahre suchte, bestimmte und archivierte der Loccumer Landwirt Konrad Wiebking Knochen, Zähne und Schädel eiszeitlicher Tiere. Vor allem in Kiesteichen stieß er auf Überreste von Mammuts, Ur-Auerochsen, Steppenelefanten, Waldwisenten und Moschusochsen. Höhepunkt der Sammlung, die rund 2500 Einzelknochen umfasst, ist ein fast vollständig erhaltenes Skelett eines Wollnashorns. Die Nachkommen des 2012 gestorbenen Wiebking haben die Funde dem Museum in Münchehagen vermacht.

Die Funde sollen nun gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Bonn erforscht werden. „Der Umfang der Sammlung ist beeindruckend“, sagt der Bonner Paläontologe Martin Sander. „Neben der Masse der Funde freuen wir uns aber auch über Raritäten wie die Rentierschädel oder Relikte des europäischen Riesenhirsches“, sagt Sander.

Die Funde helfen zum einen, das Klima der Region an der Weser vor 10.000 bis 100.000 Jahren näher zu bestimmen. „Tiere sind hervorragende Klimaindikatoren“, sagt der Bonner Experte. Dass etwa Teile eines Moschusochsens gefunden wurden, zeige, dass extreme Kälte geherrscht haben muss. Zudem hoffen die Wissenschaftler, mithilfe der gefundenen Stücke mehr über das Zusammenleben zwischen Mensch und Tieren in der Eiszeit zu erfahren.

Eine Mammutaufgabe wird für den Dino-Park das Präparieren der 2500 Knochen. Da diese vorwiegend in Kiesgruben gefunden wurden, seien sie feucht, erläutert Nils Knötschke. In den Knochen und Zähnen seien oft Risse zu sehen, sagt der Chefpräparator des Freiluftmuseums weiter. „Diese Funde müssen nun so konserviert werden, dass keine weiteren Schäden auftreten.“

Auch die Besucher profitieren von den Funden. So können sie den Präparatoren durch eine Glasscheibe bei der Arbeit zusehen. Darüber hinaus zeigt der Dino-Park Rekonstruktionen von Tieren wie Mammut und Wollnashorn. „Wir werden auch die neuen Funde mit unserer Mischung aus Spaß und Botschaft präsentieren“, sagt der Geschäftsführer des Dino-Parks, Franz-Josef Dieckmann.

Ebenfalls am Mittwoch hat das Staatliche Naturhistorische Museum Braunschweig ein knapp 180 Millionen Jahre altes Meeressaurierskelett präsentiert. „Das Exemplar ist zu etwa 35 Prozent erhalten“, sagt Ralf Kosma vom Naturhistorischen Museum. Die Knochen seien nicht mehr als Skelett erkennbar gewesen, sondern vor Millionen Jahren über mehrere Meter Fläche auf dem damaligen Meeresboden verstreut eingebettet worden. „Wir konnten aber bereits etliche Wirbel, Rippen und Schädelknochen identifizieren“, sagt der Leiter der Paläontologischen Abteilung. Entdeckt hatten die Überreste des Ichthyosauriers der Hobbysammler Oliver Necker und sein Sohn Timm. Die beiden Wolfsburger informierten sofort nach ihrer Entdeckung die Mitarbeiter des Museums. „Wir mussten in den vergangenen zwei Wochen den Fund aber noch geheim halten“, sagt Ulrich Joger, Direktor des Naturhistorischen Museums. Dies sei notwendig gewesen, da der Meeressaurier im öffentlich zugänglichen Bereich des Geopunkts Braunschweig-Hondelage entdeckt wurde. Anderenfalls hätte man die Freilegung und Bergung des Skeletts gefährdet.

Es ist nicht das erste Mal, dass in Hondelage Knochen eines Ichthyosauriers gefunden wurden. Zum Teil werden diese bereits in der Dauerausstellung des Naturhistorischen Museums unter dem Titel „Michel aus Hondelage“ präsentiert. Meeressaurier, Schmelzschuppenfische und ähnliche Lebewesen stehen bis November auch im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Jurameer – Niedersachsens versunkene Urwelt“.

Der Dino-Park in Münchehagen ist täglich von 
9 bis 18 Uhr geöffnet. Das Naturhistorische Museum in Braunschweig öffnet seine Türen dienstags sowie donnerstags bis sonntags von 9 bis 17 Uhr und mittwochs von 9 bis 19 Uhr. Montags bleibt es geschlossen.

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