Spurlos verschwunden

Ein Dorf sucht Christoph

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Foto: Mit diesem Foto wird nach Christoph Hackmann gesucht. Am Tag seines Verschwindens trug der 20-Jährige allerdings keine Brille.

Leer - Vor einer Woche ist auf dem Weihnachtsmarkt im ostfriesischen Leer der 20-jährige Christoph Hackmann spurlos verschwunden. Von einer geplanten Aktion gehen Freunde und Familie nicht aus.

Seit einer Woche wird Christoph Hackmann aus dem emsländischen Oberlangen vermisst. Gerade wenn junge Menschen spurlos verschwinden, gibt es oft persönliche Gründe dafür – viele Vermisste tauchen irgendwann wieder auf. Doch bei Christoph scheint die Sache anders zu sein. Freunde und Familie beschreiben den 20-Jährigen als absolut zuverlässig, es habe im Vorfeld keine Anzeichen dafür gegeben, dass er auf eigenen Wunsch gegangen sei, sagt Polizeisprecherin Andrea Reichelt gestern. Auch die Umstände seines Verschwindens klingen nicht nach einer geplanten Aktion.

Christoph Hackmann besuchte am vergangenen Sonnabend mit einer größeren Freundesgruppe aus seinem Heimatdorf den Weihnachtsmarkt im ostfriesischen Leer. Man traf Bekannte, hielt sich an den Buden in der Innen- und Altstadt auf und ging auch mal getrennte Wege. Um 18 Uhr versammelte sich die Gruppe am Leeraner Bahnhof, um gemeinsam nach Hause zu fahren. Nur Christoph fehlte. Als er auch am Heiligen Abend immer noch nicht auftauchte, fuhren etwa 100 Leute aus Oberlangen, darunter die Familie, Freunde und der Sportverein, nach Leer, um nach ihm zu suchen. Sie verteilten Flyer, sprachen mit Passanten. Überall in der Innenstadt von Leer, in Geschäften und Lokalen, hängen nun ihre Zettel mit dem Foto von Christoph. In Oberlangen hat das Verschwinden des 20-Jährigen große Anteilnahme unter den Bewohnern ausgelöst. Es leben etwa 1000 Menschen im Dorf – fast jeder kennt jeden – , und niemand kann sich erklären, wo Christoph abgeblieben ist.

Die Polizei in Leer setzte im Hafenbecken ein Sonarboot ein, das Zentimeter für Zentimeter den Boden abschallt. Der Hafen hat eine lange Promenade, die nicht an allen Stellen mit einem Geländer abgesichert ist, was besonders bei Dunkelheit gefährlich werden kann. Auch ein Helikopter war im Einsatz – doch von dem Vermissten fehlt weiterhin jede Spur. Noch am gestrigen Freitag suchten Taucher erneut im Hafenbecken. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass der 20-Jährige ins Wasser gefallen ist – „konkrete Hinweise darauf gibt es aber keine“, sagt die Polizeisprecherin. Am Freitagnachmittag wurde die Suche im Hafen erfolglos eingestellt.

Zahlreiche Menschen haben sich gemeldet, die glauben, den 20-Jährigen gesehen zu haben. So will ihn ein Lkw-Fahrer auf dem Beifahrersitz eines Lastwagens im Raum Salzgitter erkannt haben. Eine Kellnerin aus Papenburg gab an, ihn am Sonntag nach seinem plötzlichen Verschwinden in einer Kneipe angetroffen zu haben. Auch auf Facebook gehen Hinweise ein. „Wir prüfen alles nach, doch bislang haben wir nichts Konkretes“, sagt Andrea Reichelt. Polizei, Familie und Freunde werden weitersuchen.

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