Geistliches Rüstzentrum feiert Jubiläum

Ein Dorf voll frommer Christen

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Foto: Das Geistliche Rüstzentrum in Krelingen ist wie ein Dorf im Dorf.

Krelingen - Am Autobahndreieck Walsrode sind die frommen Christen zu Hause - und das seit nunmehr 50 Jahren. Am Wochenende wird im einzigen „Freien Werk“ der hannoverschen Landeskirche gefeiert. Das selbstständige Geistliche Rüstzentrum hat sich im 800-Einwohner-Ort Krelingen zu einem Dorf im Dorf entwickelt

Krelingen. Ein 24 Hektar großes Areal mit Kirche, Studien-, Tagungs- und Rehazentren, Gästehäusern, Gärtnerei, Buchladen, Reiterhof – das ist das Areal des selbstständigen Geistlichen Rüstzentrums in Krelingen bei Walsrode. Seit der Gründung im Jahr 1965 wurden zwar einige alte Zöpfe abgeschnitten - das Nein zur Frauenordination und die Ablehnung geschiedener Pfarrer etwa. Liberal aber, was hier als „grenzen- und normlos“ verstanden wird, will man bis heute nicht sein.

Seit 2008 leitet Martin Westerheide das Rüstzentrum, er hat selbst eine Pastorin zur Frau. Seine Art ist es nicht, „Sündern“ - wie einst - ein schlechtes Gewissen zu machen oder unter Androhung göttlicher Strafe um Spenden zu werben. „Ich schwärme von dem, was Pastor Kemner inhaltlich und strukturell geleistet hat“, sagt der 62-Jährige, gibt aber zu, dass er die Autobiografie des Gründers beim ersten Leseversuch in seiner Jugend „todlangweilig“ fand.

Nach Einschätzung langjähriger Beobachter, unter anderem in der Landeskirche, ist das Rüstzentrum tatsächlich deutlich moderner geworden. Fundamentalismus gibt es aber nach wie vor. Die Mitglieder lehnen Homosexualität und Sex vor der Ehe offen ab. „Unser Maßstab sind nicht gesellschaftliche und kirchliche Erwartungen“, predigt Westerheide. Die Bibel enthalte nicht nur Gottes Wort. „Sie ist Gottes Wort.“

Das sehen auch die jungen Männer und Frauen so, die sich mit Hebräisch-, Griechisch- und Lateinkursen im Studienhaus auf ihr Theologiestudium vorbereiten. „Hier ist man theologisch näher an der Bibel dran“, meint der 18-jährige Lukas, der in der Krelinger Studenten-WG in einer „coolen Gemeinschaft“ lebt, wie er sagt. Homosexualität und vorehelichen Geschlechtsverkehr hält er ebenso wenig für akzeptabel wie sein ein Jahr jüngerer Kommilitone Simon.

Das Rüstzentrum will Rüstzeug zum Glauben liefern, aber niemanden zwingen. Mittagsgebet und Andachten sind selbstverständlich. Ein 28-jähriger Auszubildender im Hauswirtschaftsbereich berichtet, er sei vor Jahren straffällig geworden und profitiere in Krelingen davon, feste Regeln einhalten zu müssen - zum Beispiel: kein Alkohol.

Die Landeskirche unterstützt Projekte und Pastorenstellen - sie will ein Abwandern treuer Mitglieder zu den Freikirchen verhindern. Der Spendenanteil lag zuletzt bei 10 Prozent. Anfangs war das Rüstzentrum zu 100 Prozent spendenfinanziert, Kemner hatte etwa den Kaufhausunternehmer Dodenhof für sich gewonnen und Gläubige ermuntert, die Seinen im Testament zu bedenken. Zu den Krelingen-Freunden zählte damals auch Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU). Immer noch treten gelegentlich CDU-Politiker, zuletzt David McAllister, als Redner beim Bauern- oder Familientag auf. Der aktuelle Landeschef Stephan Weil (SPD) war zum Jubiläum eingeladen, hat jedoch abgesagt.

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