Polizei befürchtet mehr Opfer

Drei Tote nach Zugunglück in Kanada

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Foto: Mehrere Explosionen haben den kanadischen Ort Lac-Mégantic verwüstet.

Lac-Mégantic/New York - Ein Güterzug voller Öl rast führerlos einen Hügel herunter und explodiert mitten in einer Kleinstadt. Was wie ein Drehbuch für einen Katastrophenfilm klingt, ist in Ostkanada furchtbare Realität geworden. Die Polizei bestätigt drei Tote – und rechnet mit mehr.

Bei einem schweren Güterzugunglück in Ostkanada sind bisher mindestens drei Menschen getötet worden. Die Polizei der Provinz Quebec bestätigte am Sonntag, dass nach dem ersten Opfer am Samstag zwei weitere Leichen in der Kleinstadt Lac-Mégantic gefunden wurden. Am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) war ein führerloser Zug mit 73 Kesselwagen voller Rohöl in das 6000-Einwohner-Städtchen gerast und explodiert. Die Feuer konnten erst nach mehr als 24 Stunden gelöscht werden. Viele Häuser sind zerstört.

„Und wir müssen leider sagen, dass wir mit noch mehr Toten rechnen müssen“, sagte ein Polizeisprecher der dpa. „Das Unglück war verheerend und hat den Ort schwer getroffen. Wir müssen uns auf weitere schlechte Nachrichten gefasst machen.“

Noch immer gebe es Dutzende Vermisste. Das könne aber nicht gleich in Opfer umgerechnet werden. „Viele mögen im Urlaub oder über das Wochenende weggefahren sein. Wir sind dankbar, dass einige, die nicht zu Hause waren, sich von selbst bei uns melden und wir sie von der Liste nehmen können.“

Gut 2000 Menschen, mehr als ein Drittel der Einwohner, mussten ihre Häuser verlassen. Mehrere Hundert sind obdachlos. Die meisten kamen bei Freunden oder Verwandten unter, andere beim Roten Kreuz. „Es ist ein kleiner Ort und wir sehen eine Menge Solidarität“, sagte Myriam Marotte vom Roten Kreuz dem kanadischen Fernsehsender CBC.

Dutzende Menschen wurden verletzt. Mindestens 30 Gebäude im Zentrum der kleinen Stadt gibt es nach dem Feuer und den Explosionen nicht mehr. Bei der Brandbekämpfung halfen auch Feuerwehrleute aus den nahen USA. Noch am Sonntag wollte Kanadas Premierminister Stephen Harper das Städtchen besuchen.

Ein Rätsel ist nach wie vor die Unglücksursache. Der Bahnbetreiber berichtet, der Lokführer habe den Zug abgestellt und Bremsen und Ladung kontrolliert, bevor er sich in einem Hotel schlafen legte. Dennoch hätten sich die 73 Waggons von der Lokomotive gelöst und seien ins Tal gerast.

Lac-Mégantic ist eine kleine Stadt in der französischsprachigen Provinz Quebec. Sie liegt 250 Kilometer östlich von Montreal und 150 Kilometer südlich der Stadt Quebec. Die Grenze zum US-Staat Maine ist nur zehn Kilometer weiter.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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