Ministerium verteidigt Krippenplan

Dritte Kindergartenkraft nur Assistentin

Hannover - Als dritte Betreuungskraft in den Kinderkrippen sollen statt Erziehern Sozialassistenen eingesetzt werden. Den Gewerkschaften reicht das nicht. Sie fordern eine sozialpädagogische Fachkraft.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hält an ihrem Krippenplan fest. Eine Sprecherin der SPD-Politikerin wies am Sonntag die Kritik an der Entscheidung zurück, Sozialassistenten anstelle von Erziehern als dritte Betreuungskraft in Krippen zu finanzieren. „Diese haben ebenfalls eine gute und fundierte Ausbildung.“ Heiligenstadt hatte in der vergangenen Woche ihre Pläne vorgestellt, die Krippen bis 2021 flächendeckend mit einer dritten Betreuungskraft auszustatten. Bildungsexperten, darunter die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), bemängelten aber, dass Sozialassistenten statt der besser ausgebildeten Erzieher eingesetzt werden sollen.

Die Ministeriumssprecherin verteidigte die Entscheidung. Sie verwies auf die Parallelen in der Ausbildung zwischen Sozialassistenten und Erziehern. „Die zweijährige Ausbildung zum Sozialassistenten ist fester Bestandteil der insgesamt vierjährigen Ausbildung zum Erzieher. Beide Gruppen durchlaufen die gleiche Grundausbildung.“ Während Erzieher umfassend für alle Altersgruppen – Säuglinge, Kleinkinder, Schulkinder, Jugendliche, junge Erwachsene – ausgebildet würden und hier Schwerpunkte bilden könnten, konzentrierten sich Sozialassistenten auf die Altersgruppe null bis zehn Jahre, betonte die Sprecherin. „In Hinblick auf die Krippenkinder sind sie demnach die Spezialisten.“

Kritiker hatten moniert, dass Sozialassistenten nur „eine unvollständige pädagogische Ausbildung“ hätten, wie es der GEW-Funktionär Rüdiger Heitefaut formulierte. „Wir fordern, dass auch die dritte Kraft das Niveau eines Erziehers und damit einer sozialpädagogischen Fachkraft aufweist.“ Auch die Volksinitiative Kita, die in der Vergangenheit nachhaltig eine zusätzliche Krippenkraft gefordert hatte, wünscht sich die besser ausgebildeten Kräfte: „Unser Idealbild sind natürlich drei Erzieher“, sagte Lars Kelich von der Volksinitiative. Er hoffe, dass nur in Ausnahmefällen keine drei Erzieher zum Einsatz kämen.

Die höheren Kosten muss der jeweilige Träger allerdings selbst zahlen. Für Erzieher überweist das Land 45 571 Euro pro Jahr, für Sozialassistenten 39 163 Euro. Würden ausschließlich Erzieherinnen beschäftigt, entstünden dem Land nach Ministeriumsangaben jährliche Mehrkosten von fast 24 Millionen Euro. Das Ministerium geht zudem davon aus, dass genügend Auszubildende zur Verfügung stehen, um die Stellen zu besetzen. Zurzeit befinden sich nach Angaben der Sprecherin 7500 Schüler in Niedersachsen in der Ausbildung zum Sozialassistenten und 5115 in der zum Erzieher. „Jedes Jahr schließen mehr als 2100 Schüler die Ausbildung an den Fachschulen ab.“ Für das kommende Schuljahr rechnet das Ministerium zudem mit 400 zusätzlichen Schulplätzen. „Das Kultusministerium ist deshalb zuversichtlich, dass es, abgesehen von regionalen Engpässen, weiterhin gelingen wird, freie Stellen vergleichsweise rasch mit Fachkräften besetzen zu können.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare