Derber Kalender

Dümmer, als die Polizei erlaubt

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Hannover - Ein humoristischer Kalender, der in Wahrheit keiner ist: In bayerischen Polizeikommissariaten werden die umstrittenen Blätter mit ihren geschmacklosen Karrikaturen wieder abgehängt.

Eigentlich wünscht man sich das ja: Polizisten mit Humor. Und doch kommt es gerade bei den Beamten in Uniform darauf an, worüber sie in ihren Amtsstuben lachen. Ein vermeintlich humoristischer Kalender des bayerischen Landesverbandes der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) jedenfalls muss nun aus vielen Kommissariaten in Bayern wieder abgehängt werden. Die Kalenderblätter an offizieller Stelle enthalten sehr geschmacklose Karikaturen - und machen sich über Ausländer lustig.

Auf einem Monatsblatt des Kalenders ist ein Farbiger zu sehen, der sich gegen den festen Griff eines Polizisten wehrt und in gebrochenem Deutsch ruft: "Was heiß’ hi’ Verdunklungsgefah’ ...?!" Auf einem anderen prügeln sich junge Männer, die Migranten zu sein scheinen. Einer sagt: "Boah... krass... 3er BMW...!" Das Januar-Bild zeigt die Heiligen Drei Könige. Der schwarze König muss Kamel-Exkremente auf einer Wiese aufsammeln. Ein Polizist erläutert: "Die Grünlagenverordnung gilt auch für Weise aus dem Morgenland!" In der August-Karikatur sagt ein Polizist zu einem Selbstmörder: "Jetzt spring’ endlich, du Idiot, ich hab noch anderes zu tun heut!"

Ist Bayerns Polizei eine zynische wenn nicht sogar rassistische Truppe? Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sieht in dem Kalender ein "schlimmes" Zeichen und "Alltagsrassismus". "So wird sich der Vorwurf, die Polizei sei auf dem rechten Auge blind, niemals ausräumen lassen", sagt Amnesty-Polizeiexperte Alexander Bosch.

Der bayerische Polizeigewerkschaftschef Hermann Benker hingegen hält die Aufregung um seinen Kalender für übertrieben. "Für mich ist das Ganze absolut unverständlich." Das sei eine Art Galgenhumor unter Kollegen, keine Herabwürdigung bestimmter Personenkreise. Außerdem ginge es bei dem Kalender um Karikaturen, und die fielen unter die Kunstfreiheit.

Münchens Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer sieht das anders. Er hat die Kalender gestern aus den Amtsstuben verbannt - wie auch andere Polizeipräsidenten in Bayern. Die Zeichnungen spiegelten einen Geist wider, der mit dem Selbstverständnis der Polizei nicht zu vereinbaren sei, sagte der Polizeichef.

Auch die Polizeigewerkschaft aus Niedersachsen hält den Kalender der Kollegen aus dem Süden nicht für besonders geglückt. "Man muss bei dem Thema Rechtsradikalismus und Rechtsterrorismus deutlich sensibler sein", sagt Niedersachsens Polizeigewerkschaftschef Thomas Kliewer. Gleichzeitig glaubt er aber an ein Missverständnis. "Unsere Gewerkschaft ist nicht rassistisch."

In Niedersachsen sei der Kalender, den die Bayern auch an befreundete Landesverbände geschickt hatten, nicht verteilt worden. Sein Landesverband, erklärt Kliewer, werbe sogar auf Plakaten mit Kollegen mit Migrationshintergrund. Ganz ohne Witz.

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