Tipps für Allergiker

Dufte!

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- Was liegt da in der Luft? Wenn sie draußen den Frühling erschnuppern, wechseln viele Menschen plötzlich das Parfüm. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten – besonders für Allergiker.

  1. Welche Düfte dominieren in diesem Frühjahr? Natürlichkeit liegt eindeutig im Trend. Dazu gehören Düfte, die nach Frühling riechen: nach Obstblüten, Rose, Jasmin, aber auch nach klassischen Frühlingsblühern wie Maiglöckchen und Hyazinthen – „nach einem langen Winter will man leicht duften“, sagt Elmar Keldenich, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Parfümerien. Allgemeiner ist der Retrotrend: Speziell Rose kommt derzeit in fast allen Düften vor. Allerdings nicht mit markanter englischer Note, sondern neu kombiniert mit frischem Grün, leichten Zitrusnoten. Herrendüfte gehen stärker ins Holzige, „es gibt aber auch in diesem Bereich seit Jahren die Tendenz, dass die Düfte leichter werden“, sagt Keldenich. Grundsätzlich gebe es auch bei Parfüms Moden, die nach einiger Zeit wieder auftauchen – in leichter Abwandlung der Light-Version. „Allerdings nicht bei Klassikern“, betont Keldenich. Meint: Chanel No. 5 bleibt immer Chanel No. 5.
  1. Sollte ich meinen Duft mit der Mode wechseln oder meinem Lieblingsduft treu bleiben? Sowohl als auch, meint Experte Keldenich. Die meisten Menschen besitzen mehrere Parfüms – der Wechsel habe aber weniger mit der Mode denn mit dem Anlass zu tun: Gehe ich beispielsweise abends auf eine Party, möchte ich, dass mich die Gäste olfaktorisch stärker wahrnehmen und greife zu einem intensiveren Parfüm. Im Büro hingegen bin ich zurückhaltender, um die Kollegen nicht mit meinem Duft zu „erschlagen“. Auch die Jahreszeiten beeinflussen die Wahl des Parfüms: Im Sommer greifen viele Menschen eher zu Düften mit frischen Zitrusnoten, im Winter eher zu schwereren, wärmeren Zimt- und Apfelnoten. Keldenich spricht von einer kulturellen Prägung, nennt aber auch eine Tendenz: Je jünger ein Kunde ist, desto höher die Bereitschaft, den Duft zu wechseln.
  1. Wie finde ich das richtige Parfüm? Im Prinzip ist es einfach: Man geht ins Fachgeschäft und lässt sich von geschickten Fragen der Berater zu „seinem“ Parfüm leiten. Tatjana Kurscheidt, Mitarbeiterin im Fachbereich Herrendüfte der Parfümerie „Liebe“ in Hannover, spricht von „offenen Fragen“: Was erwartet der Kunde vom neuen Duft? Zu welchem Anlass möchte er ihn tragen? Wünscht er sich etwas Energiegebendes oder eher Kuscheliges? Oft helfen auch Fragen nach Lieblingsfarbe und -essen oder danach, welche Düfte der Kunde sonst benutzt. „Ich bekomme sofort ein Feedback und kann dem Kunden auf Duftkärtchen Parfüms präsentieren, die die weitere Richtung vorgeben“, sagt Kurscheidt. Ist der Duft noch zu kantig? Soll es noch blumiger riechen? Viele Kunden lassen sich Zeit bei der Auswahl, kommen mehrmals wieder, bevor sie sich endgültig entscheiden.
  1. Unterscheiden sich Frauen und Männer beim Parfümkauf? Mittlerweile nicht mehr so sehr. Vor Jahren seien die Männer kürzer angebunden gewesen, heute sei der schnelle Einkaufstyp auch bei Frauen vertreten, hat Kur-scheidt festgestellt. Unabhängig vom Geschlecht gibt es zwei Typen: den zielgerichteten Kunden, der in der Duftfamilie bleibt, die er bereits benutzt, und der sich schnell entscheidet. Und den experimentierfreudigen Käufer, der an Hintergründen interessiert ist, an Geschichte, Verpackung und Flakon des Parfüms, und der sich viel Zeit bei der Auswahl lässt.
  1. Warum riecht Parfüm auf jeder Haut anders? Ganz einfach: Jede Haut ist anders. Deshalb werden die Duftstoffe auch von jeder Haut unterschiedlich gut aufgenommen und wieder abgegeben. Auf trockener Haut etwa riechen Parfüms deutlich schwächer als auf normaler Haut. Das liegt daran, dass trockene Haut weniger körpereigene Fette enthält. Diese Fette brauchen die Duftstoffe im Parfüm jedoch, um sich voll entfalten zu können. Auch die Ernährung wirkt sich auf den Duft aus: Bei Menschen, die gerne scharf essen, riecht ein Parfüm intensiver.
  1. Aus welchen Bestandteilen ist ein Parfüm zusammengesetzt? Hauptbestandteil ist Alkohol – zu etwa 80 Prozent, gefolgt von destilliertem Wasser und darin gelösten Essenzen, die den Fachbegriff Riechstoffe tragen. Gemeint sind damit ätherische Öle pflanzlicher oder tierischer Herkunft sowie synthetische Duftstoffe. Grundsätzlich unterscheidet man neun Duftfamilien, die jedoch selten zweifelsfrei zu klassifizieren sind. Die bekanntesten Komponenten sind die sogenannten Chypredüfte, die frische Aromen wie Zitrus, Grapefruit oder Bergamotte mit holzigen Noten etwa von Eichenmoos oder Sandelholz kombinieren. Fougèredüfte sind herber und enthalten Gewürze wie Pfeffer sowie Pflanzenbestandteile wie Lavendelblüten oder Holzaromen. Daneben gibt es etliche synthetisch hergestellte Aldhyddüfte, die meist blumig oder fruchtig riechen.
  1. Wie viele Duftstoffe enthält eine Parfümkomposition? Das hängt vom Produkt ab. Es gibt Düfte, die nur aus wenigen unterschiedlichen Inhaltsstoffen bestehen. Häufig werden aber Dutzende Duftstoffe zu einer Komposition vereint. Die Herausforderung für den Parfümeur ist es, darauf zu achten, dass einzelne Duftstoffe nicht unangenehm herausstechen und der Duftverlauf stimmig ist. Dabei setzen sich die meisten Parfüms aus Kopf-, Herz- und Basisnote zusammen. Die intensive Kopfnote steht für den ersten Eindruck und ist oft kaufentscheidend, die Herznote ist Stunden nach dem Auftragen als eigentlicher Duftcharakter wahrnehmbar, die Basisnote sorgt für den lang haftenden Duft.
  1. Und trotzdem riechen Parfüms unterschiedlich intensiv. Das hängt mit den Verdünnungsklassen zusammen, deren Konzentration in der Literatur allerdings unterschiedlich beschrieben wird. Am häufigsten sind die Angaben, dass ein Eau de Toilette zwischen sechs und neun Prozent Riechstoffanteile enthält, ein Eau de Parfum zehn bis 14 Prozent und ein Extrait Parfum 15 bis 30 Prozent, in besonders intensiven Varianten sogar bis zu 40 Prozent.
  1. Wie natürlich sind die Duftstoffe im Parfüm heute noch? Früher hat man deutlich mehr natürliche Duftstoffe eingesetzt als heute. Dazu gehören neben Duftbausteinen, die an Blüten, Früchte, Beeren und Gewürze, an Rinde, Blätter, Gräser und Moose erinnern und daraus destilliert, extrahiert oder enfleuriert werden, auch tierische Duftstoffe wie das Drüsensekret des Moschushirsches oder Amber, das aus dem Darm von Pottwalen stammt. Inzwischen konnten diese teuren Ausgangsstoffe als synthetische Duftmoleküle nachgebaut werden. Sie sind nicht nur preiswerter, sondern auch länger haltbar. Zudem bleibt der Duft länger an der Haut haften.
  1. Und wie bleibt der Duft länger in der Flasche? Es sollte trocken, kühl und dunkel gelagert werden. Licht, Wärme und UV-Strahlung bauen die Inhaltsstoffe nach und nach ab, nachdem der Flakon zum ersten Mal geöffnet wurde. Die Haltbarkeit eines Parfüms hängt von den Inhaltsstoffen ab. In der Regel bleibt der Duft zwischen einem und drei Jahren haltbar. Es sollte dabei am besten in der Originalpackung aufbewahrt werden.

Von Tatjana Riegler und Nicola Zellmer

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