Olympische Spiele 2024

Dufte oder dreist?

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Foto: Die Olympischen Ringe am Olympiastadion in Berlin.

Berlin - Die Hauptstädter geben nicht auf. Ungeachtet der Blamage rund um missglückte Bauprojekte plant Berlin wieder Großes. Die Hauptstadt will unbedingt die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 an die Spree holen. Aber auch Hamburg will Olympia haben.

Es wäre das zweite Mal nach 1936.Der Senat entschied am Dienstag, am nationalen Interessenbekundungsverfahren des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für die Bewerbung teilzunehmen.Die Innen- und Sportverwaltung wurde beauftragt, den Fragenkatalog des DOSB zu beantworten. Zeitgleich hatte der DOSB auch Hamburg den Katalog mit 13 Fragen zugestellt.

Um allzu großem Protest gegen das nächste Großprojekt vorzubeugen, will der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) die Hauptstädter früh an der Planung beteiligen. Von einer „Bürgerolympiade“ mit neuartigen Mitbestimmungsmöglichkeiten ist im rot-schwarzen Senat die Rede.

Wie genau das aussehen soll, ist bisher nicht bekannt. Der Senator und mit ihm auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gehen aber davon aus, dass die Berliner Feuer und Flamme sein werden, wenn die olympische Fackel Kurs auf die Spreemetropole nehmen wird. Schließlich seien die Hauptstädter auch bei der Fußball-WM 2006 gute Gastgeber gewesen.

Allerdings war das vor dem Bau des Flughafens, der eigentlich schon seit zwei Jahren in Betrieb sein sollte und dessen Eröffnungstermin auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Wenn man nun dem Berliner auf seine legendäre Schnauze schaut, hört man vor allem Hohn und Spott über die Bewerbung. Es ist ja nicht nur der „Fluch-Hafen“, der die Berliner daran zweifeln lässt, ob sich in Berlin Großprojekte stemmen lassen. Erst vor wenigen Wochen lehnten die Hauptstädter die Teilbebauung des Alt-Airports Tempelhof ab: Ein Kommunikationsdesaster ohnegleichen – und eine Bruchlandung für den Wowereit-Senat. Berlin glänzt zusätzlich mit kostspieligen Bautragödien wie dem bröselnden Holocaust-Mahnmal, der Staatsoper oder den Bundestagsneubauten.

Eine Olympia-Bewerbung könnte Berlin bis zu 60 Millionen Euro kosten. Kritik an einer Olympia-Ausrichtung in der hoch verschuldeten Stadt kommt vor allem von den Linken. „Eine Stadt wie Berlin muss sich das leisten können, und das ist im Moment nicht der Fall", sagte Udo Wolf, der Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, der „Abendschau" des rbb. Zuletzt war Berlin 1993 mit der Bewerbung um die Spiele 2000 kläglich gescheitert.

Die Entscheidung, mit welcher Stadt sich Deutschland bewirbt, will der Olympische Sportbund (DOSB) im Dezember treffen. Eine Bewerbung um die Sommerspiele 2024 müsste bis November 2015 vom DOSB beim Internationalen Olympischen Komitee angekündigt werden. Aber trotz der lädierten Reputation in Sachen Großprojekten könnte die Hauptstadt den deutschen Zuschlag bekommen. In Deutschland interessiert sich neben Berlin lediglich Hamburg für die Austragung. Und die basteln ja noch an der Elbphilharmonie.

Von Frank Lindscheid mit dpa

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