Niedersachsen

Dunkle Wolken über der Metall- und Elektroindustrie

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Foto: Die Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen steht vor unsicheren Zeiten.

Hannover - Dieses Jahr dürften weite Teile der niedersächsischen Industrie noch aus dem Vollen schöpfen, nachdem das Wachstum im Vorjahr auf der Stelle trat. Eine Umfrage von Arbeitgeberseite unter 800 Betrieben zeigt nun aber, dass dunkle Wolken aufziehen.

Niedersachsens Metall- und Elektroindustrie ist weiterhin überzeugt von einem starken Jahr 2014 - doch der Umschwung dürfte auf dem Fuße folgen. „Die fortdauernde Schwäche bei den Investitionen gibt Grund zu Sorge, die Verunsicherung in weiten Teilen der Wirtschaft nimmt zu“, sagte Metallarbeitgeber-Chef Volker Schmidt am Freitag. Die Sorge um mögliche Auswirkungen der Krise in und um Russland sei auch zwischen Harz und Küste angekommen.

Schmidt präsentierte am Freitag in Hannover die Ergebnisse einer Sommer-Konjunkturumfrage unter 800 Betrieben der Metall- und Elektroindustrie sowie des Verpackungs- und Kautschuksegments. Die Warnsignale seien klar und deuteten ein Ende des Aufwärtstrends spätestens im Winterhalbjahr an. Rund ein Viertel der befragten Unternehmen gehen mittlerweile von rückläufigen Auftragseingängen aus. Anfang des Jahres hatten das erst zwölf Prozent angenommen. Damit bringt die Umfrage ähnliche Ergebnisse wie bundesweite Barometer.

Schmidt sagte: „Die Verunsicherung nicht zuletzt aufgrund der geopolitischen Krisen ist groß in unseren Branchen, deren Produkte zu über 80 Prozent in den Export gehen. Diese Krisen stellen schwer kalkulierbare Risiken dar, die auf die Stimmung drücken.“ Vornehmlich treffe es die Investitionsgüterindustrie wie den Maschinenbau, bei dem die Bestellungen als Frühindikator für die Konjunktur gelten. Die Autoindustrie sei bisher weniger betroffen und der vor allem inlandsabhängige Dienstleistungssektor bisher kaum.

Bereinigt um die Preisentwicklung hatte Niedersachsens Wirtschaft 2013 stagniert, während bundesweit ein Plus von 0,4 Prozent gelang. In Niedersachsens Schlüsselbranche der exportgetriebenen Metall- und Elektroindustrie nehmen die negativen Einschätzungen zur Auftragslage laut der Umfrage nun klar zu, und zwar am ausgeprägtesten für 2015.

Ein Grund zur Sorge um die Beschäftigung sei das alles aber noch nicht. So planten gut 90 Prozent der Befragten keinen Stellenabbau. Gründe dafür seien unter anderem die wachsende Komplexität vieler Produkte und die anziehende Nachfrage nach fertigen Lösungen im Paket, für die die Anbieter verstärkt eigene Serviceexperten benötigten. Zudem begegneten immer mehr Unternehmen dem einsetzenden Fachkräftemangel mit dem verstärkten Einstellen jüngerer Mitarbeiter. Zum Jahreswechsel naht die nächste Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. Die konjunkturellen Aussichten spielen bei den Verhandlungen für tarifliche Zuwächse stets eine wichtige Rolle.

dpa

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