Schlecker-Insolvenz

Ehepaar betreibt eigenen Drogerieladen

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„Wir schieben das jetzt mal an“: Heinrich Schulenburg (r.) hat einen Drogeriemarkt eröffnet, wo früher Schlecker war. Seine Frau Ursula (l.) und die frühere Schlecker-Mitarbeiterin Susanne Kreienbrink machen mit.

Georgsmarienhütte - 18 Jahre gab es eine Schlecker-Filiale in dem Ort Kloster Oesede bei Osnabrück. Als sie geschlossen wurde, haben sich die Vermieter jetzt entschieden, einen eigenen kleinen Seifenladen zu eröffnen.

„Schlimm ist das!“, sagt Ursula Schulenburg und hält die Zeitung hoch. Das Blatt mit den großen Buchstaben und kurzen Texten zeigt auf der Titelseite ein Foto von den Schlecker-Erben im teuren Porsche. Angesichts solcher Berichte tun der 68-jährigen Frau vor allem die heute arbeitslosen Mitarbeiterinnen der zerschlagenen Drogeriemarktkette leid. Wenig später steht Ursula Schulenburg selbst zwischen den Regalen eines Drogerieladens und berät Kunden. Im Erdgeschoß des eigenen Wohnhauses in Kloster Oesede bei Osnabrück hat sie zusammen mit ihrem Mann vor einer Woche ein Seifenhaus eröffnet. Genau dort, wo fast 18 Jahre lang eine Schlecker-Filiale die Menschen mit Duschgels, Hautcreme und Babywindeln versorgte.

„Mitten im Ort, da kann doch so ein Laden nicht einfach leer stehen bleiben“, sagt Heinrich Schulenburg, der 73 Jahre alt ist. Mehrere Monate lang war hier am Markt von Kloster Oesede wegen der Insolvenz von Schlecker die Tür geschlossen. Jetzt stehen draußen wieder Rollwagen mit Grillkohle und Blumenerde. Drinnen sind die Regale mit Kosmetik, Schreibwaren und Kerzen gefüllt. „Seifenhaus am Markt“ haben die Schulenburgs ihr Geschäft genannt. „Seife braucht man zum Waschen und wir verkaufen sie im Haus“, erklärt Heinrich Schulenburg. „So einfach ist das.“

Eigentlich ist er ja Bäcker. „Meine Meisterprüfung habe ich 1963 in Hannover gemacht“, erzählt Heinrich Schulenburg. Über 30 Jahre betrieb die Familie im Haus am Markt von Kloster Oesede eine Bäckerei. Dann war 1994 nach einem schweren Verkehrsunfall Schluss mit der Arbeit in der Backstube. „Schlecker wollte sofort die Ladenfläche. Für 30 Jahre fest“, sagt Schulenburg. Viele Jahre ging das gut. „Die haben immer ihre Miete bezahlt.“

Dann kam die Insolvenz. Gegen ausstehende Zahlungen sicherte sich das Ehepaar Schulenburg die Ladeneinrichtung. Als sich trotz Suche kein Mieter für das Geschäft fand, stand der Entschluss fest: „Dann machen wir das selbst“, berichtet Ursula Schulenburg. Mit dem Unternehmen „Naschwelt“ aus dem Emsland fand das Ehepaar schließlich einen Großhändler, der ihnen die Ware zu Preisen liefert, die einen Vergleich mit anderen Märkten in der Region nicht scheuen müssen.

Ganz alleine wollten die Schulenburgs allerdings ihr Seifenhaus nicht betreiben. Mit Susanne Kreienbrink haben sie eine erfahrene Schlecker-Mitarbeiterin eingestellt. „Ich bin da mit dem ersten Schwung entlassen worden“, berichtet die 48-Jährige. Elf Jahre hat sie beim dem Filialisten gearbeitet und unter anderem einen Markt im Nachbarort von Kloster Oesede geleitet.

Jetzt stöbert die Angestellte schon mal nach Feierabend nach den Preisen für Shampoo oder Haarspray in den Supermärkten der Region. „Wir müssen sehen, dass wir die Preise so günstig wie in den anderen Läden haben“, erklärt ihr Chef Schulenburg. Er ist optimistisch, dass sein Seifenhaus sich rechnet. Knapp 5000 Menschen leben in Kloster Oesede. Und einen weiteren Drogeriemarkt gibt es am Ort nicht. „Wir schieben das jetzt mal an. Und dann sehen wir, ob wir in zwei, drei Jahren jemanden finden, der das übernimmt. Hier kann man sich eine Existenz aufbauen“, gibt sich Heinrich Schulenburg überzeugt.

Die ersten Interessenten waren schon da. Vor allem einstige Schlecker-Mitarbeiter, die an anderen Orten ebenfalls über den Schritt in die Selbstständigkeit nachdenken. Das Verkaufen im eigenen Laden, die Gespräche mit den Kunden, das alles tut den Schulenburgs gut. Auch wenn sie längst in einem Alter sind, in dem andere ein ruhiges Rentnerdasein führen. „Gestern habe ich den ganzen Tag im Laden gearbeitet - und es tat nichts weh“, erzählt ein lächelnder Heinrich Schulenburg.

Nur über die Banken ärgert sich der Geschäftsmann. Unterstützung habe er da nicht gefunden. „In keiner Weise“. Stattdessen haben sie auf meinen Geburtstag verwiesen“, sagt der 73-Jährige. Dafür gibt es viel Anerkennung von den Menschen im Ort. Eine junge Frau schiebt ihren Kinderwagen durch die Ladentür nach draußen und bleibt für ein kurzes Gespräch mit den Schulenburgs stehen: „Toll, dass ich jetzt wieder in der Nachbarschaft einkaufen kann!“

Bernhard Remmers

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