Abfrage in Niedersachsen

„Ein Ansturm aus Osteuropa bleibt aus“

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Foto: Rumänien (Mitte) und Bulgarien (re.) sind Teil der EU – und genießen auch in Niedersachsen Arbeitnehmerfreizügigkeit.

Hannover - Nach einer Umfrage haben Niedersachsens große Städte den höchsten Zuwachs an Bulgaren und Rumänen. Auch Fachkräfte und Studenten kommen.

Sie kommen nach Niedersachsen, wollen hier arbeiten. Oder vielleicht doch nur den Sozialstaat ausnutzen? Sind es tatsächlich so viele, gibt es einen regelrechten Ansturm? Die Rede ist von den Bulgaren und Rumänen, die seit Beginn des Jahres die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in Deutschland genießen und seither ohne Einschränkungen hier arbeiten können. Das Thema löst heftige Debatten aus, viele nutzen es, um Szenarien von Überfremdung zu zeichnen. Das Regionalmagazin „Hallo Niedersachsen“ und NDR 1 haben jetzt eine Umfrage vorgelegt, wie viele Bulgaren und Rumänen tatsächlich in Niedersachsen leben.

Ihr Fazit: Ein erwarteter Ansturm aus Osteuropa bleibt bislang aus. Das hat die Abfrage der zwölf größten niedersächsischen Städten ergeben. Demnach leben im Land 25 000 Rumänen und Bulgaren. In Städten wie Hildesheim, Wilhelmshaven oder Delmenhorst ist die Zahl der gemeldeten Einwohner sogar zurückgegangen. Den größten Zuwachs verzeichnen derzeit Hannover und Osnabrück. So sind in Osnabrück 1430 Menschen gemeldet, 82 mehr als zum Jahresende 2013, in Hannover leben 3677 gemeldete Rumänen und Bulgaren – 139 mehr als Ende Dezember.

Die NDR-Umfrage zeigt außerdem, dass die Menschen nach Niedersachsen kommen, um vor allem als qualifizierte Fachkräfte, Studierende oder um im Niedriglohnsektor beispielsweise in der Fleischindustrie oder im Baugewerbe zu arbeiten. So sei es für Ärzte aus Bulgarien attraktiv nach Deutschland zu kommen, sagt Autorin Marie-Caroline Chlebosch und erwähnt, dass ein bulgarischer Arzt in seinem Land durchschnittlich 5000 Euro verdient – im Jahr.

Nur ein sehr geringer Teil der hier Lebenden sei mittellos. Ansprüche auf Sozialleistungen wie Grundsicherung oder Arbeitslosengeld haben diese Menschen nicht, ohne vorher in Deutschland gearbeitet zu haben. Laut Umfrage erhielten von den 288 526 Arbeitslosen in Niedersachsen Ende Januar 579 Rumänen und 660 Bulgaren Arbeitslosenleistungen. Die einzige Leistung, die Rumänen und Bulgaren nach der Ankunft in Deutschland direkt beantragen können, ist das Kindergeld. Doch auch hier sind die Zahlen überschaubar: In Niedersachsen und Bremen erhalten derzeit 943 743 Eltern Kindergeld, davon seien 0,3 Prozent Kinder mit rumänischer oder bulgarischer Staatsbürgerschaft. Die Zahlen können nicht ganz exakt belegen, wie viele Kinder und Erwachsene aus Rumänien und Bulgarien hier tatsächlich leben. Die Dunkelziffer ist höher, da viele zunächst bei Verwandten unterkommen. Ohne gemeldet zu sein, erhalten sie allerdings keinerlei finanzielle Leistungen.

Viele der ärmeren Zuwanderer sind Analphabeten, die auch kaum ein Wort Deutsch sprechen. Weil Rumänen und Bulgaren EU-Bürger sind, haben sie anders als Drittstaatler keinen Anspruch auf einen Integrationskurs, um die deutsche Sprache zu lernen. Doch ohne ausreichende Sprachkenntnisse haben sie kaum eine Chance auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

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