Winterquartier

In Einbeck weht wieder Zirkusluft

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Foto: Ein Seehund aus der Truppe.

Einbeck - Der Zirkus Charles Knie hat sein Winterlager in Einbeck aufgeschlagen. Einer der letzten großen Zirkusbetriebe Deutschlands hat das traditionsreiche Barum-Domizil übernommen – auch um es dauerhaft als Firmensitz zu nutzen.

Seit mehr als 60 Jahren ist der Einbecker Ortsteil Volksen (Kreis Northeim) eine bekannte Adresse in der Zirkuswelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg schlug zunächst der Zirkus Kreiser-Barum am Westufer der Leine sein Quartier auf, Anfang der siebziger Jahre übernahm Zirkusdirektor Gerd Siemoneit-Barum das Anwesen. Als sich der weltberühmte Raubtierlehrer im Oktober 2008 mit 77 Jahren endgültig aus der Manege zurückzog, war dies zugleich das Ende des Zirkus Barum. Jetzt stehen wieder jede Menge Zirkuswagen auf dem Gelände: Der Zirkus Charles Knie hat das traditionsreiche Barum-Domizil erworben, um es dauerhaft als Winterquartier und Firmensitz zu nutzen.

Der 1995 gegründete Zirkus Charles Knie ist einer der letzten großen Zirkusbetriebe in Deutschland. Schon seit mehreren Jahren war das Unternehmen auf der Suche nach einem festen Domizil für die tourneefreie Zeit. Zuletzt hatte der Zirkus sein Winterquartier in Papenburg aufgeschlagen, während sich das Firmenbüro in Leer befand. Dies war jedoch nur eine provisorische Lösung. Der neue Standort sei dagegen sowohl von der Größe als auch von der Infrastruktur her ideal, schwärmt Zirkuschef Sascha Melnjak: „Das ist einfach perfekt für uns.“ Zirkusenthusiast Melnjak hatte den Betrieb 2006 von Zirkusgründer Charles Knie gekauft, der danach nach Australien auswanderte.

Auch in Einbeck freut man sich darüber, dass seit Anfang des Jahres wieder ein Zirkusunternehmen in der Stadt beheimatet ist. „Wir haben hier viel Unterstützung bekommen“, sagt der Pressesprecher des Zirkusunternehmens, Sascha Grodotzki. Der Zirkus hat auch schon kräftig die Gebührenkassen klingeln lassen: Sämtliche Zirkuswagen - insgesamt sind es mehr als 100 - haben bei der Ummeldung Wunschkennzeichen mit der Buchstabenkombination „EIN“ (für den früheren Landkreis Einbeck) und „CK“ (für Charles Knie) bekommen. Rund 50 der knapp 100 Mitarbeiter sind jetzt ebenfalls in Einbeck gemeldet. Wie viele andere Zirkusunternehmen ist auch Charles Knie eine international besetzte Truppe. „Bei uns arbeiten 38 Artisten aus 13 Nationen“, sagt Grodotzki. In Einbeck hätten die Behörden schon vom Zirkus Barum her viel Erfahrung mit den entsprechenden Anmeldeformalitäten für die ausländischen Mitarbeiter. Dies sei ein großer Vorteil, ebenso die örtliche Lage nahe der Autobahn 7: „Von hier aus kommt man schnell überall hin.“ Nicht nur der große Fuhrpark - darunter ein extra Garderobenwagen für das Zirkusballett und die Artisten - zeugt davon, dass wieder ein Zirkus auf dem 50.000 Quadratmeter großen Anwesen in Volksen Einzug gehalten hat: Vor den Stallungen ist ein großes Wasserbecken aufgebaut, in dem sich zwei kalifornische Seelöwen tummeln. In den Ställen befinden sich neben zahlreichen Pferden auch diverse afrikanische und ungarische Rinder, Kamele, Lamas, Antilopen, Nandus, Wildpferde, Kängurus, Hängebauchschweine und Zebras.

Einige der Tiere reisen in diesen Tagen nach Tschechien. Dort nimmt der Zirkus Charles Knie am Prager Zirkusfestival teil. Danach gehen die Vorbereitungen für die diesjährige Tournee weiter. Die Premiere für die neue Saison findet am 1. März auf dem Festplatz in Einbeck statt - auch das hat eine lange Tradition. Danach folgen Gastspiele in Goslar und Nordhausen sowie rund 40 weiteren Orten.

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