22-Jähriger attackiert eigene Mutter

„Er sah in ihr eine Hexe“

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Foto: „Er hatte nichts gegen seine Mutter“: Der 22-jährige Hildesheimer in Begleitung von zwei Justizbeamtinnen.

Hildesheim - Nach einer Attacke mit einem Baseballschläger auf seine Mutter hat das Landgericht Hildesheim für einen 22 Jahre alten Mann Sicherungsverwahrung angeordnet. Die Kammer hält den Hildesheimer für nicht schuldfähig. Bei dem Angriff unter Wahnzuständen hatte er die 52 Jahre alte Frau beinahe getötet.

Weil davon auszugehen sei, dass er in einem erneuten Wahnzustand weitere schwere Straftaten begehen könne, ließ das Gericht den Mann in einem psychiatrischen Krankenhaus unterbringen.

Fast ein halbes Jahr liegt der Vorfall bereits zurück. Am 30. November 2014 prügelte der junge Mann nach einem Streit zunächst mit einem Baseballschläger auf seine Mutter ein. Als der Holzgriff unter der großen Wucht brach, wollte er die Frau mit einem Küchenmesser umbringen. Das konnte die Polizei, die von Nachbarn alarmiert worden war, in letzter Sekunde verhindern. Nachdem der Mann entwaffnet und festgenommen war, forderte er die Beamten auf, die Frau endlich zu erschießen.

Herzergreifende Begegnung

Gestern sahen sich Mutter und Sohn erstmals seit dem Angriff wieder. Laut schluchzend betritt die sichtlich gezeichnete Frau den Gerichtssaal und nimmt ihren Sohn weinend in die Arme. „Geht es dir gut?“, fragt sie in der kongolesischen Heimatsprache. Im Saal ist es absolut still, so herzergreifend ist diese Begegnung. „Er war ein anderer“, lässt die Mutter später den Dolmetscher übersetzen. Das Wissen, dass ihr Sohn psychisch schwer krank ist, öffnet ihr einen Weg, mit der grausamen Tat eines Tages vielleicht irgendwie umgehen zu können.

Während der behutsamen Zeugenbefragung des Vorsitzenden Richters Peter Peschka wird die 52-Jährige immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt. An ihrem Hinterkopf ist eine verheilte, handtellergroße Wunde zu erkennen, die das Ausmaß der Verletzung erahnen lässt. Bilder der schweren Kopfverletzungen schockieren im Gerichtssaal selbst den Staatsanwalt.

„Er hatte nichts gegen seine Mutter. In seinen Wahnvorstellungen hat er in der Frau eine Fremde, eine bedrohliche Hexe gesehen“, erläutert der Sachverständige Tobias Bellin. Er habe sich verfolgt und „von irgendwelchen Mächten angegriffen“ gefühlt. Davon habe sich der Sohn befreien wollen. Der Gutachter machte aber auch klar: „Nur weil er heute frei von dem psychotischen Zustand ist, ist er noch lange nicht gesund.“

Die Kammer geht in ihrer Urteilsbegründung zwar von einem direkten Tötungsvorsatz aus. Allerdings habe es dem Beschuldigten an der Unrechtseinsicht gefehlt, er sei nicht steuerungsfähig gewesen. Der 22-Jährige, der zuvor schon wegen sexuellen Missbrauchs und Körperverletzung aufgefallen war, nahm das Urteil an. Es ist somit rechtskräftig.

Von Renate Klink

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