Dreharbeiten in Goslar

Eine Stadt sucht George Clooney

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Goslar - Wo ist George? Diese Frage hat am Montag eine ganze 40.000-Einwohner-Stadt umgetrieben. Immerhin drehte Filmstar Georg Clooney in Goslar Szenen für seinen neuen Streifen "The Monuments Men". Doch wenn Hollywood sich im Vorharz ausbreitet, kommt keiner mehr durch.

Michaela Kramer hat Pech. Da ist die junge Frau schnell nach Hause geeilt mit ihrem eineinhalbjährigen Kilian, um einen Fotoapparat zu holen – und nun ist vom Geschehen auf der Breiten Straße in Goslar nichts mehr zu sehen. Kein großer Aufmarsch mehr, keine als Belgier verkleidete, Fähnchen schwingende Niedersachsen, keine Panzer mehr und vor allem kein George mehr, der von einem Podest herunter ganz in der Ferne Regieanweisungen gibt.

Alle, die sie hier hinter den Absperrungen herumlungern an diesem Montagmorgen, kennen ihn, raunen mit merkwürdigen Bewegungen der Augen seinen Namen, machen Scherze. Doch niemand kommt an ihn heran, den Regisseur, Sexiest man alive a. D., den Hollywoodstar und Streiter für Barack Obama. An George Clooney. Dafür sorgen schon die Absperrungen sowie als Sicherheitsdienst angeheuerte Studenten, die sofort jede Auskunft verweigern, wenn das Gegenüber zu erkennen gibt, das es von der Presse kommt: „Uns ist verboten, Auskünfte zu geben, wenden Sie sich an die Produktionsgesellschaft.“

Immerhin, Michaela Kramer, die sich mit ihrem Sohn wieder davonmacht, ist nicht völlig frustriert. „Ich habe ihn schon mal gesehen“, sagt sie. In einem bekannten Hotel der Stadt – „im Achtermann“. Wirklich? Passanten fragen. „Er ist viel kleiner, als man denkt.“ Ach ja.

Auch im Goslarschen Rathaus, das etwa zehn Minuten von der Breiten Straße entfernt ist, sind George und die Dreharbeiten das Thema. Auch eine der Sekretärinnen des Oberbürgermeisters Oliver Junk hat ihn gesehen. Doch auch von ihr: „Kein Kommentar.“ Sie hat, auf dem Flur auf Clooney angesprochen, diesen merkwürdigen Augenaufschlag. Oder liegt es nur am pollenhaltigen Wetter?

Egal, rein in das Büro des Oberbürgermeisters. So einer wie er, immerhin kommunaler Herrscher einer 40.000-Einwohner-Stadt, muss doch George Clooney gesehen, ihn begrüßt, ihn gewürdigt haben in den Mauern seiner so ehrwürdigen Stadt. „Nein“, ich habe ihn nicht gesehen, versichert Dr. Oliver Junk. Immerhin habe er gesehen, dass Teile seiner Verwaltung ihn, ja ihn gesehen haben. Denn die seien als Komparsen beschäftigt. „Aber wir als Stadt machen nichts Offizielles“, sagt der Oberbürgermeister. Und fügt noch an, dass ein offizieller Termin mit George Clooney schon schön gewesen wäre. „Auch für meine Frau.“

Nach zwei Stunden Suche im abgesperrten Goslar, in dem heute nur 700 Komparsen am Set George sehen, hören und folgen können, treffen wir unten am Breiten Tor Sezer Karadeniz. Er hat IHN auf dem Handy – und zeigt es allen: „Ganz hinten, der Kleine.“ Das Bild ist etwas unscharf.

Doch Halt. An diesem Montag, an dem ganz Goslar über George Clooney redet, den lediglich 700 Komparsen aus der Nähe sahen, treffen wir auf dem Marktplatz einen Mann, der an diesem für Goslar so historischen Tag ganz nah dran war. „Aber ich habe ihn nicht direkt angesprochen, das war mir dann doch zu peinlich“, sagt Sigmar Gabriel. Der SPD-Bundesvorsitzende war am Filmset, eingeladen vom Produzenten und hat eine Stunde lang die Filmarbeiten beobachtet. Sehr liebenswürdig sei Clooney mit den kleinen Jungen umgegangen, die als Komparsen dastanden. „Die Hälfte der Stadt Goslar war da, aber alle in Verkleidung“, sagt Gabriel, der von dem immensen Aufwand um die Dreharbeiten immer noch beeindruckt ist.

„Ich habe in dieser Stadt schon den chinesischen Staatspräsidenten gehabt, es ist aber wesentlich leichter an den heran zu kommen als an Clooney“, sagt Sigmar Gabriel. Anke Gabriel, die neben ihrem Mann sitzt, schmunzelt. Sie wird wissen, warum.

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