Interview mit Arnold Schwarzenegger

Tut einem Terminator die künstliche Hüfte weh?

+
Foto: "In den USA können Sie laut sagen: Ich habe gerade meine erste Million gemacht. In Europa solltest du besser nicht über Reichtum sprechen", sagt Arnold Schwarzenegger.

- Beim Reinkommen verdrückt Arnold Schwarzenegger noch schnell den letzten Bissen Croissant. Dann stellt der gebürtige Österreicher das „Terminator“-Grinsen an. So gewaltig sieht der einstige Mister Universum gar nicht aus, eher wie ein gut erhaltener 67-Jähriger. Stefan Stosch hat mit ihm im Berliner Hotel Adlon gesprochen.

Herr Schwarzenegger, in Ihrer Rolle als Terminator sind Sie der Beschützer der Menschheit. Wen oder was beschützen Sie denn im wirklichen Leben?

Ich bin der Beschützer der Umwelt. Alle reden über die Klimaerwärmung – was in Ordnung ist. Aber Tatsache bleibt, dass wir uns um das wirkliche Problem herumdrücken: Auf der Erde werden sieben Millionen Menschen pro Jahr durch Umweltverschmutzung getötet. Es geht also nicht darum, was in ein paar Jahrzehnten passiert, sondern was heute ist. Die Leute kommen krank zur Welt oder kriegen Krebs wegen all der Schadstoffe. Es stimmt, es passieren schreckliche Geschichten: Ein Mann geht in den USA in eine Kirche und erschießt Leute oder ein Autofahrer läuft Amok in meiner Heimatstadt Graz. Aber wenn man all diese Toten zusammenzählt, wird man nie auf sieben Millionen kommen.

Sie waren der erfolgreichste Bodybuilder der Welt, Hollywoodstar, Politiker: Was war die aufregendste Ära in Ihrem bisherigen Leben?

Ganz klar: Meine acht Jahre als Gouverneur in Kalifornien. Ich habe mich immer als jemand verstanden, der im Dienst der Öffentlichkeit steht – was nicht unbedingt für jeden Politiker gilt. Ein guter Anführer bringt verschiedene Parteien zusammen und tut das, was den Staat voranbringt.

Da müssen Sie ja froh sein, dass Sie den Job los sind: Die verfeindeten politischen Lager in den USA sind kaum mehr an einen Tisch zu bringen.

Egal ob in den USA, England, Österreich oder Deutschland: Überall scheint die Polarisierung zuzunehmen. Eine Partei ist wichtig, um an die Macht zu kommen. Aber dann muss man das tun, was fürs Land gut ist.

Könnten Sie sich vorstellen, wieder zurück in die Politik zu wechseln?

Das Amt, an dem ich interessiert wäre, ist für mich nicht erreichbar: US-Präsident kann ich nicht werden, weil ich nicht in Amerika geboren bin. Die typische Politikerkarriere interessiert mich nicht. Ich will nicht die üblichen Stationen vom Gouverneur zum Senator und dann zum Kongressabgeordneten absolvieren, um als Bürgermeister zu enden – nur um irgendeine Führungsposition auszufüllen.

Haben Sie das Filmemachen in Ihren Politikerjahren vermisst?

Als Gouverneur bist du ja auch dauernd von Kameras umgeben, gibst Pressekonferenzen und Interviews. Allerdings ist es etwas anderes, in eine Kinorolle zu schlüpfen. Ich hatte aber gar keine Zeit, das Filmen zu vermissen, weil ich so sehr beschäftigt war. 24 Stunden am Tag hatte ich mit all den Komplikationen der politischen Welt zu tun.

Leben Sie inzwischen ruhiger?

Ich bin gut beschäftigt mit meinem Schwarzenegger Institute, einem Thinktank an der Universität in Los Angeles, mit Umweltpolitik, außerschulischen Bildungsprogrammen, meinen sonstigen Geschäften, dazu kommt die Schauspielerei ...

Klingt nach Workaholic.

Das ist schon gut so. Ich bin unglücklich, wenn ich nichts zu tun habe.

Da muss Ihnen die Rückkehr als Terminator wie ein Sonntagsspaziergang vorgekommen sein.

Die eigentliche Frage für mich war: Werden mich die Leute wieder als Terminator akzeptieren? Ich bevorzuge es eigentlich, mit kleineren Filmprojekten anzufangen und mich langsam nach oben zu arbeiten. So wie beim Bergsteigen: Der Aufstieg ist das, was wirklich Spaß macht. Wenn du oben bist, kannst du nur wieder runter. Der Anruf für den „Terminator“ aber kam einen Monat, nachdem ich das Büro das Gouverneurs verlassen hatte.

Waren Sie überrascht?

Nein, aber froh. Ich fragte mich bloß: Wie setzt man den Film fort, ohne vorzutäuschen, dass ich derselbe Terminator wie 1984 bin? Ich schaue ja schon ein bisschen anders aus als damals. Die Idee, dass die Zeitreiserei für Terminatoren wegen ihres metallenen Körpers nicht infrage kommt, schien mir ziemlich cool. So durfte ich altern, während die Menschen jung bleiben.

Leute wie Bill Gates oder Stephen Hawking warnen davor, dass die Maschinen unser Leben dominieren könnten. Haben Sie auch Angst davor?

Die Computer bestimmen doch schon jetzt unser Leben. Auf der einen Seite ist das auch gut so. Wir können besser kommunizieren. Unsere Bankgeschäfte laufen schneller, die medizinische Versorgung ist besser. Aber: Wir müssen uns klar darüber sein, dass wir bei einem Missbrauch dieser neuen Techniken ein Desaster verursachen. Davon handeln ja auch die „Terminator“-Filme: Die Maschinen werden sich ihrer selbst bewusst und überflügeln die Menschen.

In welcher Rolle ist es schwerer zu altern: als Terminator oder als Arnold Schwarzenegger?

Weder das eine noch das andere ist ein Problem. Beim Terminator sind ja die Drehbuchautoren zuständig. Und im wirklichen Leben bleibe ich in Bewegung. Ich trainiere jeden Tag, egal ob mit oder ohne Gewichte. Ich fahre Fahrrad, schwimme, wandere. Im Winter gehe ich Skilaufen. Je besser du in Form bleibst, desto mehr genießt du das Älterwerden.

Aber so ganz ungeschoren sind auch Sie nicht davongekommen.

Früher waren Leute schon mit Mitte 60 uralt. Heute kriegst du eine künstliche Hüfte, wie ich sie habe, oder eine künstliche Herzklappe, wie ich sie ebenfalls habe, oder du kriegst ein Hörgerät, wie ich es nicht habe – und doch kannst du fit und in Übung bleiben. Das ist der Trick.

Ist Amerika für Sie bis heute das Land der unbegrenzten Möglichkeiten geblieben?

Auf jeden Fall. Wissen Sie, warum? Es gibt keinen Neid. In den USA können Sie laut sagen: Ich habe gerade meine erste Million gemacht. Da zerkratzt dir keiner das neue Auto, sondern man bringt dir eine Flasche Champagner vorbei. In Europa solltest du besser nicht über Reichtum sprechen. Ich erinnere mich: Ich war 25 und im Fitnessstudio, als ich erfuhr, dass der Wert des Gebäudes, das ich für 200.000 Dollar gekauft hatte, auf eine Million gestiegen war. Alle wollten sofort mit mir feiern. Man lässt sich inspirieren durch den Sieg des anderen und siegt dann selbst.

Apropos Auto: Haben Sie noch Ihren Hummer, diesen militärischen Streitwagen, den Sie einst populär gemacht haben?

Ich habe vier davon. Der eine Hummer fährt mit Wasserstoff, die anderen drei mit Biodiesel.

Sehen Sie Ihr Leben als die Verkörperung des amerikanischen Traums?

Ohne jeden Zweifel. Aber ich habe die Verkörperung dieses Traums nicht angestrebt, das ist einfach passiert. Für mich war Amerika der perfekte Ort. Wenn ich der größte Musiker hätte werden wollen, wäre ich vermutlich besser in Österreich geblieben. Ich habe aber davon geträumt, Bodybuilding-Champion und Schauspieler zu werden. Der Muscle Beach befindet sich nun mal in Los Angeles, ebenso Hollywood. Mit einer Menge harter Arbeit habe ich meine Ziele verwirklicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare