Katzencafé in München eröffnet

Auf einen Latte macchiato mit der Katze

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Foto: Regel: "Keine schlafenden Katzen wecken". Café-Besitzer Thomas Leidner in seinem Katzenlokal.

München - Kaffee trinken und gleichzeitig mit Katzen kuscheln - das kennen viele höchstens aus den eigenen vier Wänden. Im Mai hat in München das Café "Katzentempel" eröffnet: Dort teilen sich die Besucher den Gastraum mit vier Katzen - schlemmen und schmusen außer Haus.

Kater Jack springt mit einem Satz auf den Tisch, Katze Ayla räkelt sich derweil im plüschigen Körbchen eines Kratzbaums. Die Gäste des "Katzentempels" in München genießen währenddessen ihren Kaffee und schauen dem Katzen-Getümmel zu. Denn der Name "Katzentempel" ist Programm: Die Cafébesucher teilen sich den Gastraum des frisch eröffneten Cafés von Thomas Leidner mit vier Katzen. Hier und dort kullert ein Ball oder anderes Katzenspielzeug, an den Wänden hängen gepolsterte Regale, auf denen die Katzen herumtoben und faulenzen können.

Mittendrin serviert Leidner rein pflanzliches Essen. Deshalb gelten besondere Hygiene-Regeln, erklärt die Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats, Daniela Schlegel: So wird das Essen mit Hauben abgedeckt serviert, damit kein Katzenhaar auf den Tellern landet. Die Küche ist strikt vom Gastraum getrennt, nur durch eine kleine Luke werden Essen und Getränke ausgegeben. Denn im Café selbst dürfen keine Lebensmittel gelagert oder zubereitet werden - deshalb finden sich dort weder Kaltgetränke noch eine Kaffeemaschine. Alles, was im Magen der Gäste landet, kommt aus der katzenfreien Zone: der Küche. Es gibt separate Eingänge für Küchen- und Servicepersonal. Das Ordnungsamt habe von der Umsetzung dieser Maßnahmen im "Katzentempel" einen guten Eindruck, sagt Schlegel. Auch für die artgerechte Haltung der Tiere muss Café-Besitzer Leidner sorgen. So brauchen die Katzen eine Rückzugsmöglichkeit, Schlafplätze, Katzentoiletten und Kratzmöglichkeiten. "Alles sollte dreidimensional gestaltet sein, Katzen möchten auch mal von oben runterschauen", sagt Schlegel.

Und natürlich sollten die Tiere nur artgerechtes Futter bekommen und nicht am Kuchen naschen. Auch der Eingang zum "Katzentempel" ist auf die Tiere zugeschnitten: Weil die Katzen wegen des Verkehrs vor dem Café nicht raus dürfen, kommen und gehen die Gäste durch zwei Türen, die nacheinander geöffnet werden - eine Schleuse. "Der Betreiber hat auch von sich aus viele Dinge angeboten und eingerichtet. Er ist sehr bemüht, die Tiere artgerecht zu halten", meint Schlegel. Die Idee, ein solches Café zu eröffnen, hatte Leidner im August vergangenen Jahres in Wien - in einem Katzencafé.

Im Oktober habe er die ersten Anträge zur Eröffnung des "Katzentempels" in München gestellt - viele Anträge, viele Behörden. Vor allem ging es um Lebensmittelhygiene und Tierschutz. "Es war sehr streng, aber alle waren sehr fair", sagt Leidner. Bis zur Eröffnung im Mai war er Börsenmakler. Das habe er ethisch nicht mehr ausgehalten, sagt der 30-Jährige. Schon lange war er im Tierschutz aktiv. Auch in seinem Café liegt es ihm am Herzen, die Tiere artgerecht zu halten, sagt Leidner. Deshalb habe er nur vier Katzen, nicht 15 wie das Wiener Café. Und er hat Verhaltensregeln für die Gäste aufgestellt. "Manchmal kommen Eltern mit ihren Kindern und sehen das als Streichelzoo an", berichtet Leidner. Deshalb sind die wichtigsten Regeln: nicht mit Blitzlicht fotografieren, keine schlafende Katzen wecken und anfassen und nicht mit Straßenschuhen auf den Bänken herumtoben. "Eigentlich sind die Besucher bei den Katzen zu Gast", sagt der 30-Jährige. "Ich habe das Café um die Katzen aufgebaut."

Zunächst haben die Katzen drei Monate bei ihm zu Hause gewohnt - für die Rudelbildung, erklärt er. Schließlich ist er für die Eingewöhnungsphase der Tiere - gemeinsam mit seinem Rudel - in das Café eingezogen. Täglich bekommt das Rudel Besuch - viel Besuch. Die Tische des Cafés sind meist gut besetzt, Neugierige pressen von außen ihre Nasen an die Fenster. Er habe nicht gedacht, dass das Café so gut angenommen werde, sagt Besitzer Leidner. Die Geldgeber auch nicht: "Die Idee wurde eigentlich von allen belächelt, die Banken haben mich ausgelacht", erzählt er.

dpa

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