Ungelöste Morde

Einige Akten schließen nie

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Flugblatt der Polizei zum Mordfall Monika P.

Hannover - Der Täter ist unbekannt, die Leiche unauffindbar: In Niedersachsen gibt es einige ungeklärte Mordfälle. Modernste DNA-Analytik hilft den Ermittlern jedoch immer häufiger, auch nach Jahrzehnten Verbrecher zu überführen.

Zeugen haben den Täter gesehen, doch es gibt keine heiße Spur: Im November 2011 wurde die 20 Jahre alte Annika B. in Hannover erstochen. Eine Anwohnerin war beim Einparken auf den Mann und die junge Frau auf dem Bürgersteig aufmerksam geworden. Als die Zeugin um Hilfe schrie, lief der Unbekannte weg. Die 20-Jährige wurde mit schweren Stichverletzungen im Oberkörper in eine Klinik gebracht, wo sie wenig später starb. Die Polizei fertigte eine präzise Phantomskizze, doch der Mann ist bis heute nicht gefasst.

„Die Ermittlungen in diesem Fall sind vorerst abgeschlossen“, sagt Holger Hilgenberg, Sprecher der Polizei Hannover. Das bedeute aber keinesfalls, dass die Akte geschlossen ist. „Wenn alle Spuren erfasst und abgearbeitet sind - dazu zählen unter anderem Telefonate, die Untersuchung des Tatortes oder Zeugenbefragungen - gehen die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft“, erklärt der Sprecher. Doch endgültig geschlossen werden die Akten bei ungelösten Mordfällen nie.

Mord verjährt nie

„Für Mord gibt es keine Verjährungsfrist“, betont Kathrin Söfker, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover. Neue Methoden in der Forensik oder bei der Auswertung von DNA-Spuren brächten manchmal noch 20 Jahre nach der Tat Erfolge. „Wenn es neue Erkenntnisse oder Zeugen gibt, ermitteln wir wieder“, erklärt Söfker. Erst im September hatten die Ermittler den Sexualmord an der neunjährigen Christina aus Osnabrück nach mehr als 25 Jahren aufgeklärt und den mutmaßlichen Täter gefasst. Der 45-Jährige hat ein Geständnis abgelegt. Modernste DNA-Analytik hatte die Ermittler auf die Spur des Mannes gebracht.

Im Mordfall Monika P. sucht die Polizei Hannover noch nach dem Täter. Die zerstückelte Leiche der 24-Jährigen war am 4. Januar 2010 in Plastiksäcken verpackt am Ufer der Ihme von Spaziergängern entdeckt worden, Kopf und Arme blieben verschwunden. Zeugen hatten die Frau zuletzt auf einer Silvesterparty lebend gesehen. Es gibt keine Spur, auch zwei Massen-Gentests brachten keinen Erfolg. Auf Zeugenhinweise hofft die Polizei ebenfalls im Fall eines 54-Jährigen, der im Januar tot in seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Hannover entdeckt wurde. Der Mann starb an Stichverletzungen. Nachbarn hatten die Beamten alarmiert, weil sein Briefkasten überquoll.

Leichen, die nie gefunden werden

In Cuxhaven beschäftigt die Ermittler der Fall der 26 Jahre alten Nancy K., deren Leiche nie gefunden wurde. Die junge Frau verschwand im März 2009. „Die polizeilichen Möglichkeiten sind ausgeschöpft, das ist unser Problem“, sagt Kriminalhauptkommissar Robert Kalka von der Polizei Cuxhaven. „Wir können nur immer wieder daran erinnern, vielleicht melden sich noch Zeugen oder die Leiche wird zufällig entdeckt“. Die Ermittler sind sich sicher, dass Nancy K. einem Verbrechen zum Opfer fiel. Denn seit ihrem Verschwinden hat sie keine Spuren mehr hinterlassen.

Auch die Leiche des 37 Jahre alten Stefan H. aus Hameln wurde nie gefunden, er verschwand 2004. Im Verdacht stand eine Familie, bei der sich der Mann häufig aufgehalten hatte, die jedoch ein Verbrechen bestreitet. Ermittlungen wegen des Verdachts des Totschlags gegen die Familie brachten keine Ergebnisse.

dpa/lni

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