Niedersachsen

Einklagen ins Studium lohnt nicht mehr

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Keinen Platz abbekommen? Einige Studienbewerber klagen, die Aussicht auf Erfolg sind aber gering.

Hannover - Abi in der Tasche. Durchschnittsnote, aber Traumberuf Arzt? Wer auf normalem Weg keinen Studienplatz bekommt, der kann es mit einer Klage versuchen, wenn er Eltern mit dem nötigen Kleingeld hat. Doch die Aussichten auf Erfolg sind in Niedersachsen eher gering.

Studenten in Niedersachsen haben beim Einklagen von Studienplätzen kaum noch Erfolg. Das geht aus aktuellen Angaben der Hochschulen und den Zahlen des niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts hervor. „Nachdem die Medizinische Hochschule Hannover seit sechs Jahren alle Verwaltungsgerichtsverfahren gewonnen hat, ist die Anzahl der klagenden Bewerber von 1500 pro Jahr auf etwa 250 pro Jahr abgesunken“, sagte der Studiendekan der Hochschule, Prof. Ingo Just, der Nachrichtenagentur dpa.

Am Montag endet die Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Studiengänge. Wer sein Abi frisch in der Tasche hat, aber keine Bestnoten vorweisen kann, der muss sich in begehrten Fächern seine Hoffnung auf einen direkten Studienstart im Herbst abschminken.

In der Medizin lag der Numerus Clausus in Niedersachsen nach Angaben der Stiftung für Hochschulzulassung zuletzt bei 1,2, in der Zahn- und Tiermedizin bei 1,5. Der Schnitt sinkt, wenn man schon ein paar Jahre Wartezeit hinter sich hat, auch ein direktes Auswahlgespräch an einer Uni bringt manchmal trotz durchschnittlicher Noten Erfolg. Vor allem in den medizinische Fächern und teils auch in der Psychologie versuchen junge Leute aber auch zu Tausenden, einen Studienplatz per Klage zu bekommen. Sie müssen der Hochschule dafür nachweisen, dass sie ihre Aufnahme-Kapazität nicht ausgeschöpft hat.

„Der Löwenanteil der Klagen erfolgt in der Humanmedizin“, erläuterte der Sprecher des Oberverwaltungsgerichtes, Sven-Marcus Süllow. „Von den Unis waren maßgeblich Göttingen sowie die Medizinische Hochschule und die Tierärztliche Hochschule in Hannover involviert.“ Im vergangenen Jahr gingen an den niedersächsischen Verwaltungsgerichten 2345 Klagen auf einen Studienplatz ein. 2009 waren es aber mit 3095 noch deutlich mehr gewesen.

Der Sprecher der Uni Göttingen, Romas Bielke, sagte: „Die Anzahl der Klagen ist konstant hoch.“ Allerdings würden die Unis ihre Kapazitäten immer exakter berechnen, so dass die Erfolgsaussichten der Kläger sinken. In Göttingen etwa gibt es im Fach Psychologie jedes Wintersemester 60 bis 80 Klageverfahren. Die Anzahl der Studienplätze, die danach zusätzlich vergeben werden müssen, weil das Gericht freie Kapazitäten entdeckte, liege in der Regel unter fünf.

Die Unimedizin in Göttingen ist nicht begeistert über die Klagen, bewertet solche Versuche aber als legitim. „Für den Studiengang Medizin ist das problematisch, weil das Lehraufkommen so nicht planbar und berechenbar ist“, sagte der Sprecher der Unimedizin, Stefan Weller. Oft würden Klagen erst mitten im Semester entschieden, so dass dann geschaut werden müsse, wie in Laboren oder bei Praktikumsplätzen kurzfristig zusätzliche Angebote geschafft werden könnten.

Und die Kosten für einen Studienplatz per Klage sind hoch. Etliche Anwälte haben sich darauf spezialisiert, damit Geld zu verdienen, darauf weist auch das Wissenschaftsministerium in Hannover hin. In Göttingen geht die Uni davon aus, dass so ein Verfahren etwa 1500 Euro kostet, wenn es verloren wird. „Damit ist es nur finanzstarken Elternhäusern möglich, ihren Kindern die Aussicht auf einen Studienplatz im Wege der Klage zu eröffnen“, sagt Sprecher Bielke.

dpa/sag

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