Zugentgleisung in Bremen

Einschränkungen im Zugverkehr betreffen auch Hannover

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Einer der abgerissenen Strommaste liegt auf einem Waggondach. Warum der Zug bei der Einfahrt in den Bahnhof entgleiste, ist zur Zeit noch unklar.

Bremen - Geduldsprobe für Pendler: Am Bremer Bahnhof herrscht stundenlang Stillstand, weil ein Güterzug entgleist ist. Bahnreisende in Bremen und Niedersachsen müssen sich auch in den kommenden Tagen auf Einschränkungen einstellen, da Reparaturen längere Zeit dauern werden. Besonders der der Fernverkehr nach Süddeutschland ist weiter eingeschränkt.

Gestrandete Reisende, stundenlange Verspätungen: Ein entgleister Güterzug hat am Bremer Hauptbahnhof den Verkehr komplett lahmgelegt. Der Lokführer wurde bei dem Unfall am Donnerstag nicht verletzt. Die Bahn sperrte jedoch stundenlang alle Gleise und leitete Fernzüge soweit wie möglich um. Die Regionalverbindungen endeten an anderen Bahnhöfen. Tausende Fahrgäste waren im Nordwesten betroffen. Viele mussten auf Busse umsteigen. Erst am Abend konnten die ersten Gleise wieder freigegeben werden, teilte die Bahn mit. Doch die Behinderungen würden noch Tage dauern. Auf einer Internetseite informiert die Bahn über die Ausfälle.

Noch Stunden nach dem Unglück blockierte der leere Güterzug die Gleise, 20 Waggons, mehrere hundert Meter lang. Um das Ende liefen Bahnmitarbeiter und Ermittler in orangefarbenen Westen. Die hinteren Wagen standen quer. Gegen Mittag waren sie aus den Gleisen gesprungen, als der Zug den Bahnhof durchfahren wollte. Sie rissen mehrere Masten um, beschädigten die Stromleitung und das Gleisbett. Die Bahn musste den Strom auf allen Gleisen abschalten. Der Schaden wird auf rund 100.000 Euro geschätzt.

Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist noch unklar. „Wir haben gerade erst begonnen, nach der Ursache zu forschen“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Ein Ergebnis wird voraussichtlich erst in den nächsten Tagen vorliegen. Ermittler suchten an der Unfallstelle nach Spuren. „Wir haben schon die wesentlichen Dinge gesichert und Fotos gemacht.“ Auch den Lokführer befragten die Beamten. Sie wollen ihn in den nächsten Tagen aber noch eingehender vernehmen.

Sobald die Bundespolizei an der Unfallstelle fertig ist, will die Bahn mit den Aufräumarbeiten beginnen. „Dafür muss natürlich der Zug weg“, sagte eine Bahnsprecherin. Wie dieser abtransportiert werden soll, müssen die Experten aber noch klären. Die Bergung und die Reparaturen werden nach Einschätzung der Bundespolizei frühestens Freitag beginnen können.

Vor den Infoständen in dem Bahnhof standen die Reisenden Schlange. „Ich bin im Moment gestrandet“, sagte eine Frau aus Bremerhaven, die eigentlich nach Bad Bevensen (Kreis Uelzen) fahren wollte. „Normalerweise wäre ich in zwei Stunden da. Ich habe da ein Seminar, deshalb muss ich da noch heute hin.“ Bahnmitarbeiter schickten die Wartenden zu Bussen, die die Bahnhöfe in der Umgebung anfahren. Wer konnte, stieg aufs Auto um. „Ich lasse mich von meinem Vater abholen“, sagte ein junger Mann. „Hier sind viel zu viele Leute, die Busse sind total überfüllt.“

Betroffene Zugverbindungen, bei denen am Freitag mit Einschränkungen zu rechnen ist:

ICE 535 Bremen (9.14 Uhr) über Hannover (10.14 Uhr) nach München

RE 4411 Bremen (9.19 Uhr) nach Hannover (10.38)

IC 2434 Bremen (9.55 Uhr) nach Emden

IC 2037 Bremen (10.09 Uhr) über Hannover (11.14 Uhr) nach Dresden

RE 4413 Bremen (10.19 Uhr) nach Hannover (11.38 Uhr)

ICE 537 Bremen (11.14 Uhr) über Hannover (12.14 Uhr) nach München

RE 4417 Bremen (12.19 Uhr) nach Hannover (13.38 Uhr)

ICE 1139 Bremen (13.14 Uhr) über Hannover (14.14 Uhr) nach München

Erst im vergangenen November war im Oldenburger Bahnhof ein Regionalzug entgleist und hatte einen Strommast umgeknickt. Zwei Tage lang stand danach der Zugverkehr still. Der Lokführer blieb bei dem Unfall unverletzt. Fahrgäste waren nicht in dem Zug.

dpa/r.

Der Artikel wurde aktualisiert.

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