Somalier vor Gericht

Einstellung im Piraten-Prozess gefordert

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Foto: Kam mit Handschellen ins Gerichtsgebäude: Der Angeklagte soll im Jahr 2010 vor der somalischen Küste einer der Hauptverantwortlichen für die Entführung des Chemietankers "Marida Marguerite" gewesen sein.

Osnabrück - Wegen der Entführung eines Schiffes muss sich seit Dienstag ein angeblich 44 Jahre alter somalischer Pirat vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Die Verteidigung forderte zu Prozessbeginn die Einstellung des Verfahrens.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Jahr 2010 zu den maßgeblichen Mitgliedern einer Piratenbande gehört zu haben, die den Chemietanker "Marida Marguerite" entführt und die 22-köpfige Besatzung als Geiseln genommen hatte. Die Anklage lautet unter anderem auf Angriff auf den Seeverkehr, erpresserischer Menschenraub und gefährliche Körperverletzung. Der Mann habe als "Investor" unter anderem Boote und Waffen beschafft und zeitweise das Kommando auf dem gekaperten Schiff gehabt.

Das Schiff gehört einer Reederei aus dem emsländischen Haren. Der Staatsanwalt schilderte in der Anklage detailreich das fast achtmonatige Martyrium der Besatzung. Die Männer seien grausam gefoltert und misshandelt worden. Es habe auch Scheinhinrichtungen an Bord gegeben. Die Verteidigung des Angeklagten beantragte die Einstellung des Prozesses. Die Prinzipien eines fairen und rechtsstaatlichen Verfahrens seien bei den Ermittlungen verletzt worden. Unter anderem hätten die Beamten des niedersächsischen Landeskriminalamtes nicht ihre Quellen offenbart.

dpa

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