Deiche weiter gefährdet

Ende der Flut ist in Sicht

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Langsam entspannt sich die Lage in den Hochwassergebieten.

Berlin - Noch immer stehen weite Landstriche in Deutschland unter Wasser, aber ein Ende der Flut kommt inSicht. Langsam können mancherorts Menschen in ihre Häuser zurückkehren. Doch noch immer sind Deiche bedroht.

Trotz sinkender Pegelstände in den Hochwassergebieten besteht wegen weicher Deiche nach wie vor die Gefahr von Dammbrüchen. Mancherorts belasteten auch Regenschauer die Deiche der Elbe zusätzlich. Die Bewohner der Altstadt-Insel von Hitzacker in Niedersachsen durften amFreitag in ihre Häuser zurück, für die Menschen in Lauenburg in Schleswig-Holstein blieb eine Rückkehr weiter ungewiss. In Sachsen-Anhalt standen nach wie vor viele Dutzend Quadratkilometer unter Wasser. Im Deggendorf in Bayern wollte Bundespräsident Joachim Gauck am Mittag Helfern danken und Betroffenen Mut zusprechen.

Die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände und der Bundesorganisationen der Feuerwehren dankte in einer Mitteilung allen Helfern. "Sie haben die Not der betroffenen Menschen gelindert und noch Schlimmeres verhindert - dafür gebührt Ihnen unsere Hochachtung!" Allein bei den Freiwilligen, Berufs- und Werkfeuerwehren seien mehr als 82 000 Menschen im Einsatz gewesen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung plädiert für eine Versicherungspflicht gegen Schäden durch Hochwasser und andere Naturkatastrophen. Dabei müsse es aber für die Versicherten finanzielle Anreize geben, in Schutzmaßnahmen gegen solche Schäden zu investieren, heißt es in dem am Freitag vorgestellten Modell des DIW. Notwendig sei eine Staatsgarantie für besonders große Schäden, ohne die die Versicherungsbranche nicht mitmachen werde. Die Justizminister der Bundesländer hatten sich für eine Pflichtversicherung für Hausbesitzer ausgesprochen, die Elementarschäden etwa durch Hochwasser oder Erdrutsche abdeckt.

Um beim Hochwassereinsatz Probleme durch schaulustige Hobbypiloten zu verhindern, verlängerte das Bundesverkehrsministerium Flugbeschränkungen entlang der Elbe. Seit dem Wochenende waren Flüge zum Schutz des Einsatzluftverkehrs an der Donau und Elbe beschränkt. An der Donau um Deggendorf in Bayern werden die Beschränkungen den Angaben nach in der Nacht zum Samstag planmäßig aufgehoben.

EU-Finanzkommissar Janusz Lewandowski sicherte in Brüssel den Flutopfern in Deutschland zügige Hilfen zu. Voraussetzung sei, dass die Schäden erfasst und ein Antrag auf Hilfe aus dem Europäischen Solidaritätsfonds gestellt werde. Der Vorsitzende des Ausschusses für Haushaltskontrolle im Europäischen Parlament, Michael Theurer (FDP), rechnete laut Mitteilung mit bis zu 500 Millionen Euro der EU.AmDonnerstag hatten Bund und Länder einen Hilfsfonds von etwa acht Milliarden Euro beschlossen.

SACHSEN-ANHALT: Landesweit sanken in Sachsen-Anhalt die Pegelstände vonElbe und Saale. InMagdeburg sollte am Freitag wieder an allenSchulen Unterricht sein.Sämtliche Bewohner konnten inzwischen in ihre Häuser zurück. ImLandkreis Stendal im Norden vonSachsen-Anhalt, wo bisher ein rund 200Quadratkilometer großes Gebiet unter Wasser stand und Tausende ihre Wohnungen verlassen mussten, sollte nach dem Durchbruch der Landstraße 18 ein Aufklärungsflug zeigen, wo das Wasser über Nacht hingeflossen ist.

SCHLESWIG-HOLSTEIN: Auch in Lauenburg war die Elbe weiter auf dem Rückzug. Am Freitag wollten Einsatzkräfte damit beginnen, Pumpen in die Altstadt zu schaffen, um sie vom Wasser zu befreien. Wann die rund 300 Bewohner wieder in ihre Häuser können, blieb zunächst unklar.Am Pegel in Lauenburg wurden am Vormittag 9,31 Meter gemessen - zehn Zentimeter weniger als am Donnerstagabend. Normalerweise beträgt der Wasserstand rund 4,80 Meter.

BRANDENBURG: Im Norden Brandenburgs ging das Wasser bis Freitagmittag weiter zurück. Am Freitagmorgen wurde in Wittenberge ein Pegelstand von 7,17 Metern gemessen, etwa 60 Zentimeter weniger als noch drei Tage zuvor, die Evakuierung wurde aufgehoben. Trotzdem gebe es noch keine grundsätzliche Entwarnung, weil das Wasser nach wie vor stark auf die Deiche drücke. Die Hochwassergefahr könne noch etwa eine Woche andauern, hieß es.

MECKLENBURG-VORPOMMERN: Der Katastrophenalarm in der Hochwasserregion Mecklenburg-Vorpommerns soll trotz sinkender Pegelstände in Dömitz und Boizenburg erst nächste Woche aufgehoben werden. Voraussichtlich am Dienstag könnten die Schulen wieder öffnen und die Schulbusse wieder normal fahren. Auch das Krankenhaus in Boizenburg war am Freitag noch geschlossen. Der Wasserstand der Elbe sank trotz teils ergiebiger Regenfälle in der Nacht zum Freitag weiter. Um 11.00 Uhr wurden in Dömitz 6,71 Meter und in Boizenburg 6,97 Meter gemessen. Normal sind in beiden Städten um die zwei Meter.

dpa

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