Brautraub in Greifswald

Entführung mit komischem Ende

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Foto: Die Entführung einer 22-Jährigen aus Greifswald entpuppte sich als traditioneller Brautraub.

Greifswald/Lüneburg - Ein bizarrer Entführungsfall hat die Polizei in Norddeutschland in Atem gehalten. Zwei Osteuropäer zwangen eine junge Frau in Vorpommern in ein Auto. Sie wird in Niedersachsen gefunden. Doch dann stellt sich heraus: "Täter" und "Opfer" lieben sich.

Eine vermeintliche Entführung einer jungen Frau aus Vorpommern hat sich als harmloser Brautraub entpuppt - aber trotzdem die Polizei beschäftigt. Es gehe es um eine 22-Jährige, die am Dienstagabend in Greifswald verschwand und am Donnerstag von Polizisten in einer Wohnung in Lüneburg gefunden wurde, sagte der Sprecher der Stralsunder Staatsanwaltschaft, Ralf Lechte. In der Wohnung befand sich auch der 35 Jahre alte angebliche Entführer. Er und ein mutmaßlicher Komplize aus Stade wurden zunächst wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung festgenommen. "Es stellte sich heraus, die Leute kannten sich, und nach den Vernehmungen wurden alle wieder auf freien Fuß gesetzt", erklärte Lechte.

Nach Angaben der Betroffenen soll es sich um einen im Nordkaukasus noch üblichen Brauch des Brautraubes gehandelt haben. Die beiden Männer stammen aus Nordossetien. Die Familie der entführten Frau - die in Greifswald lebt - ist aus Inguschetien nach Deutschland gekommen. "Zeugen hatten beobachtet, wie die Frau gezwungen wurde, auf einem Parkplatz in Greifswald in ein Auto zu steigen", sagte Polizeisprecherin Madeleine Camin. Die Passanten hätten Anzeige erstattet. Die 22-Jährige war gerade von der Arbeit gekommen. Nach der Befragung der Eltern der jungen Frau hätten sich die Hinweise auf eine Entführung verdichtet.

Die Staatsanwaltschaft habe dann Durchsuchungen angeordnet. "Erst später wurde bekannt, dass sich die junge Frau und ihr "Entführer" kannten und liiert waren", sagte Lechte. Unklar sei geblieben, was in der Familie der 22-Jährigen darüber bekannt war. Bei einem echten Brautraub werden junge Frauen entführt, um sie zwangszuverheiraten. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty international haben solche Praktiken in der Kaukasusregion mehrfach kritisiert. Selbst wenn es sich um einen dort üblichen Brauch handele, seien derartige Praktiken nicht in jedem Fall mit dem deutschen Recht vereinbar, hieß es bei der Polizei.

dpa

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