Berufsverband warnt

Erhöhtes Krebsrisiko bei der Feuerwehr?

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Atemschutzmaske: „Nach dem Einsatz sollte die Kleidung vor Ort abgelegt werden", fordert der Verband.

Hannover - Der Berufsverband Feuerwehr in Niedersachsen warnt vor einem erhöhtem Krebsrisiko bei Brandbekämpfern. Feuerwehrleute seien gefährlichen Stoffen ausgesetzt, die über die Ausrüstung in die Wachen getragen werden. Der Verband fordert, Krebserkrankungen bei Feuerwehrleuten als Berufskrankheit anzuerkennen.

„Mehrere Studien belegen, dass es durch die Schadstoffe im Brandrauch zu einer erhöhten Gefahr der Erkrankung an Krebs kommt“, sagt Axel Traichel vom Berufsverband. So sei bei Lungen-, Schilddrüsen-, Blut-, Prostata- und Hodenkrebs ein unmittelbarer Zusammenhang mit der Tätigkeit im Einsatzdienst nachgewiesen. „Bei 14 weiteren Krebsarten wird ein Zusammenhang zwischen der Tätigkeit bei der Feuerwehr und einem erhöhten Risiko der Erkrankung vermutet“, sagt Traichel.

Obwohl die Einsatzkräfte der Freiwilligen und der Berufsfeuerwehr bei der Brandbekämpfung stets Atemschutzmasken tragen, gelangen die krebserregenden Schadstoffe aus dem Brandrauch beispielsweise über die Schutzkleidung und die Ausrüstung in die Wachen, so argumentiert der Verbandssprecher. Aus diesem Grund sollten so schnell wie möglich neue Standards im Umgang mit belasteter Kleidung gelten. „Nach dem Einsatz sollte die Kleidung vor Ort abgelegt, in staubdichte Verpackung gesteckt und außerhalb des Mannschaftsraums gelagert werden, um das Krebsrisiko zu vermindern“, sagt Axel Traichel.

Zudem fordert der Verbandssprecher die Anerkennung von Krebserkrankungen bei Feuerwehrleuten als Berufskrankheit. In Ländern wie Dänemark oder Kanada sei dies bereits der Fall. Konkrete Zahlen, wie viele Mitarbeiter der Feuerwehr an Krebs erkrankt sind, liegen für Hannover bislang nicht vor.

Der Berufsverband will das Thema „Erhöhtes Krebsrisiko bei der Feuerwehr“ auch auf der Interschutz, der Messe für Brand- und Katastrophenschutz im Juni auf dem Messegelände, zur Sprache bringen. Die Berufsfeuerwehr Hannover wollte sich nicht zu den Änderungsvorschlägen des Berufsverbandes äußern. „Unsere Einsatzkräfte sind im Umgang mit Schadstoffen und Kontaminationen ausgebildet und trainiert“, erklärte Feuerwehrsprecher Michael Hintz lediglich. Auch das Innenministerium wollte sich zu einem möglichen erhöhten Krebsrisiko für die Einsatzkräfte nicht äußern. In anderen Bundesländern ist die Diskussion um die mögliche Gefahr für die Einsatzkräfte schon weiter fortgeschritten.

In Hamburg und Schleswig-Holstein wird sogar über eine regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchung für die Brandbekämpfer gesprochen. Auch Schadstoffmessungen am Brandort und eine grundlegende Dokumentation eines jeden Einsatzes werden diskutiert. Axel Traichel vom Berufsverband Feuerwehr Niedersachsen würde sich wünschen, dass die zuständigen Stellen sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen würden. Zwar gebe es Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Schichtdienst und Schlafstörungen oder dem von Feuerwehreinsätzen und Herz-Kreislauf-Problemen bei den Einsatzkräften. „Nur an Krebs wagt sich niemand so recht ran“, sagt Traichel.

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