Fahndung in Niedersachsen

Erneut Straftäter aus Haft entflohen

Hannover - In Niedersachsen sind gleich zwei Straftäter aus dem Maßregelvollzug geflohen: Ein 20-Jähriger ist am Sonnabend im Kreis Nienburg geflohen. Zudem sucht die Polizei nach einem Drogenabhängigen, der bereits vor sechs Wochen im Kreis Rothenburg getürmt ist – seitdem soll er mehrere Raubüberfälle begangen haben.

Erneut sind in Niedersachsen zwei Straftäter aus dem Maßregelvollzug geflohen. Ein 20-Jähriger entwich am Sonnabend während eines begleiteten Ausgangs aus der Klinik Bad Rehburg (Kreis Nienburg). Bereits vor sechs Wochen ist ein 21-Jähriger während eines Hofgangs aus dem Maßregelvollzug in Zeven (Kreis Rotenburg/Wümme) geflohen, wie erst gestern bekannt wurde. Die Polizei schrieb ihn zur Öffentlichkeitsfahndung aus. Er steht im Verdacht, seit seiner Flucht am 14. September mehrere Raubüberfälle begangen zu haben. In diesem Jahr hatte bereits die Flucht von zwei Sicherungsverwahrten und einem Maßregelvollzugspatienten für Kritik der Opposition im Landtag gesorgt. Sozialministerin Rundt kündigte gestern gegenüber der HAZ eine Verschärfung des Sicherheitskonzeptes an.

Der 21-jährige stand im September 2013 wegen schweren Raubes vor Gericht und wurde wegen seines Drogenkonsums in den Maßregelvollzug eingewiesen. Am 14. September hatte er von 14 bis 15 Uhr Ausgang auf einem umzäunten Hof. Um 15.15 Uhr wurde sein Verschwinden festgestellt. Bis heute sind die Umstände der Flucht nicht geklärt. Die Polizei geht davon aus, dass er über den 4,80 Meter hohen und mit Stacheldraht bewehrten Zaun geklettert ist. Seine Flucht sei dem Sozialausschuss des Landtags am 25. September mitgeteilt worden, erklärte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Die Polizei habe sich aber gegen eine Information der Öffentlichkeit entschieden.

Mittlerweile steht er im Verdacht, an mehreren Tatorten in den Städten Achim, Bremen, Oldenburg und Wildeshausen, sowie den Landkreisen Nienburg, Oldenburg und Rotenburg/Wümme Spielotheken und Geschäfte überfallen zu haben. Allein in Oldenburg werden ihm vier Überfälle zugerechnet. Um ihn zu fassen hat die Polizei eine Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Auch der 20-jährige Straftäter, der am vergangenen Wochenende aus der Klinik in Bad Rehburg entwichen ist, hatte wegen räuberischer Erpressung vor Gericht gestanden und, war vom Richter wegen schwerer Alkoholprobleme in den Maßregelvollzug eingewiesen worden. Bei einem begleiteten Ausgang auf dem Parkgelände der Klinik war er seinem Betreuer davon gerannt. Die Mitglieder des Sozialausschusses wurden gestern Morgen über die Flucht des Mannes informiert.

„Ich finde die Häufung enorm“, sagte die FDP-Sozialpolitikerin Sylvia Bruns. Das Sicherheitskonzept im Maßregelvollzug müsse überdacht werden. „Mir werden die Sorgen der Bevölkerung nicht ernst genug genommen.“ Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) sagte gestern: „Es ist nicht hinnehmbar, dass solche Fälle vorkommen“. Um schnelle und wirksame Lösungen zu finden, arbeite eine Expertengruppe aus Justiz, Polizei und Sozialministerium bereits an weiteren Verschärfungen des Sicherheitskonzepts.

Zum Schutz der Allgemeinheit

ImMaßregelvollzug werden psychisch kranke oder suchtkranke Menschen untergebracht, die schwere Straftaten verübt haben. Weil sie aber nur als eingeschränkt oder gar nicht schuldfähig eingestuft wurden, kommen sie nach den Paragrafen 63 und 64 StGB nicht in ein Gefängnis, sondern in den Maßregelvollzug. Ziel der Unterbringung ist es zum einen, die Allgemeinheit zu schützen, und zum anderen, die Patienten zu heilen oder ihren Zustand so weit zu bessern, dass sie nicht mehr gefährlich sind.

Das Maßregelvollzugszentrum Niedersachsen gliedert sich in drei Kliniken. Diese Anstalten für forensische Psychiatrie und Psychotherapie befinden sich in Moringen, Bad Rehburg und Zeven-Brauel. Die drei Kliniken verfügen über 515 ausgewiesene Plätze. Moringen hält unter anderem zentrale Behandlungsangebote für Frauen, Jugendliche und Heranwachsende sowie Suchtmittelabhängige vor. Bad Rehburg ist für Niedersachsen die zentrale Einrichtung zur Behandlung von alkoholkranken Männern, die zu einer Therapie verurteilt wurden. Und in Brauel werden hauptsächlich von illegalen Drogen abhängige Frauen und Männer behandelt.

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