Trotz Ankündigung

Erneut Streik am Hamburger Flughafen

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„Ich frage mich, warum sich die Flughafengesellschaft nicht rechtzeitig darum gekümmert hat“, sagte ein Reisender auf dem Weg zur spanischen Insel Teneriffa.

Hamburg - Zehntausende Reisende haben am Donnerstag die Streiks des Sicherheitspersonals am Hamburger Flughafen zu spüren bekommen, jeder zweite Flug soll gestrichen werden. Auch am Flughafen in Düsseldorf streikt das Personal.

Die Beschäftigten folgten einem Aufruf der Gewerkschaft Verdi, um in den laufenden Tarifverhandlungen den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen.

Verdi fordert für die rund 600 Beschäftigten einen Stundenlohn von 14,50 Euro, die Arbeitgeber haben nach drei Verhandlungsrunden 12,45 Euro je Stunde angeboten. Am Donnerstag sollen 17.200 Fluggäste bei 179 Abflügen vom Hamburger Flughafen starten. Trotz der rechtzeitigen Ankündigung des Streiks sei die Aktion ein Erfolg, sagte Verdi-Sprecher Peter Bremme.

Nur wenige Sicherheitsschleusen hatten am Morgen geöffnet, davor bildeten sich lange Warteschlagen frustrierter Reisender. Die Gewerkschaft Verdi will in dem festgefahreren Tarifstreit ein neues Angebot der Arbeitgeber erzwingen.

2 von 20 Sicherheitsschleusen geöffnet

Der Ausstand hatte offiziell mit der Frühschicht um 4.00 Uhr begonnen und sollte den ganzen Tag dauern. Wegen des Nachtflugverbots an den beiden Flughäfen zeigten sich die ersten Auswirkungen erst gegen 6.00 Uhr. Die Fluggesellschaften annullierten in Düsseldorf 122 Abflüge und 67 Landungen. In Hamburg seien mehr als die Hälfte der 179 geplanten Abflüge gestrichen worden, sagte eine Flughafensprecherin am Morgen. Nur zwei von 20 Sicherheitsschleusen fertigten Reisende ab.„Es ist sehr voll in den Terminals. Die Wartezeit beträgt mehrere Stunden“, sagte die Sprecherin des Hamburger Airports. Eine Frau habe schon wegen einer Kreislaufschwäche behandelt werden müssen. An den wenigen geöffneten Kontrollstellen in Düsseldorf bildeten sich ebenfalls lange Schlangen.

Auch „der Bachelor“ muss am Flughafen Düsseldorf warten

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Verdi fordert bis zu 30 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten des privaten Sicherheitsgewerbes, auf Arbeitgeberseite verhandelt der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW). Sondierungsgespräche waren ergebnislos abgebrochen worden. Nach Gewerkschaftsangaben in NRW gehören 70 bis 80 Prozent der Beschäftigten zur untersten Lohngruppe mit einem Stundenlohn von 8,23 Euro. Für sie fordert Verdi eine Erhöhung auf 10,50 Euro.

Der erneute Streik sei ein Erfolg, bilanzierte der Hamburger Verdi-Sprecher Peter Bremme. Er erwarte ein neues Angebot der Arbeitgeber. Verdi und der BDSW verhandeln in Hamburg und in Nordrhein-Westfalen über die Lohnhöhe und in Berlin bundesweit über einen Manteltarifvertrag.

„Maßlos und unverhältnismäßig“

Arbeitgeber der Luftverkehrsbranche bezeichneten die Streiks als maßlos und unverhältnismäßig. „Es ist eine völlige Fehlentwicklung, dass eine Kleinstgruppe von Arbeitnehmern wichtige Lebensadern unseres Verkehrs- und Wirtschaftssystems völlig lahmlegt“, erklärte der Präsident des in dem Tarifstreit nicht direkt involvierten Arbeitgeberverbands Luftverkehr (AGVL) und Lufthansa-Personalvorstand, Stefan Lauer, am Donnerstag in Frankfurt.

Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, teilte in Berlin mit: „Die Proteste sprengen die Dimensionen eines Warnstreiks. Leidtragende der Arbeitsniederlegungen sind erneut Tausende von unbeteiligten Fluggästen und die Flughäfen, auf deren Rücken der Tarifkonflikt ausgetragen wird."“

Der Flughafen empfahl den Passagieren, engen Kontakt mit ihrer Fluggesellschaft zu halten. Eine Lufthansa-Sprecherin erklärte, die Passagiere sollten die aktuellen Informationen auf der Internet-Seite der Lufthansa im Auge behalten und wenn möglich auf die Bahn umsteigen. Der Streik des Hamburger Sicherheitspersonals am 18. Januar, der nicht zuvor angekündigt worden war, hatte chaotische Zustände zur Folge gehabt. Rund 12.000 Passagiere blieben am Boden. Im aktuellen Fall hatte Verdi den Streik einen Tag zuvor angekündigt und damit den Passagieren die Chance gegeben, sich rechtzeitig auf die Behinderungen einzustellen.

Hannover sei von dem Streik nicht betroffen, sagte eine Sprecherin des Flughafens auf Nachfragen der HAZ.

Weitere Streiks geplant

Auch diesen Freitag wird das Sicherheitspersonal am Hamburger Flughafen wegen des Tarifskonflikt streiken. Zudem wird das Sicherheitspersonal auf dem Flughhafen Köln-Bonn die Arbeit niederlegen.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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