Fall Reemtsma

Erpresser der Hells Angels ist Ex-Zuhälter

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Foto: Ein Ex-Zuhälter soll Mitglieder der Hells Angels erpresst haben.

Aachen - Die Spur zu dem Lösegeld aus der Entführung von Jan Philipp Reemtsma führt möglicherweise nach Hamburg. Denn bei dem 62-jährigen Mann, der mit seinem Wissen über den Verbleib der Millionensumme Mitglieder der Hells Angels erpresst haben soll, handelt es sich um eine ehemalige Rotlichtgröße von der Reeperbahn.

Horst R. war in den achtziger Jahren als Zuhälter auf dem Hamburger Kiez aktiv und in der Szene als „Bongo“ bekannt. Die Ermittler rechneten den heute 62-Jährigen der sogenannten „Nutella-Bande“ zu. Die Gruppe lieferte sich damals einen erbitterten Kampf mit einer anderen, älteren Zuhältergang um die Vorherrschaft auf St. Pauli. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Aachen will sich zur Person des festgenommenen 62-Jährigen nicht äußern. „Wir können nur bestätigen, dass der Verdächtige kein Mitglied der Hells Angels ist“, sagte ein Sprecher der Behörde.

Horst „Bongo“ R. war am vergangenen Mittwoch im Rahmen der Operation „Big Man“ von der Guardia Civil in einem Nobelviertel in Mallorcas Hauptstadt festgenommen worden. Er soll in Kürze an die deutschen Behörden überstellt und von den Ermittlern befragt werden. Dem 62-Jährigen wird gewerbsmäßige Erpressung vorgeworfen. Es bestehe der Verdacht, dass R. durch sein Wissen „seinen Lebensunterhalt mit den Erpressungen verdient“ habe. Zeitgleich wurde am Mittwoch auch die in Aachen lebende Schwester des Verdächtigen festgenommen. Ihre Rolle ist bislang unklar.

Ebenfalls unklar bleibt, welche Verbindungen zwischen R. und den Rockern der Hells Angels bestehen. Die Polizei vermutet seit Langem, dass Mitglieder der Höllenengel von der Frankfurter Ortsgruppe Westend zumindest einen Teil der Reemtsma-Millionen gewaschen haben könnten. Beweise für die Annahme haben sie bislang nicht auf den Tisch gelegt. Vor diesem Hintergrund erscheint es als zweifelhaft, dass sich ein derart einflussreiches Charter, wie das der Frankfurter Ableger der Hells Angels, von einem ehemaligen Zuhälter über Jahre Geld für dessen Schweigen abpressen lässt.

Der Millionenerbe Jan Phillip Reemtsma war im Frühjahr 1996 entführt worden. Viereinhalb Wochen später ließen die Täter den damals 43-Jährigen nach Zahlung einer Rekordsumme von damals 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken wieder frei. Von der Beute ist bis heute nur ein Bruchteil wieder aufgetaucht.

Tobias Morchner

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