Naturschutz

Erst bremst der Minister, dann die Eidechse

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- Waldeidechsen hätten den Ausbau eines Radwanderweges zwischen Leine- und Weserbergland fast zum Scheitern gebracht. Erst 20.000 Euro zusätzliche Investitionen retteten das Projekt, das davor schon manche Hürde zu überwinden hatte.

Vor drei Jahren war von der Eidechse noch keine Rede. Die Samtgemeinde Duingen (Landkreis Hildesheim) und der Flecken Salzhemmendorf (Landkreis Hameln-Pyrmont) hatten damals eine Idee: Sie wollten die alte Bahntrasse zwischen den Dörfern Weenzen und Thüste zum Radwanderweg umgestalten und damit eine Lücke zwischen Weser- und Leinebergland schließen. Man hoffte auf zusätzliche Tagestouristen.

Deshalb beschäftigten sich die Rathausmitarbeiter sogar mit dem Weltmarkt für Stahl. Und bekamen feuchte Hände: Der Preis lag so hoch, dass sie hofften, die Hälfte des Wegebaus über den Verkauf der alten Bahnschienen zu finanzieren. Die andere Hälfte sollte die EU bezahlen.

Der erste, der dazwischen grätschte, war – wenn auch ohne böse Absicht – Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies. Der startete im Vorjahr ein Programm, einige alte Bahnstrecken im Lande wiederzubeleben, um den Nahverkehr zu fördern. Auf der Kandidatenliste stand auch die Verbindung von Duingen nach Voldagsen, auf der 1966 der letzte Personenzug gerollt war. Auf dieser Strecke liegt auch der besagte Abschnitt Weenzen – Thüste. Und während andere Kommunen mit alten Bahnstrecken jubelten, schlug man in Duingen die Hände überm Kopf zusammen: Der Wanderweg war bedroht.

Entsprechend groß war die Erleichterung, als die Bahnstrecke bereits in der ersten Bewertungsrunde rausflog, versehen mit dem Stempel: Wiederinbetriebnahme sinnlos.

Doch da folgte schon das nächste Problem. So toll ließen sich die Schienen doch nicht versilbern, statt der Hälfte würde der Erlös nur rund ein Zwölftel der Wanderwegkosten von 119 000 Euro decken. Immerhin sagte das Land 48 000 Euro aus dem Tourismusprogramm zu, den Rest mussten allerdings Duingen und Salzhemmendorf selbst berappen. Die Räte nickten die fünfstelligen Summen ab. Das war ihnen die Sache wert. Bis Ende Juni sollte alles fertig sein.

Doch nun funkte statt eines Ministers ein Reptil dazwischen. Im März nämlich wies der Landkreis Hildesheim die Duinger darauf hin, sie müssten die Trasse auf Reptilien überprüfen. Und siehe da: Fachleute entdeckten

21 Wald­eidechsen an der alten Bahntrasse. Sie waren nicht schwer zu finden. Die Tiere machen es sich nämlich sehr gern auf Schotter gemütlich. Vor allem, wenn die Sonne scheint. Der Landkreis reagierte mit einer Auflage: Etwa 30 Steinhaufen müssen an dem knapp drei Kilometer langen neuen Wanderweg aufgeschüttet werden, „in vorgegebener Gesteinskörnung“, wie Duingens Samt­gemeindebürgermeister Wolfgang Schulz staunend anmerkt. Darunter müssen Rohre liegen. Dorthin können sich die Echsen bei Regen oder bei Gefahr zurückziehen.

Der Radweg ist so noch einmal um 20.000 Euro teurer geworden. Am 10. Oktober soll er nun endlich offiziell eröffnet werden.

Tarek Abu Ajamieh

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