Rechtsstreit

„Erwachsenen-Hotels“: Müssen Kinder draußen bleiben?

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In diesem Hotel ist der Aufenthalt von Kindern unter 16 Jahren nicht mehr erlaubt.

Hannover - Doch darf ein Reiseveranstalter einer Familie verbieten, ihren Urlaub in einem Erwachsenen-Hotel zu verbringen? Diese spannende Frage wurde am Dienstag vor der 6.Zivilkammer des Landgerichts Hannover verhandelt. Michael Falke, von Beruf Rechtsanwalt, spricht von Diskriminierung und fordert von „Schauinsland“ 6000Euro Schmerzensgeld.

Wunderschön war der Urlaub, den Janine und Michael Falke aus Garbsen 2011 im Hotel Luabay Galatzo auf Mallorca verbrachten, gemeinsam mit ihrem fünfjährigen Sohn Leon. In diesem Sommer wollten sie sich über den Reiseveranstalter „Schauinsland“ wieder in dem Vier-Sterne-Haus einbuchen – doch sie scheiterten. Das Hotel hat einen neuen Besitzer, der ein anderes Konzept verfolgt: Der Aufenthalt von Kindern unter 16Jahren ist nun laut Katalog nicht mehr erlaubt.

„Man ist offenbar nicht mehr gesellschaftsfähig, wenn man Kinder hat“, klagt Falke. Immerhin stehe im Grundgesetz, dass die Familie unter dem besonderen Schutz des Staates stehe. Durch das Verbot, in einem Hotel seiner Wahl Urlaub zu machen, sehe er sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt, auch verstoße dies gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Das Schmerzensgeld wolle er im Übrigen der Kinderkrebshilfe spenden; es gehe ihm nicht um das Geld, sondern ums Prinzip.

Für „Schauinsland“ und seinen Rechtsanwalt Harald Rutert ist es das gute Recht eines Hoteliers, sein Objekt jeder Zielgruppe seiner Wahl anzubieten. Der Duisburger Reiseanbieter habe rund 3500Hotels im Programm; in den meisten seien Familien ausdrücklich erwünscht, aber es gebe eben auch spezielle Angebote, etwa für homosexuelle Paare auf den Kanaren. „Letztlich kann im Reisesektor jeder mit jedem einen Vertrag schließen“, sagt Rutert. Es sei legitim, wenn etwa Erzieher, die ständig mit Kindern zu tun hätten, ein paar Tage ohne „Remmidemmi“ ausspannen wollten, es sei verständlich, wenn es für gestresste Menschen Chill­out-Unterkünfte gebe. Hier Kinder auszuschließen sei keine Diskriminierung. Und schließlich gebe es schon länger den Trend zu Erwachsenen-Hotels.

Ein Urteil wird erst im Januar gefällt. Doch Richterin Ute Weißenborn machte bereits deutlich, dass sie nicht viel von der Klage hält. Es sei legitim, dass ein Hotel ein auf Erwachsene zugeschnittenes Programm mit viel Ruhe und Wellness offeriere. Sie sei selbst Mutter und wisse, dass die Lebensäußerungen von Kindern immer mit einer gewissen Lautstärke verbunden seien: „Kinder freuen sich nicht leise und toben auch nicht leise.“

Michael Falke hat bereits angekündigt, Berufung einzulegen, sollte das Gericht seine Sicht der Dinge nicht teilen. Doch ob der Trend zu Erwachsenen-Hotels als frischer Beleg für die Kinderfeindlichkeit unserer Gesellschaft herhalten kann, erscheint doch eher zweifelhaft. Bei Reiseangeboten nur für Jugendliche, Senioren oder Frauen fühlt sich schließlich auch niemand diskriminiert, weil er nicht mitfahren darf oder soll.

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