Aktion gegen das Kupieren

18 Euro für jeden Schwanz

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Hannover - Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) setzt bei der Umsetzung des Tierschutzes in der Landwirtschaft auf Anreize durch Prämien. So will er Bauern belohnen, wenn sie darauf verzichten, Schweinen die Schwänze zu kürzen.

Angedacht ist nach Aussage des Ministeriums eine Belohnung von 16 bis 18 Euro pro Tier. Wenn die EU entsprechende Mittel freigibt, könnte die Förderung im kommenden Jahr beginnen.

Mit dem sogenannten Kupieren wollen Landwirte verhindern, dass sich die Tiere gegenseitig kannibalisieren. Vor allem unter engen Haltungsbedingungen kann es bei Schweinen vorkommen, dass sie die Schwänze ihrer Artgenossen anfressen. „Das kann zu Infektionen führen, die schwerwiegende Folgen bis hin zu einer Querschnittslähmung haben können“, sagt der Leiter der Klinik für kleine Klauentiere der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover, Karl-Heinz Waldmann. Um dies zu verhindern, wird das letzte Drittel des Schwanzes abgetrennt. Doch diese Praxis ist umstritten, in zahlreichen Forschungsprojekten wird nach Alternativen gesucht.

Finanziert wird das Vorhaben des Ministeriums mit EU-Mitteln. Der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums sieht im neuen Förderzeitraum von 2014 bis 2020 erstmals Geld für den Tierschutz vor. Das Agrarministerium will mit diesen 27,5 Millionen Euro Anreize schaffen, das Kupieren von Schweineschwänzen, aber auch das Stutzen von Schnäbeln bei Geflügel einzudämmen. Würden alle niedersächsischen Landwirte in den rund 7100 Schweinemastbetrieben des Landes für alle 8,7 Millionen Schweine die Prämie beantragen, ergäbe sich eine Summe von 139 bis 156 Millionen Euro.

„Diese Rechnung geht nicht auf“, sagt der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Klaus Jongebloed. „Wir müssen am Anfang erst einmal schauen, wer sich überhaupt bewirbt.“ Zudem könnten die Prämien erst dann ausgezahlt werden, wenn die EU endgültig über die Förderung entschieden hat, sagt Jongebloed weiter. „Wir rechnen damit, dass dies bis Ende des Jahres geschieht.“

Nach den jetzigen Plänen des Ministers sollen Landwirte schon dann Geld erhalten, wenn sie bei lediglich zwei Dritteln ihrer Schweine auf das Beschneiden der Schwänze verzichten. Bei der FDP stößt das auf Kritik. „Wer Prämien für 70 Prozent nicht kupierte Ferkelschwänze zahlen will, nimmt für die verbleibenden 30 Prozent der Ferkel stillschweigend schwerste tierquälerische Verletzungen in Kauf“, sagt der agrarpolitische Sprecher der FDP-Fraktion und Landwirt Hermann Grupe. Hunderte Tiere könnten schwer verletzt werden, „und der grüne Minister will das auch noch prämieren“.

Auch das Landvolk kann der Idee, die Prämien bereits bei zwei Dritteln nicht beschnittener Schweine auszuzahlen, nicht viel abgewinnen. „Entweder die Regelung gilt für alle Schweine oder für gar keins“, sagt Sprecherin Gabi von der Brelie. Sie hätte sich gewünscht, dass zunächst im Rahmen des Tierschutzplans nach gemeinsamen Lösungen gesucht werde, wie auf das Beschneiden der Schwänze verzichtet werden könne. „Die Prämie impliziert, dass Alternativen ganz einfach umzusetzen sind.“ Auch Heiko Janssen, Fachreferent für Schweinehaltung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, sieht momentan keine Alternative zum Beschneiden von Schweineschwänzen. „Solange wir noch keine anderen Varianten gefunden haben, ist das Kupieren die Lösung, mit der wir am ehesten umgehen können.“

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