Schneechaos und Kältetote

Europa ächzt unter neuem Wintereinbruch

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Auf der Autobahn M 7 kam es zu mehreren Massenkarambolagen.

Györ - Weite Teile Europas ächzen unter dem neuen Wintereinbruch. Besonders heftig traf es Ungarn, wo Tausende Autofahrer die Nacht über fest saßen – auch andere Länder im Osten sind betroffen. Ein Ende des Winterchaos ist dort nicht in Sicht.

Kurz vor dem Frühlingsanfang spielt das Wetter in vielen Teilen Europas verrückt. Vor allem im Osten legten am Freitag Schneestürme und Unwetter den Verkehr lahm und sorgten für ein Chaos auf den Straßen. Besonders heftig traf es Menschen in Ungarn, wo Tausende die Nacht über in endlosen Staus feststeckten. Andere schliefen in Notunterkünften. Mehrere Menschen wurden getötet, Dutzende verletzt.

Bei einem Unwetter in Bulgarien wurden ebenfalls mehrere Menschen verletzt, eine Frau kam ums Leben. In Kasachstan musste wegen starken Schneeregens die für Freitag geplante Rückkehr von drei Raumfahrern der Internationalen Raumstation ISS verschoben werden.

Über das Wetter fluchen aber auch die Menschen weiter im Süden: Auf der spanischen Ferieninsel Mallorca beispielsweise ist es ungewöhnlich kalt - in den Urlauberzentren am Meer war es am Freitagvormittag kaum wärmer als acht Grad. In den Bergen lag sogar Schnee. Die Türkei wurde unterdessen von schweren Regenstürmen getroffen, die Hausdächer abdeckten und Bäume umstürzten. An der Mittelmeerküste gab es hohe Wellen, in denen mehrere Fischerboote sanken.

Ein erneuter Wintereinbruch sorgte in Teilen Ungarns für chaotische Verkehrsverhältnisse. Tausende Menschen verbrachten die Nacht zum Freitag auf Straßen und Autobahnen in ihren Wagen. Schneeverwehungen, glatte Fahrbahnen, Unfälle und querstehende Lkws brachten vor allem auf den Autobahnen von Budapest nach Wien (M1) und in Richtung Zagreb (M7) den Verkehr zum Erliegen. Weitere 8000 Menschen verbrachten die Nacht in improvisierten Notunterkünften, teilte der Katastrophenschutz mit.

Verkehrsbehinderungen und Mega-Staus wurden vor allem aus der westlichen Landeshälfte, aber zum Teil auch aus dem Nordosten Ungarns gemeldet. Papa, eine westungarische Kleinstadt mit 32 000 Einwohnern, wurde von der Außenwelt abgeschnitten. Im Zugverkehr kam es wegen der Schneefälle zu stundenlangen Verspätungen. In Ostungarn blieben fast 60 000 Menschen ohne Strom, nachdem vom Wind umgeworfene Bäume die Überlandleitungen beschädigt hatten. Für Freitag, den ungarischen Nationalfeiertag, wurden alle staatlichen Feiern abgesagt.

In der Slowakei legte das extreme Winterwetter Teile des öffentlichen Lebens vor allem im Osten und Süden lahm, wie Medien berichteten. Stürme und Schneeverwehungen ließen den Autoverkehr in mehreren Bezirken zusammenbrechen und behinderten den Zugverkehr. Allein im Bezirk Komarno an der ungarischen Grenze wurden 300 aus ihren steckengebliebenen Autos befreite Menschen in Notlager einquartiert.

Bei einem Unwetter sind in Bulgarien mehrere Menschen verletzt worden, eine Frau kam ums Leben. Die 34-Jährige starb, als ein Baugerüst auf sie stürzte. Wie bulgarische Medien am Freitag berichteten, deckte der Wind Dächer ab und riss Bäume um. Zahlreiche Orte waren ohne Strom.

Der Winter hat vor allem den Westen der Ukraine fest im Griff. Aufgrund starker Schneefälle fiel in 64 Ortschaften der Strom aus. In der Großstadt Lwiw (Lemberg) herrschte Medien zufolge Winterchaos. Mehrere Straßenbahnen seien entgleist. In den Karpaten stecken nach Polizeiangaben 200 Lastwagen fest.

In Polen kam auf der A4 zwischen Tarnów und Brzesko ein Reisebus mit 55 israelischen Touristen bei Glatteis von der Straße ab und stürzte gegen die Autobahnbegrenzung, berichtete der Nachrichtensender „TVN24“. Die Reisenden blieben unverletzt, konnten sich aber wegen der blockierten Türen nicht selbst befreien. Nach vielen Unfällen verhängte die Verkehrspolizei zudem ein Fahrverbot für Lastwagen auf der sogenannten Zakopianka von Krakau nach Zakopane.

Die Berge der Serra de Tramuntana im Norden von Mallorca waren am Freitag von einer Schneeschicht bedeckt. In den Höhenlagen wurde nach Angaben des Wetteramts Aemet eine Temperatur von null Grad gemessen. In den Urlauberzentren am Meer war es in den Morgenstunden kaum wärmer als acht Grad. Die Behörden gaben für Mallorca und die anderen Inseln der Balearen Sturmwarnungen.

In Russland stieg die Zahl der Kältetoten in diesem Winter auf mehr als 300. An Erfrierungen oder Unterkühlung seien bisher 305 Menschen gestorben, meldete die Agentur Interfax am Freitag unter Berufung auf Ärzte. Insgesamt suchten seit Einbruch des Winters rund 7000 Menschen im größten Land der Erde medizinische Hilfe wegen der Kälte. Russische Medien berichten von den stärksten März-Schneefällen seit 50 Jahren. Die russische Hauptstadt Moskau rüste sich für einen Schneefall, wie es ihn seit 130 Jahren nicht mehr gegeben habe, schrieb die Boulevardzeitung „Komsomolskaja Prawda“ am Freitag. Das ganze Wochenende soll es schneien.

dpa

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