Christian Pfeiffer gibt Direktiorumsposten ab

Der ewige Missionar tritt ab – ein bisschen

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„Es ist mir eine Riesenfreude, Köpfe in Bewegung zu setzen“: Christian Pfeiffer.

Hannover - Nach fast 30 Jahren an der Spitze des Kriminologischen Forschungsinstitutes gibt Christian Pfeiffer das Amt ab und hat neue Pläne: Derzeit forscht er in den USA und mischt dort die Szene auf.

„Das ist doch etwas Wunderbares für mich und meinen Nachfolger, dass ich nicht da bin“, sagt Christian Pfeiffer - und lacht. Denn heute macht der hannoversche Jurist wahr, was im weiteren Umfeld manche kaum für möglich hielten: Er gibt tatsächlich seinen Posten als Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes (KFN) an den bisher in Kiel, künftig in Göttingen lehrenden Rechts- und Sozialpsychologen Thomas Bliesener ab.

Für die Amtsübergabe hat Pfeiffer einen fünfmonatigen USA-Aufenthalt kurz unterbrochen, denn derzeit mischt der Kriminologe mit Vorträgen und Befragungen gerade die nordamerikanische Szene auf. Er will dazu beitragen, dass auch Amerika die Prügelstrafe abschafft, wie viele europäische Länder zuvor. Denn ein wortgewaltiger Missionar wie er bleibt auch mit 71 Jahren immer auf Sendung. Und so ist es für seinen Nachfolger gewiss ein Segen, dass Pfeiffer zwar ein Zimmer im KFN behält, aber nächste Woche wieder in die Staaten reist, um seine Mission fortzusetzen.

Das KFN existiert seit 1979 und wurde einst gegründet, um die Ursachen der Kriminalität zu ergründen, über Präventionsprojekte nachzudenken, mögliche Gegenstrategien zu entwickeln - und das über Fachgrenzen hinweg. Mehr als 29 Jahre stand Christian Pfeiffer an der Spitze, nur unterbrochen durch seine drei Jahre als niedersächsischer Justizminister. Der Jurist lebt den Gedanken der Interdisziplinarität geradezu - er kann messerscharf argumentieren, polarisieren ebenso wie begeistern. Und das alles in allen Formaten, also absolut medientauglich. Weshalb Pfeiffer wohl der am meisten zitierte Kriminologe aus Hannover sein dürfte.

In den letzten Monaten hat er vom 33. Stock eines New Yorker Appartements auf das John Jay College blicken können, wo er eine Gastprofessur hat. Von hier aus plant der Kriminologe eine Kampagne zur gewaltfreien Erziehung, bei der amerikanische Freunde ihn um Hilfe gebeten haben. Der hannoversche Freund und Unternehmer Dirk Rossmann unterstützt großzügig, wie Pfeiffer erzählt, die US-Mission, sodass der Kriminologe auch vor amerikanischen Südstaaten-Studenten seine Thesen darlegen kann, die längst nicht so liberal ticken wie die Amerikaner an der Ostküste. „Der Süden ist geprägt von einer Kultur des Schlagens“, berichtet Pfeiffer und verweist auf riesige regionale Unterschiede in der Akzeptanz der Prügelstrafe in den USA. Immerhin hielten 70 Prozent der Amerikaner es für richtig, ihre Kinder „mit ein paar guten, harten Schlägen zu disziplinieren“. Und je jünger die befragten Amerikaner seien, desto resoluter gäben sie sich.

Natürlich, schränkt Pfeiffer ein, rechne er nicht mit schnellen Erfolgen der Kampagne. Aber einen Anstoß könne man schon setzen - wie in Deutschland etwa zum Gewaltschutzgesetz vor dreizehn Jahren oder bei der Frage der Vergewaltigung in der Ehe. Oder bei der Abschaffung des elterlichen Züchtigungsrechtes in Deutschland vor fünfzehn Jahren. „Es ist mir eine Riesenfreude, Köpfe in Bewegung zu bringen“, sagt Christian Pfeiffer. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

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