Organspende

Experten fordern neue Regeln für Organvergabe

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In Deutschland warten etwa 10.700 Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan.

München/Berlin - Das Vertrauen in die Organspende ist seit dem Skandal vor zwei Jahren erschüttert. Ein neuer Manipulations-Verdacht in Berlin löst eine Debatte über die bisherige Praxis der Organ-Vergabe aus.

Angesichts des neuen Organspende-Skandals am Deutschen Herzzentrum in Berlin fordern Experten neue Regeln und schärfere Kontrollen. Ein Mitglied des Ethikrats verwies am Samstag jedoch auch auf bereits erreichte Fortschritte.

Berlins Ärztekammerpräsident Günther Jonitz verlangte neue Kriterien für die Vergabe von Spenderorganen. "Derzeit erhalten vor allem jene Patienten ein neues Organ, die besonders krank sind. In Zukunft sollte die voraussichtliche Lebenserwartung eine größere Rolle spielen", sagte Jonitz dem Nachrichtenmagazin "Focus". Zwei Jahre nach dem Organspende-Skandal in Deutschland könnten die neuen Vorwürfe das Vertrauen in das System weiter beschädigen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Totschlags gegen das Herzzentrum in Berlin. Es bestehe der Verdacht, dass Wartelisten für Herztransplantationen manipuliert wurden, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Martin Steltner der Nachrichtenagentur dpa am Freitag.

Ermittelt werde, ob Patienten auf der Liste bevorzugt wurden, während andere nach hinten rutschten und damit in Lebensgefahr gerieten. Geprüft werde auch, ob Patienten wegen möglicher Manipulationen starben.

10.700 Menschen warten in Deutschland auf Spenderorgan

Transplantationsmediziner und Ethikratsmitglied Eckhard Nagel sagte in einem dpa-Gespräch, man müsse differenzieren zwischen dem, was in Berlin zwischen 2010 und 2012 passiert sein soll und der aktuellen Situation. „So sehr ich schockiert bin über die Meldung, so sehr gehe ich davon aus, dass dies heute nicht mehr möglich wäre“, sagte der Professor und ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Essen.

Es habe sich viel getan im Bereich der Transplantationszentren. Es seien Transplantationskonferenzen eingeführt worden sowie das Sechs-Augen-Prinzip zur Prüfung aller Daten bei der Anmeldung für die Warteliste.

Eugen Brysch, der Vorsitzende der Stiftung Patientenschutz, hatte dem Herzzentrum vorgeworfen, bereits seit Monaten von den Vorwürfen gewusst zu haben. Er forderte, in die nach dem Organspende-Skandal von 2012 eingesetzte Kommission auch staatliche Vertreter zu entsenden. Zudem schlug er vor, die Überwachung und Prüfung der Vergaben an das Robert-Koch-Institut zu übertragen.

In Deutschland warten etwa 10.700 Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Schwerstkranke Patienten werden nach strengen Kriterien in einer bundesweiten Dringlichkeitsliste geführt. Dies soll sicherstellen, dass gespendete Organe nur nach medizinischer Notwendigkeit vergeben werden.

Mit 2013 nur noch 876 Organspendern nach 1046 im Jahr 2012 und 1200 im Jahr davor sank die Zahl auf einen historischen Tiefstand. In diesem Jahr setzte sich diese Tendenz fort: Von Januar bis Juli gab es 513 Spender (Vergleichszeitraum 2013: 548).

dpa

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