Wegen Erdgasförderung

Experten fürchten Erdbeben in Niedersachsen

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Hannover - In Niedersachsen muss in Zukunft immer wieder mit kleinen Erdbeben wie 2012 im Kreis Verden gerechnet werden. Das ist nach Informationen der HAZ das Ergebnis einer Untersuchung des niedersächsischen Erdbebendienstes im Landesbergamt. Die Untersuchung soll am kommenden Montag vorgestellt werden.

Am 22. November 2012 hatte es am Rande des Erdgasfeldes Völkersen bei Langwedel ein Beben der Stärke 2,9 auf der Richterskala gegeben. Bereits im vergangenen Dezember waren die Experten der Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe (BGR) zu dem vorläufigen Ergebnis gekommen, dass ein Zusammenhang zwischen Gasbohrung und Beben „wahrscheinlich“ sei. Diese Einschätzung wird nun bestätigt.

Weiteres Ergebnis der Untersuchung: Es wird auch in Zukunft mit Erdbeben in Niedersachsen zu rechnen sein. Zwar sei die Erdbebenvorhersage nach dem Stand der Wissenschaft nicht möglich, erklärte ein BGR-Sprecher am Donnerstag am Anfrage. „Gleichwohl sind weitere Ereignisse nicht auszuschließen.“ Das bedeutet im Klartext: Wo in Niedersachsen Erdgas und Erdöl gefördert wird, kann die Erde beben.

Der Erdstoß vom 22. November 2012 war der vorerst letzte einer ganzen Reihe von Beben in Fördergebieten. Es war bereits das zweite Beben in Langwedel in nur eineinhalb Jahren. Zeugen berichteten, wie Häuser und Wände wackelten und die Fenster vibrierten. Das Epizentrum des Bebens lag laut BGR am Rande des Erdgasfeldes Völkersen. Dort fördert der Energiekonzern RWE Dea Erdgas. Zuvor war dort schon im Mai 2011 ein Beben der Stärke 2,5 auf der Richterskala registriert worden. Auch im benachbarten Visselhövede im Kreis Rotenburg/Wümme hat sich im Jahr 2011 die Erde mit einer Stärke von 3,0 bewegt – ebenfalls am Rande eines Erdgasfeldes.

Ein Zusammenhang von Förderaktivität und Erdbeben könnte für angemeldete Schadensersatzforderungen von Hauseigentümern in Langwedel relevant werden. 108 Anwohner haben nach Auskunft von RWE Dea Schäden an ihrem Eigentum angemeldet. Darüber hinaus wollte sich das Unternehmen nicht äußern. „Wir wollen der Diskussion am Montag nicht vorgreifen“, erklärte ein Sprecher.

Eine Klarstellung des Bergschadensrechts forderte am Donnerstag der Verdener Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt. „Ich erwarte, dass umgehend die durch das Erdbeben aufgetretenen Schäden instand gesetzt werden und vom Verursacher bezahlt werden“, sagte der CDU-Politiker außerdem. Der Bürgermeister des Fleckens Langwedel, Andreas Brandt (SPD), erklärte: „Die Bürger erwarten, dass die Schäden reguliert werden, ganz klar.“

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