Fracking

Exxon will wieder Chemie in den Boden pressen

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„Wir müssen uns an geltendes Recht halten“: Das Land hat kaum Möglichkeiten, Fracking-Vorhaben wie in Bötersen zu verhindern.

Hannover - Das informelle Moratorium zwischen Land und Unternehmen zum Fracking hat nur etwa zwei Jahre gehlten: Der amerikanische Energiekonzern Exxon Mobil macht jetzt Ernst und will in Niedersachsen wieder ein Erdgasfeld mithilfe der umstrittenen Technologie ausbeuten.

„Wir sind derzeit dabei, die Antragsunterlagen vorzubereiten“, sagte eine Unternehmenssprecherin der HAZ. In Bötersen im Landkreis Rotenburg (Wümme) soll für weitere 15 Jahre Erdgas fließen – das geht aber nur, wenn die in Stein eingeschlossenen Vorkommen mitteils Fracking aufgebrochen werden. Dazu wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Untergrund gepresst. In porösem Gestein eingeschlossene Gasvorkommen sollen dadurch erreichbar werden. Das hat es in Niedersachsen seit Mitte 2011 nicht mehr gegeben. Bereits damals hat Exxon die Vorbereitungen für den geplanten Frack in Bötersen getroffen und 4800 Meter tief gebohrt.

Es ist kein neues Vorhaben. Exxon fördert in Bötersen bereits seit den achtziger Jahren Erdgas. Zuletzt hat allerdings der natürliche Gasdruck in der Lagerstätte nachgelassen, sodass der Energiekonzern nun zum Fracking greifen will. „Wir müssen mithilfe des Verfahrens neue Fließwege für das Gas schaffen“, erklärte die Unternehmenssprecherin.

Bürgerinitiativen vor Ort sorgen sich vor allem um das Grundwasser. Dem will der Konzern begegnen, indem er ein „umfassendes Grundwasser-Monitoring“ verspricht. Außerdem deutet Exxon an, sich auf eine Bürgerbeteiligung im Genehmigungsverfahren einzulassen. Darauf pochen kann das Landesbergamt als Genehmigungsbehörde allerdings nicht: Das Bergrecht sieht die Umweltverträglichkeitsprüfung nicht vor – eine Initiative zur Verschärfung des Gesetzes war an Uneinigkeit von Schwarz-Gelb im Bund gescheitert.

Im Wirtschaftsministerium in Hannover sieht man das Vorhaben daher mit gemischten Gefühlen. „Das Problem ist, dass im vergangenen Jahr die Bürgerbeteiligung nicht wie geplant in das Bergrecht aufgenommen wurde“, sagte ein Sprecher von Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Das Landesbergamt müsse also auf Basis des alten Bergrechts entscheiden – und wird um eine Zustimmung zum Vorhaben von Exxon wohl kaum herumkommen. „Wir müssen uns an geltendes Recht halten“, erklärte Lies’ Sprecher. „Aber das Land will und fordert die Umweltverträglichkeitsprüfung mit einer konsequenten Öffentlichkeitsbeteiligung.“

Der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung hebt derweil die Bedeutung des Frackings für die Energieversorgung hervor. Die deutsche Produktion von Erdgas – das fast ausschließlich in Niedersachsen gewonnen wird – sei im vergangenen Jahr um zehn Prozent zurückgegangen, erklärte ein Sprecher des Verbands. Das liege daran, dass seit zwei Jahren keine Genehmigungen mehr erteilt worden sind – es wurden allerdings auch keine beantragt, zu heftig war die Debatte um die Risiken.

Ein Drittel des hier geförderten Erdgases stammt nach Angaben des Verbandes aus gefrackten Bohrungen. Etwa 4,1 Milliarden Kubikmeter Gas könnten aus solchen Lagerstätten gefördert werden. „Damit lassen sich 2,5 Millionen Haushalte versorgen“, so der Verbandssprecher. Und das Land, erklärt er, profitiere zumindest finanziell, sollte das Fracking in Niedersachsen eine Zukunft haben: Allein im vergangenen Jahr habe es 800 Millionen Euro Förderabgabe kassiert.

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