Verstößen gegen die Fahr- und Lenkzeiten

Fernbus-Fahrer berichten von Manipulationen

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Foto: Läuft alles nach Vorschrift? Fernbusse am ZOB in Hannover.

Hannover - In der hart umkämpften Fernbusbranche wird offenbar regelmäßig gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen. Fahrer aus Niedersachsen berichten von schweren Verstößen gegen die Fahr- und Lenkzeiten sowie von Manipulationen an Fahrtenschreibern.

Experten, Gewerkschaften und Politiker fordern Konsequenzen. „Es kann nicht sein, dass verantwortungslose Unternehmer mit dem Leben der Fahrgäste und der Fahrer spielen“, sagte Christine Behle vom Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di dieser Zeitung. Ihre Gewerkschaft setze sich für ein Qualitätssiegel bei Fernbussen ein, damit auch die Fahrgäste erkennen können, welche Unternehmen sich an die Lenk- und Ruhezeiten halten.

Die Polizeidirektion Hannover hatte bei diversen Kontrollen erhebliche Verstöße gegen die Fahr- und Lenkzeiten beanstandet. Im Mai waren 21 Busse überprüft und dabei 31 Verstöße festgestellt worden, im März waren sogar 104 Verstöße in 14 Bussen geahndet worden. Die Polizei hält sich bei ihren Kontrollen an die elektronischen Fahrerkarten, die die Daten der vergangenen 28 Tage speichern. Deshalb könne ein Fahrer bei einer Kontrolle auf mehrere Delikte kommen, sagte ein Polizeisprecher.

Busfahrer gaben jetzt gegenüber dem NDR an, sie seien von ihren Vorgesetzten dazu aufgefordert worden, die Fahrerkarte vorzeitig aus dem Fahrtenschreiber zu nehmen. Damit solle verhindert werden, dass die Überschreitung von Lenkzeiten und Unterschreitung von Ruhezeiten dokumentiert werden. Beschwerden darüber seien von den Vorgesetzten ignoriert oder mit Kündigungsdrohungen und Mobbing beantwortet worden. Aufgrund der Arbeitszeiten kämpfen einige Busfahrer mit gefährlichen Ermüdungserscheinungen. „Es gab Momente, da hat man alles doppelt gesehen. Man war nicht sicher, ob man über Grün gefahren ist oder über Rot“, schilderte ein betroffener Busfahrer gestern Abend in der NDR-Sendung „Hallo Niedersachsen“.

Als Konsequenz aus den bekannt gewordenen Mängeln forderte SPD-Vize Ralf Stegner mehr Kontrollen. „Wer mit Fernbusverbindungen viel Geld verdient, muss auch die Arbeitskräfte gut behandeln“, sagte Stegner der HAZ. „Wir brauchen bessere Kontrollen“. Da sei auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gefragt. ver.di-Vertreterin Christine Behle sagte: „Die Schichtzeiten im Fernbusgewerbe müssen deutlich reduziert, die täglichen und wöchentlichen Ruhezeiten dagegen spürbar verlängert werden.“ Das Unternehmen MeinFernbus, Marktführer in dem Bereich, verwies darauf, dass Partnerunternehmen zur Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet seien. Bei eigenen Kontrollen seien nur sehr wenige Verstöße festgestellt worden. Die Polizeidirektion Hannover kontrolliert Busfahrer regelmäßig: zum Teil am Zentralen Omnibusbahnhof in Hannovers City, zum Teil aber auch auf den Autobahnen.

Wie sind Ihre Erfahrungen?

Sind Sie schon einmal mit einem Fernbus gefahren? Haben Sie dabei von Problemen wie übermüdeten Fahrern oder Ähnlichem mitbekommen oder lief alles glatt? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit. Schreiben Sie dazu einen Kommentar unter diesem Artikel oder schicken Sie eine E-Mail an online@haz.de

Von Frank Lindscheid und Kristian Teetz

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