Bildungspolitik

Finanzspritze für Privatschulen in Niedersachsen

+
Foto: Für die Kinder am Privatgymnasium Lüneburger Heide in Melbeck ist der Schulbesuch durch das Turbo-Abi teuer geworden.

Hannover - Das Turbo-Abitur verursacht Mehrkosten, da nun mehr Unterricht in der Unterstufe nötig ist. Die Personalkosten steigen, auch an Privatschulen.

Die Verkürzung des Abiturs kommt für die freien Schulen in Niedersachsen teuer. Wenn Schüler jetzt nach zwölf anstatt nach 13 Jahren die Abschlussprüfung ablegen, „bedeutet das mehr Unterricht in den unteren Jahrgängen“, sagt Heike Thies, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Freie Schulen Niedersachsen. Mehr Unterricht heiße mehr Lehrerstunden, die bezahlt werden müssten. Weil das Land die Finanzhilfe für die rund 170 privaten allgemeinbildenden Schulen aber nicht rechtzeitig aufgestockt habe, hätten die das Schulgeld erhöhen müssen.

So wie das Gymnasium Lüneburger Heide in Melbeck bei Lüneburg. Direktor Peter Kubasch sagt, man habe die Schulgebühren moderat erhöht für die Eltern der rund 300 Schüler. Das Turbo-Abitur bedeute Mehrkosten zwischen 50 000 und 80 000 Euro. Durch Rücklagen und entsprechende Vorbereitung habe man das aber recht gut auffangen können.

Andere Schulen stünden viel schlechter da, sagt Thies. Sie hätten Kredite aufnehmen müssen, um das verkürzte Abitur finanzieren zu können, und kämpften jetzt um ihre Existenz. Es könne nicht sein, dass die freien Schulen zum Sparschwein des Landes sagt Thies.

Zwei Jahrgänge mussten das Turbo-Abitur durchziehen, ohne dass es von der Regierung mehr Geld für die freien Schulen gab. Jetzt hat Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) reagiert. Gestern ließ er mitteilen, dass die Finanzhilfe rückwirkend zum 1. August 2012 aufgestockt werde. Um welche Summe genau, ist unklar. Das müsse angesichts der zurückgehenden Schülerzahlen noch berechnet werden, sagte eine Ministeriumssprecherin. So werden die Privatschulen vermutlich auf ihren Kosten für das Schuljahr 2011/12 sitzenbleiben. Niedersachsen unterstützt die rund 300 allgemein- und berufsbildenden Schulen in freier Trägerschaft im Jahr 2012 mit rund 290 Millionen Euro, 2013 werden es rund 294 Millionen Euro seien – das sind rund 56 Millionen Euro mehr als noch 2008.

Rund 5,8 Prozent der Schüler in Niedersachsen gehen auf eine Privatschule. Dazu gehören Waldorfschulen genauso wie reformpädagogische oder konfessionelle Schulen. Deutschlandweit liegt der Anteil der Privatschüler bei 8,2 Prozent.

Die Grünen hatten Althusmann vor der Entscheidung vorgeworfen, die freien Schulen seit Jahren hängen zu lassen. Schulexpertin Ina Korter bemängelte, dass die Schulen in freier Trägerschaft bereits seit 2007 auf eine Anpassung der Finanzhilfe gedrängt haben. Das Ministerium habe aber dieses Thema geflissentlich ignoriert.

Die CDU bezeichnete die Kritik der Grünen gestern als deplatziert. „Es ist geradezu lächerlich, dass den Grünen auf einmal das Wohl der freien Schulen am Herz liegt, wo sie doch alles daransetzen, das differenzierte Schulsystem in Niedersachsen durch eine Einheitsschule abzuschaffen“, meint der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Klare.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare