Rollenspiel

Finstere Gesellen kämpfen in Mythodea

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Brokeloh - Mehr als 8000 Teilnehmer aus aller Welt marschieren derzeit als Untote und Heerscharen von Kriegern beim Live-Rollenspiel „ConQuest of Mythodea“ auf dem Rittergut Brokeloh (Kreis Nienburg) auf und verwandelt es in eine Fantasiewelt.

Schlachtrufe hallen über das Gelände, finstere Gestalten und furchterregende Krieger mit Schwertern kämpfen gegeneinander: Auf dem Rittergut Brokeloh bei Nienburg in Niedersachsen hat das Fantasie-Live-Rollenspiel "ConQuest of Mythodea" begonnen. Mehr als 8000 Teilnehmer aus aller Welt erwecken den geheimnisvollen Kontinent Mythodea zum Leben.

Dabei gilt es, bis zum Wochenende Rätsel und Abenteuer mit Kopf, Kampf und Geschick zu lösen. Mehr als 120 Tonnen Kulissen und mittelalterliches Equipment baute der Veranstalter Live Adventure Event auf dem etwa 60 Hektar großen Areal auf. Es entstand eine Stadt mit Händlern und Tavernen, einem Supermarkt und einer Kinderbetreuung.

Nach Angaben der Veranstalter ist das ConQuest weltweit das größte interaktive Festival dieser Art. Es orientiert sich an Romanen und Filmen wie "Herr der Ringe", "Harry Potter" oder "Die Chroniken von Narnia". In dem Fantasy-Rollenspiel haben sich mehrere Armeen verbündet und wollen sich Energie aus Mythodea holen.

Die Gruppen tragen klangvolle Namen wie "Schwarzes Eis" oder "Untotes Fleisch". Verbissen kämpfen sie um den Zugang zur Energiequelle, Pfeile sausen durch die Luft. Wer aus Spiel verletzt wird, schleppt sich stöhnend vom Schachtfeld oder wird gleich verbunden und versorgt.

Blutüberströmt läuft Anila durch das Lager, über Gesicht, Hände und Schürze rinnt rote Flüssigkeit. Die junge Frau flickt ihre Mitstreiter wieder zusammen, näht ihnen nach Kämpfen Arme und Beine an. "Je blutiger, desto besser", sagt Anila, die im wirklichen Leben in einer psychologischen Beratungsstelle in Osnabrück arbeitet. In der Meuchelgasse, die sich in der Stadt "Tross" befindet, ist David mit seinen Freunden unterwegs: als Späher, Informationsjäger und Beseitiger für alles - Menschen und Gegenstände. "Wir sind das niedere Fußvolk und spionieren alles aus, bevor die Armee ausrückt", sagt der junge Mann aus Moers. Der biologisch-technische Assistent und seine Kumpels sind seit vielen Jahren beim ConQuest dabei.

Noch nicht soviel zu tun an diesem Morgen hat Fuselfix, der im Söldnerviertel die Piratenkaschemme betreibt. In der schmierigen Taverne verkauft er "Orkbrühe", die beliebte "Hexenpisse" frisch abgezapft oder "pürierten Hobbit" - natürlich ohne Haare, wie Hans-Jürgen alias Fuselfix glaubhaft versichert. In der Stadt haben viele Handwerker und Händler ihre Zelte aufgeschlagen. In diesem Jahr gibt es ein neues Setting, erklärt Fabian Geuß vom Veranstalter Live Adventure Event: Die Spieler dringen auf dem Kontinent Mythodea nun in die Welt der Bösen ein, um diese zu besiegen.

dpa

Live-Rollenspiele

Für ein paar Tage Krieger oder Elfe sein

Ritter, Elfen, Krieger, Bauernmägde: Teilnehmer von Live-Rollenspielen verkörpern verschiedene Figuren. Sie kommen mit teils aufwendigen Kostümen für ein paar Tage an einem bestimmten Ort zusammen, etwa auf Burgen oder an Industrieanlagen. Diese sind Schauplätze von zuvor ausgedachten Geschichten, die im Mittelalter oder in einer Fantasywelt spielen können.

Dabei schlüpfen die Teilnehmer in unterschiedliche Rollen einer Rahmenhandlung. Sie lösen Rätsel, üben sich im Minnesang oder kämpfen mit möglichst echt aussehenden, aber ungefährlichen Waffen. Die Teilnehmer sollten nicht passiv am Rande des Geschehens zuschauen, sondern das Abenteuer gestalten, wie die Veranstalter des Rollenspiel-Festivals "Conquest of Mythodea" erklären.

"Mittlerweile gibt es allein in Deutschland jährlich mehr als 600 öffentlich ausgeschriebene Veranstaltungen mit Teilnehmerzahlen zwischen unter 20 und über 7000 Spielern", teilte der Deutsche Liverollenspiel-Verband auf seiner Internetseite mit. Der Verband schätzt die Zahl aktiver Spieler auf bis zu 40.000 - zu finden seien sie in allen Alters- und Gesellschaftsgruppen. Das "Larp" ("Live Action Role Play") hat oft Festivalcharakter, wird den Angaben zufolge seit über 20 Jahren in Deutschland betrieben - und hat Eingang in den Film gefunden: Die Dokumentation "Wochenendkrieger" (2013) begleitet Teilnehmer eines Rollenspiels.

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