Havarierter Frachter

„Flaminia“-Entsorgung kann noch Monate dauern

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Der schwer beschädigte Containerfrachter MSC "Flaminia" traf am Sonntag vor dem JadeWeserPort in Wilhelmshaven ein.

Wilhelmshaven - Die Reinigung des havarierten Containerfrachters „Flaminia“ in Wilhelmshaven kann nach Einschätzung von Bergungsexperten noch viele Wochen dauern. Mindestens ein bis zwei Monate müssten dafür eingerechnet werden.

Von den Gefahrgut-Containern auf dem havarierten Frachtschiff „Flaminia“ geht nach erster Einschätzung von deutschen Sicherheitsexperten keine akute Bedrohung der Umwelt aus. Die Bergung werde aber langwierig, hieß es am Montag vom Havariekommando einen Tag nach Ankunft des Schiffes in Wilhelmshaven.

Die Havarieexperten haben nach eigenen Angaben zwar Originaldokumente über die Ladung, dürfen diese Liste jedoch nicht ohne Zustimmung des Reeders NSB aus Buxtehude veröffentlichen. Somit ist nicht hunterprozentig klar, was in den insgesamt 151 Gefahrgut-Containern alles gelagert ist. Das stark beschädigte Schiff erreichte am Sonntagabend nach wochenlanger Irrfahrt Wilhelmshaven.

Die Entsorgung der Ladung wird nach Einschätzung von Bergungsexperten noch viele Wochen dauern. Das Havariekommando rechnet mit bis zu zwei Monaten, sagte Leiter Hans-Werner Monsees. Auch 20 000 Tonnen verseuchtes Löschwasser müssen von Bord geholt werden.

„Es tritt aus diesem Schiff nichts aus. Das war auch Voraussetzung für die Fahrt durch deutsche Gewässer, um die Bevölkerung und das Wattenmeer zu schützen“, sagte Monsees. Bedenken von Anliegern und Umweltschützern seien unbegründet: „Hier tritt keine Giftgaswolke aus. Unsere Mitarbeiter waren sogar ohne Atemschutz an Bord.“ Auf dem Schiff sehe es aus wie auf einer Großbrandstelle.

Spezialisten arbeiteten derzeit an einem Entsorgungskonzept, bei dem die Sicherheit für Menschen und Umwelt an oberster Stelle steht. Die Experten nehmen Proben der Ladung, prüfen die Container und untersuchen die Brandursache. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft wird auch nach einem vermissten Seemann gesucht, der sich noch an Bord befinden könnte.

Mitte Juli war auf der „Flaminia“ im Atlantik ein Feuer ausgebrochen, dabei kam ein Seemann ums Leben. Da Großbritannien und Frankreich keinen Hafen anboten, bot die Bundesregierung einen Liegeplatz in dem noch nicht ganz fertiggestellten neuen JadeWeserPort an, dem ersten deutschen Tiefwasserhafen, der in anderthalb Wochen in Wilhelmshaven eröffnet werden soll.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner und Wirtschaftsminister Jörg Bode (beide FDP) zeigten sich am Montag erleichtert. „Die wochenlange Irrfahrt ist hier im sicheren Hafen zu Ende, der Irrsinn auf See war aber nicht hinzunehmen“, sagte Birkner. Der Vorgang müsse aufgearbeitet werden.

Bode will bei der nächsten Konferenz der Küstenverkehrsminister diskutieren, ob die zuständigen Behörden ihr Vorgehen verbessern können. „Es gibt für Schifffahrtsfragen ein Regelwerk. Die Frage ist, ob sich alle daran gehalten haben.“

dpa/r.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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